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Kleingleichrichterwerk & Umspannwerk Bahn

Obj.-Dok.-Nr.: 09030339
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Gesundbrunnen
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: E-Werk
Datierung: 1928
Entwurf: Brademann, Richard (Architekt)
Bauherr: Deutsche Reichsbahn

Im Einschnitt nördlich des Humboldthains vereinen sich die Bahntrassen der Berlin-Stettiner Eisenbahn und der Ringbahn. Inmitten der Gleise steht ein 1928 von Richard Brademann erbautes Kleingleichrichterwerk. (1) Das technische Bauwerk entstand infolge der 1924 eingeleiteten Elektrifizierung der Berliner S-Bahn. Um den mit 30.000 Volt vom Kraftwerk gelieferten Drehstrom in Gleichstrom von 800 Volt umzuwandeln und der Stromschiene zuzuführen, errichtete die Reichsbahn überall in Berlin Umformer-, Gleichrichter- und Schaltwerke. Der außerordentlich dichte Zugverkehr der Ringbahn erforderte eine gleichmäßige Stromversorgung, die nur mit kleinen, in kurzen Streckenabschnitten von wenigen Kilometern hintereinander angeordneten Gleichrichtern gewährt werden konnte. Richard Brademann entwickelte für die Ringbahn einen Typenentwurf, nach dem 1927-28 neunzehn ferngesteuerte Kleingleichrichterwerke gebaut wurden. Der leitende Architekt der Berliner Reichsbahndirektion fand für die technischen Zweckbauten eine klare, sachliche Formensprache, die ihre Funktionalität unterstreicht und dennoch einen künstlerischen Anspruch erkennen lässt. Mit dem kubischen, gestaffelten Aufbau und der dunklen Klinkerverkleidung erhielt das längliche Gebäude eine einprägsame Form. Die zweifach abgestuften Seitentrakte fassen einen erhöhten Mittelteil ein, bei dem technische Funktion und architektonische Gestaltung eine Einheit eingehen. Hinter den markanten Ecken, verziert mit vor- und zurückgesetzten Klinkerlagen, ist die Lüftung der Transformatoren und Gleichrichter untergebacht, die hinter den Stahltoren stehen. Die gesimsartigen Türverdachungen aus Betonwerkstein und die Gesimse der überstehenden Flachdächer geben dem Gebäude eine klare horizontale Gliederung. Die beiden Gleichrichtersätze werden vom Schaltwerk an der Böttgerstraße 14, nördlich der Ringbahn, ferngesteuert.


(1) Hochbauten der Reichsbahn-Direktion Berlin für die Elektrisierung der Berliner Stadt- und Vorortbahn. Architekt: Richard Brademann, Berlin. in: Wasmuths Monatshefte für Baukunst 13 (1928), S. 481-493; Brademann, Richard: Hochbauten der Elektrisierten Stadt- und Vorortbahnen. in: Zeitschrift für Bauwesen 80 (1930), S. 29; Schieb: Stromversorgung der Berliner Stadtbahn. in: Verkehrstechnische Woche 24 (1930), S. 226; Riedel, Karl: Die ferngesteuerten Gleichrichterwerke der Berliner Stadtschnellbahn. in: Elektrische Bahnen 7 (1931), S. 205-213; BusB X B (2), S. 101, 194; Gympel, Jan: Richard Brademanns Bauten für die Berliner S-Bahn. in: Bauwelt 84 (1993), S. 1998-2001; Dost 2002, S. 80-84.

Literatur:
  • BusB X B 2 1984 / Seite 194, 101
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 115f