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Haus Lützkendorf

Obj.-Dok.-Nr.: 09030366
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Im Schwarzen Grund
Hausnummer: 18
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnhaus
Datierung: 1967-1968
Entwurf: Eickhoff, Erwin & Hoffie, Siegfried (Architekt)

Am östlichen Rand des Thielparks, der heute überwiegend von Bauten der Nachkriegszeit bestimmt wird, fällt das Wohnhaus, Im Schwarzen Grund 18, als typischer stereometrischer Backsteinbau der 1960er Jahre auf. (1) Das 1967-68 nach Entwurf der Architekten Erwin Eickhoff und Siegfried Hoffie errichtete Einfamilienhaus ist ein aus gestaffelten Blöcken zusammengefügter Baukörper, dessen zweigeschossige Straßenseite mit markant vortretendem Treppenhaus-Kubus sich weitgehend verschlossen zeigt. Die eingeschossige Westseite hingegen öffnet sich mit großen Fensterflächen und Terrassenvorbauten zum Park. Mit dem rötlich-braunen Klinker der Fassaden und einer Vorgarteneinfriedung, die mit weiß gestrichenen Metallgittern, Lampen und einer großen Hausnummer im zeittypischen Softline-Design gestaltet ist, folgen die Architekten in Material- und Farbwahl einer Mitte der 1960er Jahre aufkommenden Ästhetik. Darüber hinaus lassen die lagernde Form des Baukörpers, der geschickt die Hanglage des Grundstücks ausnutzt, die querrechteckigen Fenster mit breiten weißen Rahmen und die betonten Kanten des Flachdaches den Gesamtbau erdenschwer in der Landschaft ruhend erscheinen.

Das Innere untergliederten die Architekten auf sechs Ebenen mit unterschiedlichen Raumhöhen, wobei die Wohnräume im Obergeschoss auch separat als Dreizimmer-Einliegerwohnung genutzt werden können. Bereits vom Eingang erschließt sich das Gebäude in seiner ganzen Tiefenausdehnung: Von der Diele wird der Blick über die Essebene in den großzügigen, nach Westen ausgerichteten Wohnbereich gelenkt, der durch eine über Stufen abgesetzte Kaminecke noch einmal untergliedert ist. Diese Differenzierung der einzelnen Wohnbereiche, zu denen auch der überdeckte Kaminplatz auf der Terrasse zählt, ist ein typisches Architekturmerkmal der 1960er Jahre. Das Haus zählt damit zu den herausragenden Berliner Beispielen für einen gestalterischen Wandel im Einfamilienhausbau, der den leichten, transparenten Stil der 1950er Jahre ablöste und sich Anfang der 1970er Jahre auf breiter Ebene durchsetzte. Erwin Eickhoff und Siegfried Hoffie waren zuvor mehrere Jahre im Büro von Georg Heinrichs tätig gewesen. (2) Wie dieser beziehen sie sich mit ihrem Entwurf deutlich auf das Vorbild des Neuen Bauens der 1920er Jahre, das sie mit aktuellen Strömungen zu einer spannungsvollen Synthese vereinen. (3)

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(1) Rave/Knöfel 1994, Nr. 347. Auf dem bis dahin unbebauten Grundstück war 1951 ein schlichter, eingeschossiger Bungalow von den Architekten Will Dambitsch und Friedrich Mebes errichtet worden.

(2) Damals Bürogemeinschaft Müller & Heinrichs. Hoffie arbeitete dort von 1958-66 und war davor bereits Mitarbeiter von Hans Christian Müller. Eickhoff begann seine Tätigkeit für das Büro 1963. Die Pläne zum Haus Im Schwarzen Grund 18 in den Bauakten mit Corbusier-Lettern und einer reduziert-prägnanten graphischen Darstellung verweisen auf das Vorbild Georg Heinrichs (Archiv und mündliche Auskunft von Georg Heinrichs, Berlin 2010; vgl. Erfassung Landesdenkmalamt Berlin).

(3) Hier sind die Krefelder Bauten Ludwig Mies van der Rohes ein wichtiges Vorbild.

Literatur:
  • Rave, Rolf u.a./ Bauen der 70er Jahre in Berlin, Nr. 347., Berlin 1981 / Seite 234
  • Topographie Dahlem, 2011