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Schering AG & Comptoir- und Magazingebäude & Hauptlabor (M021)

Obj.-Dok.-Nr.: 09030370
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Wedding
Strasse: Fennstraße
Hausnummer: 10
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Forschungseinrichtung & Museum
Datierung: 1871-1872
Umbau: um 1910
Entwurf: Erdmann (Architekt)
Bauherr: Schering, Ernst (Chemiker & Apotheker)

An die frühe Geschichte des Unternehmens erinnert das 1871-72 von Erdmann erbaute Comptoir- und Magazingebäude (M 021), Fennstraße 10, das hinter den Verwaltungsgebäuden im nördlichen Fabrikgelände steht. (1) Der Backsteinbau über einem abgewinkelten Grundriss, der mit einer schrägen Ecke zwischen zwei Straßen des Werksgeländes vermittelt, wurde seit 1890 als Hauptlabor genutzt. Beachtung verdient die qualitätvolle Backsteinarchitektur, die sich an den frühen Bauten Karl Friedrich Schinkels orientiert. (2) Die Fassaden sind durch räumlich abgestufte Wandschichten - vertikale Wandvorlagen, Gesimse und vertiefte Brüstungsfelder - subtil gegliedert. Der südliche Gebäudeteil wurde um 1910 umgebaut und erweitert. Mit dem steilen Dach, das die Attika ersetzt, und den rechteckigen Fenstern nähert sich das Gebäude der neoklassizistischen Baukunst vor dem Ersten Weltkrieg an. Die alten Segmentbogenfenster kann man nur noch am Eckbau sehen. An den Wandvorlagen des Mitteltrakts sind Medaillons aus Terrakotta angebracht. Die Porträts von Heinrich Klaproth (1743-1817), Laurent Lavoisier (1743-1794), Wilhelm Scheele (1742-1786), Humphry Davy (1778-1829), Ernst Schering (1824-1889), Leopold Gmelin (1788-1853), Eilhart Mitscherlich (1794-1863), Heinrich Rose (1795-1864) und Heinrich Magnus (1802) verweisen auf die Geschichte der chemischen und pharmazeutischen Forschung. Die Reliefs stammen aus der Tonwarenfabrik Ernst March.


(1) Hildebrandt/Lemburg/Wewel 1988, S. 74-75.

(2) Das Prinzip, Backsteinfassaden durch flache, räumlich gestaffelte Wandschichten zu gliedern, wurde von Karl Friedrich Schinkel eingeführt (siehe Klinkott, Manfred: Die Backsteinbaukunst der Berliner Schule von K. F. Schinkel bis zum Ausgang des Jahrhunderts. Berlin 1988). Frühe Beispiele sind die Militärarrestanstalt und Kaserne für die Lehreskadron in der Lindenstraße (1817-18) und der Leuchtturm am Kap Arkona auf der Insel Rügen (1825-27). Die frühe Backsteingebäude besitzen noch keinen Bauschmuck aus Terrakotta.

Literatur:
  • BusB IX 1971 / Seite 111
  • 100 Jahre Schering, Festschrift, 5/71 / Seite 21ff.
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 192