denkmal  

 

Liste, Karte, Datenbank - Denkmaldatenbank

53. und 300. Gemeindeschule & Diesterweg-Realschule & Technische Mittelschule

Obj.-Dok.-Nr.: 09030300
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Wedding
Strasse: Lütticher Straße
Hausnummer: 37 & 38
Strasse: Antwerpener Straße
Hausnummer: 15
Strasse: Ostender Straße
Hausnummer: 39 & 40
Strasse: Limburger Straße
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Hochschule & Schule & Lehrerwohnhaus & Einfriedung
Entwurf: 1907
Datierung: 1908-1910
Umbau: 1940 & 1957
Entwurf: Hoffmann, Ludwig Ernst Emil (Architekt)
Entwurf: Matzdorff, Georg & Salingré & Buchholz & Gerecke, Julius (Baumeister)
Entwurf: Straßmann (Baugeschäft)
Ausführung: Wessel, F. & Wessel, H.
Bauherr: Stadtbauinspektion II

Am Zeppelinplatz erhebt sich ein mächtiges Schulgebäude, das 1908-10 von Stadtbaurat Ludwig Hoffmann unter Mitarbeit von Matzdorff, Straßmann, Salingré, Buchholz und Gerecke für die 53. und 300. Gemeindeschule, die Diesterweg-Realschule und die Technische Mittelschule erbaut wurde. (1) Mit seiner außerordentlichen Größe und räumlichen Vielfalt bildet das "Schulschloss" eine Ausnahme im Werk Ludwig Hoffmanns und im Schulbau der Stadt Berlin. Als Reaktion auf das starke Bevölkerungswachstum fasste man vor dem Ersten Weltkrieg häufig Schulen zu Baugruppen zusammen, aber nur am Zeppelinplatz ergab sich die einzigartige Kombination von vier schulischen Einrichtungen unterschiedlicher Schularten. Die Schulen nutzen nicht nur einen gemeinsamen Standort wie etwa die Gemeindeschulen an der Antonstraße, sondern sind in einem gemeinsamen Gebäude vereint, ohne als eigenständige Einheiten erkennbar zu sein. Das schlossartige Bauwerk an Lütticher Straße 37-39, Ostender Straße 39-40, Antwerpener Straße 15 und Limburger Straße umfasst einen ganzen Baublock und beherrscht das umliegende Wohngebiet. Die städtebauliche Anordnung lässt sich mit den Großkirchen vergleichen, die sich auf öffentlichen Plätzen Berlins erheben. Hier ist es jedoch ein profanes Gebäude, das den Mittelpunkt des Stadtviertels bildet. Das monumentale Schulhaus besitzt eine strenge, einfache, klar geordnete Architektur mit spätbarocken Motiven. Dazu gehört das Mansarddach, das sich mit roten Ziegeln von der hellen Putzfassade abhebt. Über dem Erdgeschoss, das mit seiner Streifenquaderung einen umlaufenden Sockel bildet, ragen Lisenen über drei Geschosse bis zum Hauptgesims auf. In den Fensterachsen sind einfache Putzspiegel ausgebildet. Das Bauwerk ist gegenüber den umliegenden Straßen zurückgesetzt. Eiserne Gitter fassen das begrünte Gelände ein.

Ludwig Hoffmann betonte die Hauptfassade an der Lütticher Straße, den Flügel der Diesterweg-Realschule, mit einem monumentalen blockhaften Turmaufsatz, der nach zwei Geschosse mit einer barocken Balustrade flach abschließt. Drei Portale führen in die Eingangshalle. Der mittlere Eingang wird von dorischen Säulen und einem dreieckigen Giebel gerahmt, während auf dem Relief über dem Durchgang Prometheus zu sehen ist, der das Feuer bringt und damit den ersten Lehrer darstellt, der den Menschen elementare Fertigkeiten lehrte. Die Bildhauerarbeiten des gesamten Gebäudes stammen von Ignatius Taschner. Dem Realschultrakt waren zwei Lehrerwohnhäuser vorgelagert, die, im Grundriss ein L bildend, die Straßenecken markierten. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs ist nur noch das rechte Lehrerwohnhaus erhalten. Das vornehme dreigeschossige Gebäude mit Mansarddach wird durch einen Treppenturm an der Rückseite erschlossen.

Im Flügel an der Ostender Straße war die 53. und 300. Gemeindeschule untergebracht. Die Technische Mittelschule, gegründet 1909, nutzte die Klassentrakte an Antwerpener und Limburger Straße. Die weiterführende Lehranstalt bildete Ingenieure und technische Bedienstete für gewerbliche Einrichtungen, Fabriken und Kraftwerke aus. (2) Nach Christian Peter Wilhelm Beuth, dem Förderer der Industrialisierung Preußens, wurde sie 1913 in Beuth-Schule, Höhere Technische Lehranstalt der Stadt Berlin, umbenannt. Der erstaunlich kleine Haupteingang, der sich dem Zeppelinplatz zuwendet, wird von zwei Obelisken gerahmt. Über die Eingangshalle gelangt man zu einem doppelarmigen Treppenaufgang, der die oberen Geschosse mit ihren kreuzgratgewölbten Treppenhallen erschließt. Im Innenhof ist ein niedriger Querbau angeordnet, der als Laboratorium und Versuchswerkstatt für Maschinen diente. Eiserne Fachwerkbinder überspannen den Hallenraum, der auch heute noch technische Laboratorien beherbergt. Dem Quergebäude entsprachen zwei Turnhallen an der gegenüberliegenden Seite des Innenhofs, die jedoch 1945 den Bomben zum Opfer fielen. Der kriegszerstörte Flügel an der Ostender Straße wurde 1956-57 wiederaufgebaut. Die Beuth-Schule, später Staatliche Ingenieurschule Beuth, ging 1971 in der Technischen Fachhochschule Berlin auf. Das Schulgebäude, nunmehr Haus Beuth, wird von mehreren Fachbereichen der Hochschule genutzt.


(1) Behrendt, Walter Curt: Schulhausgruppe am Zeppelinplatz. Arch. Ludwig Hoffmann, Berlin. in: Der Baumeister 10 (1911/12), S. 44-48, Tafeln 25-27, Beilage S. 67-68; Hoffmann, Ludwig: Neubauten der Stadt Berlin. Bd. 11. Berlin 1912, S. II-III, Tafeln 3-9; Stahl, Fritz: Ludwig Hoffmann. Berlin 1914, S. 58-61; Schwarz 1981, Bd. 2, S. 173-174; Das Hofgebäude des Hauses Beuth der Technischen Fachhochschule Berlin. Hrsg. von der Technischen Fachhochschule Berlin, Arbeitsgruppe Baukonstruktion im Fachbereich Architektur. Berlin 1983; Schwarz 1984, Bd. 3, S. 130; BusB V C, S. 21, 45-46, 361-362; Melk-Koch 1993, S. 105-107, 135-137, 254-256.

(2) Die Technische Mittelschule besaß den Status einer Höheren Maschinenbauschule. Das technische Bildungswesen war unterhalb der Hochschulebene angesiedelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aus der Beuth-Schule die Staatliche Ingenieurschule Beuth. Die Hochschuleinrichtung vereinte sich 1971 mit der Staatlichen Ingenieurschule Gauß, der Staatlichen Ingenieurschule für Bauwesen und der Staatlichen Ingenieurschule für Gartenbau zur Technischen Fachhochschule Berlin. Zur Hochschulgeschichte siehe 50 Jahre Staatliche Ingenieurschule Beuth 1909-1959. Berlin 1959; Die Technische Fachhochschule Berlin im Spektrum Berliner Bildungsgeschichte. Hrsg. v. Günter Sodan. Berlin 1988; Peters, Dietlinde: Die Technische Fachhochschule Berlin. Luxemburger Straße 10. Das "Haus Beuth". in: Geschichtslandschaft 1990, S. 376-391.

Literatur:
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 207f.