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Haus Köpke

Obj.-Dok.-Nr.: 09030330
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Dohnenstieg
Hausnummer: 10
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnhaus & Einfriedung & Terrasse & Wegeführung
Datierung: 1965-1968
Entwurf: Scharoun, Hans (Architekt)
Bauherr: Köpke, Hans

Das Haus Köpke, Dohnenstieg 10, ist das einzige private Wohnhaus, das Hans Scharoun in Berlin nach 1945 gebaut hat. Es entstand 1965-68 auf der Grundlage eines Entwurfes von 1958, der jedoch 1964 nochmals überarbeitet wurde. Auftraggeber war der Kaufmann Hans Köpke. Etwas distanziert liegt der ein- bis zweigeschossige Klinkerbau hinter einer Einfriedung aus Drahtgitterfeldern auf Klinkersockel - eine hohe Hecke gestattet bis auf den Eingangsbereich keine Einblicke auf das Grundstück. Rechts neben der Drahtgitterpforte mit Briefkasten und hinterleuchteter Hausnummer in der typischen Formgebung Scharouns grenzt eine Klinkermauer die Doppelgarage vom Hauseingangsbereich ab. Auf der Grundlage von Raumprogramm, Belichtung und Beziehung zum Garten schuf Hans Scharoun in meisterhafter Weise einen vielgliedrigen Baukörper, der durch eine polygonal gebrochene Kubatur, Asymmetrien und flach geneigte Dächer bestimmt wird. Dies wird besonders an der Gartenseite deutlich, wo der - hier dreigeschossige - Hauptbaukörper im spannungsreichen Kontrast zu den flachen seitlichen Trakten in den Vordergrund tritt. Neben der polygonalen Form prägen die sorgsam ausgewählten und sorgfältig verarbeiteten Fassadenmaterialien das Erscheinungsbild: Klinker, Beton, farbiger Putz und Holzschalung. Im Eingangsbereich bildet ein abstraktes Mosaik als Blickfang den einzigen dekorativen Bauschmuck. Von herausragender gestalterischer Kraft sind die das Gebäudeinnere auszeichnenden "Wohnlandschaften". Sie stehen in der Tradition Scharoun´scher Wohnbauten seit den 1930er Jahren und entsprechen den von ihm bereits Ende der 1920er Jahre ausgebildeten Gestaltungsprinzipien des organischen, von der Funktion her entwickelten Bauens. Dazu gehören in erster Linie die weitläufigen hellen Räume im Erdgeschoss mit unterschiedlich gestalteten, fließend ineinander übergehenden Bereichen und differenzierten Raumhöhen. Darüber hinaus bemerkenswert sind die in unterschiedliche Niveaus gebrochenen Stockwerkshöhen, die Gestaltung anhand vielfältiger unregelmäßiger Raumformen mit wandfesten Einbauten sowie eine großzügige Belichtung mit Fenstern verschiedener Formate. Ein wichtiges Element der Gestaltung bildet ferner die Einbeziehung der umgebenden Natur durch vorgelagerte Terrassen und große Panoramafenster, die Blickbezüge zum Garten gestatten. Haus Köpke besticht durch eine exzellente Konzeption und eine zurückhaltend kultivierte Eleganz in der Raumausstattung. Scharoun setzte mit dieser zeitlosen Form bis heute einmalige architektonische Maßstäbe.

Literatur:
  • Peter Pfannkuch, Hans Scharoun, Bauten, Entwürfe, Texte
    Schriftenreihe der Akademie der Künste, Band 10, Berlin 1979 / Seite WV Nr. 238
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 188
  • Geist, Kürvers, Rausch, Hans Scharoun, Chronik zu Leben + Werk, Akademie der Künste, Berlin 1993 / Seite S. 155 WV Nr. 238
  • Thomas Steigenberger, Versteckt in den Vororten - Die Einfamilienhäuser der Nachkriegsmoderne in Berlin
    Denkmal! Moderne, Architektur der 60er Jahre, Wiederentdeckung einer Epoche, herausgegeben von Adrian von Buttlar und Christoph Heuter, Berlin 20 / Seite S. 88-105