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Hindenburgbrücke & Bösebrücke & Bornholmer Brücke

Obj.-Dok.-Nr.: 09030358
Bezirk: Mitte & Pankow
Ortsteil: Gesundbrunnen & Prenzlauer Berg
Strasse: Bornholmer Straße
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Brücke
Datierung: 1912-1916
Entwurf: Krause, Friedrich (Bauingenieur)
Entwurf: Behner (Bauingenieur)
Entwurf: Kalb (Bauingenieur)
Entwurf: Wolffenstein, Richard (Bauingenieur)
Ausführung: Helfmann und Winkel (Baufirma)
Bauherr: Tiefbauamt III der Stadt Berlin

Die Osloer Straße geht an der Kreuzung mit der Grüntaler Straße in die Bornholmer Straße über, die mit der 138 m langen ursprünglich nach Hindenburg benannten Brücke das Bahngelände der Berlin-Stettiner Eisenbahn und der Nordbahn überquert. (1) Die 1912-16 von Friedrich Krause, Stadtbaurat für Tiefbau, und seinen Mitarbeitern Hedde, Sievers, Behrens, Pohl, Marcus und Heinzel erbaute Straßenbrücke wird heute Bösebrücke oder Bornholmer Brücke genannt. Im Unterschied zur Hängekonstruktion der Swinemünder Brücke wurde hier ein auf ein zwei Stützen ruhendes Bogentragwerk ausgebildet. Die Fachwerkträger begleiten die Fahrbahn und erheben sich über der Mittelöffnung in Form eines Korbbogens, so dass der Obergurt eine elegant geschwungene Linie beschreibt. Hängeeisen halten die abgehängte Eisenbetonplatte der Fahrbahn, die mit 15 Metern ungewöhnlich breit ist. (2) Um die beträchtlichen Lasten aufzunehmen, wurde erstmals im Brückenbau hochfester Nickelstahl verwendet. (3) Bogenförmige Querkonstruktionen über der Fahrbahn versteifen die seitlichen Fachwerkträger. Die Brückenkonstruktion wirkt allein durch ihre kraftvolle Form. Auf Bauschmuck, wie ihn die Swinemünder Brücke erhielt, wurde verzichtet. An den Brückenköpfen führen neubarocke Treppenanlagen zu den unter der Brücke hindurchführenden Straßen. Heute breiten sich dort Kleingärten aus. Die von Richard Wolffenstein entworfenen Treppen scheinen aus Werkstein zu bestehen, wurden aber in einer damals neuartigen Bauweise mit Werkstein imitierenden Stampfbeton ausgeführt. Von der Bornholmer Brücke kann man die Empfangshalle des 1934-35 erbauten S-Bahnhofs Bornholmer Straße betreten, die sich turmartig im Einschnitt des Bahngeländes erhebt. Bahnhof und östlicher Brückenabschnitt gehören bereits zum Bezirk Pankow. Während der Teilung Berlins bildete die Bornholmer Brücke einen scharf bewachten Grenzübergang. Mit seiner Öffnung am Abend des 9. November 1989 begann der Fall der Berliner Mauer.


(1) Die Hindenburgbrücke in Berlin. in: Zentralblatt der Bauverwaltung 35 (1915), S. 531-536; Die Hindenburgbrücke in Berlin. in: Bauwelt 6 (1915), S. 11-13; Die neue Hindenburg-Brücke über die Stettiner- und Nordbahn in Berlin. in: Deutsche Bauzeitung 49 (1915), S. 475-479, 493-498, 515-517; Krause, Friedrich und Hedde, Fritz: Die Brückenbauten der Stadt Berlin seit dem Jahre 1897. in: Zeitschrift für Bauwesen 72 (1922), S. 323-332; Gottwald 1924, S. 87-88.

(2) Es schließen sich seitlich 6 m breite Fußwege an, so dass die Brücke insgesamt eine Breite von 27 m aufweist.

(3) Nickelstahl wurde für das Bogentragwerk und die Häneeeisen verwendet. Die übrigen Bauteile bestehen aus Flusseisen bzw. Gussstahl, die Gelenke aus geschmiedetem Stahl. Die Eisenkonstruktion wiegt insgesamt 1.600 t.

Literatur:
  • Bauwelt 4 (1913) 15 / Seite ..
  • Bauwelt 5 (1914) 24 / Seite 29
  • N.N./ Die Hindenburgbrücke in Berlin in
    Bauwelt 6 (1915) 40 / Seite 11-13
  • Zittlau, Reiner, Berliner Eisenbrücken in
    Baukammer (1992) 3 / Seite (Themenheft Denkmalpflege) 7-18
  • N.N./ Die neue Hindenburg-Brücke über die Stettiner- und Nordbahn in Berlin in
    Deutsche Bauzeitung 49 (1915) / Seite 475-479, 493-498, 515-517
  • N.N./ Die Hindenburgbrücke in Berlin in
    Zentralblatt der Bauverwaltung 35 (1915) / Seite 531-536
  • N.N./ (Hindenburgbrücke im Zuge der Bornholmer Strasse, Berlin) in
    Berliner Architekturwelt 19 (1917) / Seite 19-25
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 148