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140. und 194. Gemeindeschule & 9. Realschule

Obj.-Dok.-Nr.: 09030313
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Gesundbrunnen
Strasse: Prinzenallee
Hausnummer: 8
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Schule & Lehrerwohnhaus & Turnhalle
Datierung: 1891-1892 & 1893-1894
Umbau: 1959 & 1975
Entwurf: Blankenstein, Hermann (Architekt)
Entwurf: Hesse, Paul (Architekt)
Ausführung: Spahr (Baugeschäft)
Bauherr: Stadtbauinspektion II

Mit dem raschen Bevölkerungswachstum im ausgehenden 19. Jahrhundert mussten zusätzlich zur Gemeindeschule an der Pankstraße weitere Schulen gegründet werden. Um Kosten zu sparen, erwarb die Stadt Berlin kein Straßengrundstück, sondern eine große Blockinnenfläche hinter den Mietshäusern von Prinzenallee und Badstraße, Prinzenallee 8/Badstraße 22. Unter Aufsicht von Stadtbaurat Hermann Blankenstein erbaute Paul Hesse 1891-94 zwei Schulen, die sich einem gemeinsamen Schulhof zuwenden, sonst aber über getrennte Klassentrakte, Lehrerwohnhäuser und Turnhallen verfügen. Die 9. Realschule (1) konnte man ursprünglich nur über eine Durchfahrt im Lehrerwohnhaus Badstraße 22 betreten. Das in den geschlossenen Blockrand eingeordnete Gebäude wurde 1945 zerstört. Der kleine Schulhof wird von der Turnhalle und dem dreigeschossigen Klassentrakt begrenzt. An der blockhaften Grundform, der Backsteinverkleidung und dem Bauschmuck aus farbigen Ziegellagen kann man die historisierende Bauweise des Stadtbaurats Blankenstein erkennen, der in den letzten Jahren seiner Amtszeit zunehmend gotisierende Elemente sowie roten Backstein und grün glasierte Ziegel verwendete. Zwei hervortretende Treppenhausachsen gliedern die Eingangsseite. Dem Lehrerzimmer in der mittleren Achse ist ein Balkon vorgelagert. Das dritte Stockwerk, verziert mit Maßwerkfenstern und drei Ziergiebeln, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und später vereinfacht wiederaufgebaut. Dagegen ist die Turnhalle, ein Backsteinbau mit maßwerkähnlich geteilten Bogenfenstern, Ornamentflächen und einem Rundbogenfries über dem Wandfeldern, vollständig erhalten.

Den Schulhof der 140. und 194. Gemeindeschule (2) betritt man über eine Zufahrt neben dem Lehrerwohnhaus an der Prinzenallee 8. Auch dieses Gebäude besitzt Maßwerkflächen unter den Fenstern und farbige Streifen aus grün glasierten Ziegeln. Die linke Achse mit der Tordurchfahrt wird durch einen gotisierenden Giebel betont. Der langgestreckte Klassentrakt der Gemeindedoppelschule zeigt die gewöhnliche spätklassizistische Bauweise, wie sie für zahlreichen Berliner Schulen der 1880er Jahre typisch ist. Das mit gelbem Backstein verkleidete Schulhaus erhielt einen zurückhaltenden Fassadenaufbau mit roten Ziegellagen, regelmäßig aufgereihten Segmentbogenfenstern und einem abgestuften, ausladenden Hauptgesims. Hinter den großen Bogenfenstern des hervortretenden Mittelrisalits liegt die Aula. Die geschlossenen Wandflächen der Seitenrisalite sind mit Inschriftentafeln und dem Berliner Bären geschmückt. Die der Bibel entnommenen Inschriften dienen als moralische Ermahnung und spielen zugleich auf den Gesundbrunnen an. (3) Die zur Gemeindeschule gehörende Turnhalle blieb nicht erhalten.


(1) BusB 1896, Bd. 2, S. 310; BusB V C, S. 351; Melk-Koch 1993, S. 24-27.

(2) BusB V C, S. 350; Melk-Koch 1993, S. 163-169.

(3) Die erste Inschrift "LASSET UNS / DEM NACHSTREBEN DAS / DEM FRIEDEN DIENET" stammt aus dem Brief des Paulus an die Römer, Kapitel 14, Vers 19. Auf der rechten Schrifttafel ist ein Text aus der Offenbarung des Johannes, Kapitel 21, Vers 6 zu lesen: "ICH WILL DEM DURSTIGEN / GEBEN VON DEM BRUNNEN / DES LEBENDIGEN WASSERS".

Literatur:
  • Gottwald, Franz, Heimatbuch vom Wedding, Berlin 1924 / Seite 233f.
  • BusB V C 1991 / Seite 350f.
  • Melk-Koch, Marion, Schulen im Wedding, 1995 / Seite 227
  • Klinkott/ Backsteinbaukunst, 1988 / Seite 372ff.
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 132f.