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St. Sebastians-Kirche

Obj.-Dok.-Nr.: 09030374
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Gesundbrunnen
Strasse: Gartenplatz
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kirche kath.
Datierung: 1890-1892
Entwurf: Hasak, Max (Architekt)

Mitten auf dem Gartenplatz steht die von Nordwesten nach Südosten orientierte St. Sebastians-Kirche, die mit ihrem 82 m hohen Turm das Stadtviertel beherrscht. Als erste katholische Großkirche des Berliner Nordens wurde St. Sebastian 1890-93 von Max Hasak errichtet. (1) Den repräsentativen Bauplatz stellte die Stadt Berlin zur Verfügung. Der monumentale Kirchenbau, der außen vollständig mit Sandstein verkleidet ist, erweckt den Eindruck einer längsgerichteten dreischiffigen Basilika, besitzt aber einen zentralisierten, stützenfreien Kirchenraum, der über einem kreuzförmigen Grundriss angelegt ist. Der Architekt übernahm damit einen im evangelischen Kirchenbau entwickelten Gedanken, der bereits mit den Großkirchen von August Orth umgesetzt worden war. Den Raumeindruck bestimmt die riesige sterngewölbte Vierung, an die sich Chorjoch und Chorpolygon anschließen. Das von den Querhausarmen erweiterte Vierungsquadrat geht in ein breites, aber sehr kurzes Langhaus über. In den Seitenschiffen sind jeweils drei Nebenkapellen ausgebildet. Max Hasak gestaltete den Außenbau in frühgotischen Formen. Beeindruckend sind die Querhausfronten, in denen sich monumentale Rosenfenster öffnen. Der mächtige Turm zitiert mit den abgetreppten Strebepfeilern und dem schlanken steinernen Helm die gotischen Westtürme der Elisabethkirche in Marburg. Das Bogenfeld im reichgeschmückten Gewändeportal zeigt den hl. Sebastian, der von Engeln angebetet wird. Das Relief schuf Nikolaus Geiger. Im Innenraum wechseln Pfeilern, Wandvorlagen und Rippen aus Backstein mit verputzten, ehemals farbig gefassten Wandflächen. Das lebendige, naturgetreue Blattwerk der Kapitelle stammt von Bildhauer Muth. Die Kirche wurde nach schweren Kriegschäden 1946-50 wiederhergestellt und 1973-74 von Hubert Vogt gemäß der Liturgiereform umgestaltet. Der rechte Seitenaltar im Chorraum enthält drei spätgotische, wohl in Westfalen gearbeitete Schnitzfiguren. Das Gegenstück, der Sebastiansaltar, wurde Ende der 1930er Jahren in Auftrag gegeben. Die zugehörigen neugotischen Gehäuse sind nicht erhalten. Bei der Umgestaltung wurde auch die Kanzel beseitigt. Die vier Evangelistenmedaillons von Nikolaus Geiger sind heute in der Taufkapelle angebracht. Mit dem neugotischen Außenbau und dem zentralisierten Innenraum wurde St. Sebastian typenbildend für den katholischen Kirchenbau in Berlin.

Der mächtige Westturm von St. Sebastian scheint der 1888-90 von Franz Schwechten erbauten AEG-Fabrik zu antworten, die den Gartenplatz an der Nordwestseite begrenzt. Als Zeichen der traditionellen christlichen Welt und der neuzeitlichen Industrie stehen sich die Fabriktore der AEG und das Kirchenportal unmittelbar gegenüber. Mitten im Arbeiterviertel soll die imposante Großkirche demonstrieren, dass der christliche Glaube auch in einer modernen, veränderten Welt bestehen bleibt.


(1) Bau der katholischen St. Sebastianskirche in Berlin. Entwurf des Baurats Güldenpfennig in Paderborn. Gutachten der Königlichen Akademie des Bauwesens. in: Centralblatt der Bauverwaltung 9 (1889), S. 491-492; Neubau der katholischen St. Sebastianskirche in Berlin. Entwurf des Regierungs-Baumeisters Hasak in Berlin. in: Centralblatt der Bauverwaltung 10 (1890), S. 385; Hasak, Max: Die neue katholische St. Sebastiankirche auf dem Gartenplatz in Berlin. in: Centralblatt der Bauverwaltung 12 (1892), S. 353-355; Kolbe, G.: Die St. Sebastianskirche in Berlin. in: Der Bär 19 (1893), S. 92; Die Katholische St. Sebastiankirche in Berlin. in: Blätter für Architektur und Kunsthandwerk 8 (1895), S. 70, Tafeln 85-86, 105-106, 117-118; BusB 1896, Bd. 2, S. 195-196; Amtlicher Führer durch die fürstbischöfliche Delegatur. Wegweiser durch die kirchlichen, sozialen und charitativen Einrichtungen Berlins und der Delegatur. Berlin 1904, S. 13-14; Gottwald 1924, S. 173; Streicher/Drave 1980, S. 81, 139-140, 254-255; 125 Jahre St. Sebastian Berlin Wedding. 1860-1985. Hrsg. von der Katholischen Kirchengemeinde St. Sebastian [Berlin 1985]; Dettmer 1988, S. 90; BusB VI, S. Dehio Berlin 2000, S. 474-475; Goetz/Hoffmann-Tauschwitz 2003, S. 149-150.

Literatur:
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 94ff.