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Amtsgericht Wedding

Obj.-Dok.-Nr.: 09030361
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Gesundbrunnen
Strasse: Brunnenplatz
Hausnummer: 1
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Gericht
Datierung: 1901-1906
Umbau: 1958 & 1987
Entwurf: Mönnich, Rudolf (Architekt)
Entwurf: Thoemer, Paul (Architekt)
Ausführung: Benda (Maurermeister)
Ausführung: Tesch, Gottlieb
Bauherr: Justizfiskus des Preußischen Staates

Die von Ufer- und Orthstraße eingefasste Panke begrenzt den weiträumigen Brunnenplatz, den die Stadt Berlin, dem Bebauungsplan von 1862 folgend, als Hauptplatz des Gesundbrunnens anlegen ließ. Auf der rechteckigen Platzfläche erhebt sich das Amtsgericht Wedding, Brunnenplatz 1. Das mächtige, den Stadtraum beherrschende Bauwerk mit hervorgehobenem Mitteltrakt und kurzen Seitenflügeln wurde 1901-1906 von Rudolf Mönnich und Paul Thoemer errichtet. (1) Wegen des sumpfigen Geländes musste das Amtsgericht auf neuartigen Eisenbetonpfählen gegründet werden. Die im Ministerium der öffentlichen Arbeiten beschäftigten Architekten hielten sich bei der Planung der Gerichtsgebäude in Berlin an ein übereinstimmendes Konzept. Im Mittelpunkt steht jeweils eine riesige Eingangshalle, die durch ihre repräsentative Größe den Sieg des Rechts über das Unrecht vermitteln soll. Nur die gewählten Stilformen unterscheiden sich. Beim Amtsgericht Wedding ließen sich Rudolf Mönnich und Paul Thoemer von der sächsischen und süddeutschen Spätgotik leiten. In den riesigen Vorhangbogen des Mitteltrakts ist ein Portalvorbau als Haupteingang eingestellt. Darüber wächst ein großes Maßwerkfenster auf. Ein Treppengiebel, flankiert von reich geschmückten Balkonen und Ecktürmchen, leitet zur mächtigen Giebelwand über, an der sich zwei Dreiecksgiebel mit durchbrochenen Aufsätzen vereinen. Die Wappen zeigen, dass das Amtsgericht für den Berliner Norden und die Landgemeinden Tegel, Wittenau, Reinickendorf, Heiligensee, Lübars und Hermsdorf zuständig war. Die Reliefs und Spruchbänder am Eingang verweisen auf mittelalterliche Rechtsquellen wie den Sachsen- und Schwabenspiegel und das kanonische Recht. Der reiche Schmuck steigert sich noch in der überwältigend großen Treppenhalle, die über vier Geschosse aufragt. Ein gebrochenes Licht durchströmt den weiten Raum, in dem achtseitige Pfeiler aufwachsen, die ein dichtes Netzgewölbe mit einem abgehängten Schlussstein tragen. Die Halle staffelt sich mit vielgestaltigen Treppenaufgängen und umlaufenden Galerien nach oben. An den seitlichen Treppen sind die lebensgroßen Statuen der Güte und der Wahrheit angebracht. Die Pfeiler- und Gewölbearchitektur geht auf die spätgotischen Hallenkirchen im Erzgebirge zurück, während die Vorhangbogenfenster und die Zellengewölbe an die Albrechtsburg in Meißen erinnern. Die Schaufassade am Brunnenplatz wird von zwei Seitenflügeln eingefasst, zu denen runde Treppentürme mit geschweiften Hauben überleiten. Der geplante rückwärtige Flügel an der Orthstraße wurde niemals ausgeführt. Die nach dem Zweiten Weltkrieg angefügten Erweiterungsbauten sind unterschiedlich gestaltet. Der 1957-58 von Bruno Grimmek erbaute Trakt hinter dem rechten Seitenflügel passt sich dem alten Amtsgericht besser an als der 1984-87 ausgeführte Bau hinter dem linken Seitenflügel.


(1) Betoneisenpfählen unter Grundmauern. in: Zentralblatt der Bauverwaltung 22 (1902), S. 560; Die im Bau begriffenen Gerichtsbauten in Berlin und in den Vororten. in: Zentralblatt der Bauverwaltung 23 (1903), S. 465-466; Die Berliner Vorortgerichtsbauten. in: Zentralblatt der Bauverwaltung 31 (1911), S. 58-61; Gottwald 1924, S. 201-204; BusB III, S. 67-68, 79; Schwarz 1981, Bd. 2, S. 162-163; "Das Imponieren, darauf kommt es jetzt an". Herrschaftsarchitektur im Arbeiterbezirk. in: Jetzt geht´s rund ... durch den Wedding. Hrsg. von der Ev. Versöhnungsgemeinde und von der Weddinger Geschichtswerkstatt. Berlin 1984, S. 70-74; Kühne, Volker: Gerichtsgebäude in Berlin. Eine Rechts- und Baugeschichte. Berlin 1988, S. 56-58.

Literatur:
  • BusB III 1966 / Seite 79
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 127f.