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Wandgrabmale St. Johannis-Kirchhof II

Obj.-Dok.-Nr.: 09030323
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Wedding
Strasse: Seestraße
Hausnummer: 126
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Grabmal
Datierung: um 1885-um 1930

Die Kirchengemeinde St. Johannis in Moabit ließ 1864 an der Seestraße 126 den St. Johannis-Kirchhof II einrichten. Die Erbbegräbnisreihe, die an der nördlichen Grundstücksecke beginnt und der hinteren Einfriedung folgt, ist vollständig erhalten geblieben. (1) Die drei Grabstätten der Familien Jakob Feibicke, Fritz Kopp und Wilhelm Hindermann, die zwischen 1882 und 1885 angelegt wurden, sind sehr repräsentativ gestaltet. Man bediente sich der Architektur der Neorenaissance. Jede Sandsteingrabwand setzt sich aus einem höheren Mittelteil, hervorgehoben durch Säulen und Giebel, und zwei niedrigen Seitenbereichen zusammen. Als Schrifttafeln sind schwarze, polierte Granitplatten eingesetzt. Unter den Grabstätten befinden sich Gruftgewölbe, die über seitliche Treppenzugänge betreten werden können. Die Tore dieser Treppenanlagen, die man nur bei einer Bestattung öffnet, erhielten schmückende Einfassungen aus Sandstein. Eine andere künstlerische Richtung vertritt das Grabmal Hindermann, bei dem neobarocke Motive mit der lebhaften Formenwelt des Jugendstils verwoben sind. Die Grabwand aus rotem Sandstein wurde vermutlich um 1905 aufgestellt. In der Mitte öffnet sich eine torartiger Bogen, verblendet mit schwarzem Granit. Man sieht einen Sarkophag, von dem goldene Strahlen ausgehen, während eine Urnenvase den architektonischen Aufbau bekrönt. An der Grabwand scheinen Rosenbüsche zu wachsen, die ganz naturalistisch aus dem Stein gearbeitet sind. Auch diese Grabstätte verfügt über eine Gruft. Auf die Reformarchitektur des frühen 20. Jahrhunderts verweist das 1906 aufgestellte Grabmal der Familie Wilhelm Ostermann, auch wenn der traditionelle Aufbau einer Grabwand beibehalten wurde. Der mittlere Wandabschnitt, verziert mit einem frühchristlichen Christogramm, wird von mächtigen Rundpfeilern eingefasst. (2) Die beiden 1929 eingerichteten Erbbegräbnisse zeigen, dass nach dem Ersten Weltkrieg häufig an traditionellen Lösungen festgehalten wurde. Das Grabmal der Familie Arndt folgt neoklassizistischen Vorbildern. Eine Kalksteinwand ist mit Granitsäulen und kupfergetriebene Kapitellen kombiniert. Einen Gegensatz bildet das schlichte, sachliche Grabmal der Familie Hallert, das vermutlich um 1930 geschaffen wurde. Die Begräbnisstätte wird von einer Klinkermauer begrenzt. Durch die wechselnde Anordnung der Klinker ergibt sich ein gestreiftes Muster. In die Mauer wurde ein Kreuz aus golden glasierten Ziegeln eingefügt.


(1) Die Grabstätten sind in folgender Reihenfolge angeordnet (von rechts nach links): Familie Hindermann, um 1905; Familie Fritz Kopp, 1884; Familie Wilhelm Hindermann, 1885; Familie Jakob Feibicke; 1882, Familie Lessing, 1905; Familie Wilhelm Ostermann, 1906; Grabstätte einer unbekannten Familie, um 1905; Carl Kopp, 1929; Familie Rudolf Arndt, 1929; Familie Hallert, um 1960.

(2) Medaillon mit den griechischen Buchstaben Chi und Rho (für Jesus Christus) sowie Alpha und Omega (für Anfang und Ende), hinweisend auf den von Ewigkeit zu Ewigkeit herrschenden Christus.

Literatur:
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 246