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AEG-Apparatefabrik

Obj.-Dok.-Nr.: 09030340
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Gesundbrunnen
Strasse: Ackerstraße
Hausnummer: 76
Strasse: Feldstraße & Max-Urich-Straße & Hussitenstraße
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Fabrik
Datierung: 1894-1907
Umbau: nach 1945
Entwurf: Schwechten, Franz Heinrich (Architekt)
Entwurf: Tropp, Franz (Bauingenieur)
Bauherr: AEG

Die Fabriken der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) sind herausragende Monumente der deutschen und europäischen Industriegeschichte. (1) Der größte und bedeutendste Industriestandort der Berliner Innenstadt war ein Ausgangspunkt für die Entwicklung der Elektroindustrie. An den Fabrikgebäuden lässt sich der Aufstieg der AEG zu einem weltweit führenden Unternehmen der Elektrotechnik ablesen. Der 1883 von Emil Rathenau gegründete Betrieb fertigte anfangs unter dem Namen "Deutsche Edison-Gesellschaft" in einem kleinen Gebäude nahe dem Stettiner Bahnhof, in der Schlegelstraße, Glühlampen und elektrotechnische Geräte. Mit ihren neuen, zukunftsweisenden Technologien und Produkten erlebte die AEG ein außerordentlich schnelles Wachstum. Um die Produktion ausweiten zu können, erwarb Rathenau 1888 das Fabrikgelände der Maschinenbauanstalt von Wilhelm Karl Johann Wedding, den Baublock zwischen Ackerstraße 71-76, Feldstraße 14-17, Hussitenstraße 46-51 und Max-Urich-Straße 1-3, auf dem er eine Apparatefabrik errichten ließ. Da die Produktionsfläche schon bald nicht mehr ausreichte, gründete die AEG, der Randwanderung der Berliner Industrie folgend, 1897 in Oberschöneweide eine neue Niederlassung (2) , baute aber zugleich den innerstädtischen Standort weiter aus. (...)

Die Apparatefabrik, die einen vollständigen Baublock an der Ackerstraße einnimmt, wurde 1888-90 von der AEG-Bauabteilung unter Leitung von Paul Tropp errichtet. (3) Für die Fassadengestaltung konnte die AEG den renommierten Architekten Franz Schwechten gewinnen. Mit einer geschlossenen Blockrandbebauung fügt sich die Fabrik in den umliegenden städtischen Raum ein. Im Blockinnenraum ist ein Querflügel angeordnet, den nordwestlichen Hof unterteilen mehrgeschossige Nebengebäude und ein Kesselhaus. Der fünfgeschossige Backsteinbau mit gleichmäßig aufgereihten Segmentbogenfenstern wird von Mauerwerkspfeilern sowie innenliegenden Stahlstützen getragen. Der Grundriss lässt noch keine klar geordnete, den Betriebsanforderungen entsprechende Konzeption erkennen. Treppenhäuser und Fabrikationsräume sind in der vorgegebenen Blockform ohne verbindendes System untergebracht. Im Gegensatz zum Grundrissbild steht die äußere Gestaltung, die als eigenständig entworfenes Element den Betrieb in der Öffentlichkeit würdig repräsentieren soll. Die dem damaligen Zeitgeschmack entsprechende Dekoration folgt der Backsteinbaukunst der Berliner Schule. An der Ackerstraße bildete Franz Schwechten eine Schaufassade aus, die durch risalitartig hervorgehobene Gebäudeecken und einen Mittelrisalit mit Attika gegliedert ist. Über dem Erdgeschoss ist das Gebäude mit durchfensterten Segmentbogenblenden und reich geschmückten Brüstungsfeldern gegliedert. Die verwendeten Terrakotten, weiß und hellblau glasiert, zeigen florale Ornamente und eine aufgehende Sonne, die symbolhaft auf die Elektroenergie verweist. Die drei Fabriktore im Mittelrisalit sind mit schmiedeeisernen Bändern aufwendig dekoriert. Die Apparatefabrik, später Zählerfabrik, lieferte elektrotechnisches Material und Haushaltsgeräte. Der Gebäudeflügel an der Hussitenstraße wurde nach schweren Kriegsschäden bis auf das Erdgeschoss abgetragen.


(1) Deutsche Industrie - Deutsche Kultur. Hrsg. v. Julius Eckstein und J. J. Landau. Berlin 1900, S. 233-237; Ingenieurwerke in und bei Berlin. Festschrift zum 50jährigen Bestehen des Vereines deutscher Ingenieure. Gewidmet vom Berliner Bezirksverein deutscher Ingenieure. Hrsg. von Alexander Herzberg und Diedrich Meyer. Berlin 1906, S. 472-481; Die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft 1883-1908. [Berlin 1908]; Matschoß, Conrad: Die geschichtliche Entwicklung der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft in den ersten 25 Jahren ihres Bestehens. In: Beiträge zur Geschichte der Technik und Industrie. Jahrbuch des Vereines Deutscher Ingenieure 1 (1909), S. 53; Hirschberg 1929/30; 50 Jahre AEG. Hrsg. von der AEG. Berlin 1956; Buddensieg 1975; Buddensieg/Rogge 1979; Schwarz 1981, Bd. 2, S. 154-157; Schade, Ingrid: Bestandsaufnahme und Dokumentation des AEG-Werks Brunnenstraße. Berlin 1982 [Exemplar im Landesdenkmalamt Berlin]; Rogge, Henning: Fabrikwelt um die Jahrhundertwende am Beispiel der AEG Maschinenfabrik in Berlin-Wedding. Köln 1983; Neumeyer, Fritz: Im Schatten des mechanischen Haines. Versuchsanordnungen zur Metropole. in: Schwarz 1984, Bd. 1, S. 273-282; Schwarz 1984, Bd. 3, S. 98-100; Hildebrandt/Lemburg/Wewel 1988, S. 202-204; Peters, Dietlinde: Die AEG-Fabriken Brunnenstraße. in: Geschichtslandschaft 1990, S. 22-43; Strunk, Peter: Die AEG. Aufstieg und Niedergang einer Industrielegende. Berlin 1999; Die AEG im Bild. Hrsg. v. Liselotte Kugler. Berlin 2000

(2) Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Berlin. Bezirk Treptow-Köpenick, Ortsteile Ober- und Niederschöneweide. Bearb v. Matthias Donath. Petersberg 2003

(3) Hirschberg 1929/30, S. 6-7; BusB IX, S. 42-43, 94. Schwarz 1981, Bd. 2, S. 151; Rogge, Henning: Fabrikwelt um die Jahrhundertwende am Beispiel der AEG Maschinenfabrik in Berlin-Wedding. Köln 1983, S. 18-21; Schwarz 1984, Bd. 3, S. 97; Hildebrandt/Lemburg/Wewel 1988, S. 206 [mit verwechselten Literaturangaben]; Dehio Berlin 2000, S. 479.

Literatur:
  • Hildebrand, Lemburg, Wewel/ Historische Bauwerke, 1988 / Seite 206f. (mit weiteren Lit.-Angaben)
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 85
  • Streich, Wolfgang Jürgen: Franz Heinrich Schwechten 1841-1924. Bauten für Berlin. Imhof 2005 / Seite 169-185