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Staatliche Ingenieurschule Gauß

Obj.-Dok.-Nr.: 09030302
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Wedding
Strasse: Luxemburger Straße
Hausnummer: 20 & 20A
Strasse: Limburger Straße
Hausnummer: 18
Strasse: Amrumer Straße & Lütticher Straße
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Hochschule & Konzertsaal & Laboratorium
Datierung: 1960-1964
Umbau: 1994-1996
Entwurf: Rimpl, Herbert (Architekt)
Bauherr: Ingenieurakademie Gauß

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg beschloss der Berliner Senat, die Ingenieurschulen im Wedding zu konzentrieren. Für die Staatliche Ingenieurschule Gauß, die aus der 1880 gegründeten 1. Handwerkerschule hervorgegangen war, errichtete Herbert Rimpl 1960-64 eine Baugruppe, die aus einem außerordentlich langen fünfstöckigen Hauptgebäude, dem parallel angeordneten eingeschossigen Labortrakt und der Aula besteht. (1) Das längliche Grundstück an Luxemburger Straße 20-20A, Amrumer Straße, Lütticher Straße und Limburger Straße 18 liegt schräg gegenüber dem Schulhaus am Zeppelinplatz, in dem die Staatlichen Ingenieurschule Beuth untergebracht war. Mit dem außen sichtbaren Stahlbetonskelett, dem kubischen Aufbau und den großen Fensterflächen ist das Hochschulgebäude ein typisches Beispiel für die moderne Architektur der 1950er und 1960er Jahre. Die großzügig verglasten, asymmetrisch geteilten Öffnungen der Längsseiten, die nahezu das gesamte Fassadenraster ausfüllen, vermitteln Transparenz und Leichtigkeit. Diesen Eindruck verstärken die weißen und hellblauen Farbtöne. Der niedrige Labortrakt öffnet sich mit großen "Schaufenstern" zur Limburger Straße. Dem Hauptgebäude ist die Aula vorgelagert. Auf einem zurückgesetzten Unterbau ruht ein kubisches, an drei Seiten geschlossenes Obergeschoss. Herbert Rimpl schuf eine beeindruckende, großflächig verglaste Eingangsseite an der Lütticher Straße. Hellblau angestrichene Betonstützen, die sich in Form eines doppelten V teilen und wieder zusammenschließen, tragen den auskragenden Betonrahmen des Obergeschosses. Die Rückseite erhielt ein zeittypisches Mosaik mit dunkelblauen geometrischen Ornamenten auf hellblauem Grund. Die Staatliche Ingenieurschule Gauß, benannt nach dem berühmten Mathematiker, Physiker und Astronomen Carl Friedrich Gauß (1777-1655), der 1833 die erste elektrische Telegraphenverbindung der Welt hergestellt hatte, bildete Ingenieure in den Fachgebieten Feinmechanik, Fernmeldetechnik, Elektronik und Fertigungstechnik aus. 1971 wurde die Hochschuleinrichtung mit der Staatlichen Ingenieurschule Beuth sowie den Ingenieurschulen für Bauwesen und für Gartenbau zur Technischen Fachhochschule zusammengeschlossen. Der Bezirk Wedding ließ die Aula, nunmehr Max-Beckmann-Saal, 1988-90 in einen Mehrzwecksaal für Konzert- und Theaterveranstaltungen umbauen, während das Hauptgebäude 1994-96 durch die Berliner Architekten Lautsch & Partner um ein Geschoss aufgestockt wurde. (2) Zur Technischen Fachhochschule gehören neben Haus Gauß und Haus Beuth noch zwei weitere Gebäude, die 1968-72 sowie 1972-76 nördlich der Lütticher Straße, zwischen Zeppelinplatz und Luxemburger Straße, errichtet wurden.


(1) Sigma 1964, Nr. 2/3, S. 9-10; Ortel, Karl: 100 Jahre Ausbildung für Feinwerktechnik und Elektrotechnik. Die Ingenieurschule Gauß, ihre Vorläufer und Nachfolger - 1880 bis 1980. in: THF Presse. Informationsblatt der Technischen Fachhochschule Berlin 1980, Nr. 5, S. 3-4; Wefeld, Hans Joachim: Der Weg von der Ersten Handwerkerschule zur Staatlichen Ingenieurschule Gauß Berlin. in: THF Presse. Informationsblatt der Technischen Fachhochschule Berlin 1980, Nr. 5, S. 5-8; Die Technische Fachhochschule Berlin im Spektrum Berliner Bildungsgeschichte. Hrsg. v. Günter Sodan. Berlin 1988, 289-293.

(2) Die Aufstockung hatte bereits Herbert Rimpl vorgesehen. Bisher hatte das Hauptgebäude ein Flachdach. Das aufgestockte Geschoss besitzt aber nach oben geschwungene Enden.

Literatur:
  • Reclam Berlin, 1980 / Seite 353f.
  • Peters, Dietlinde/ Die Technische Fachhochschule Berlin in
    Geschichtslandschaft, Wedding, 1990 / Seite 376-391
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 211