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Humboldthain-Grundschule

Obj.-Dok.-Nr.: 09030295
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Gesundbrunnen
Strasse: Grenzstraße
Hausnummer: 7 & 8
Strasse: Wiesenstraße
Hausnummer: 66
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Schule & Lehrerwohnhaus
Datierung: 1875-1876 & 1899-1900
Entwurf: Hoffmann, Ludwig Ernst Emil (Architekt)
Entwurf: Matzdorff, Georg
Bauherr: Stadtbauinspektion IIa

Die 73. und 147. Gemeindeschule auf dem dreieckigen Baublock gegenüber dem Humboldthain, Grenzstraße 7-8 und Wiesenstraße 66, besteht aus drei Gebäuden, die frei um einen von der Eisenbahntrasse begrenzten Schulhof stehen. Das 1875-76 erbaute Schulhaus an der Wiesenstraße wurde 1899-1901 von Ludwig Hoffmann unter Mitarbeit der Architekten Matzdorff und Schneegans um ein Lehrerwohnhaus an der Straßenkreuzung und um einen Klassentrakt an der Grenzstraße erweitert. (1) Die Gemeindeschule gehört zu den ersten Bauten, die Ludwig Hoffmann nach seinem Amtsantritt als Berliner Stadtbaurat 1896 ausführte. (2) Die klar strukturierten Bauten mit ihren glatten Wänden und dem sparsam eingesetzten, aber äußerst qualitätsvoll gestalteten Bauschmuck veranschaulichen das veränderte künstlerische Leitbild, das Hoffmann in Berlin durchsetzte. Um eine einheitliche Baugruppe zu schaffen, übertrug der Architekt die Backsteinverkleidung und den weiten Dachüberstand des älteren Schulhauses auf die beiden neuen Gebäude, die mit ihren geböschten Eckpfeilern, den streng geordneten Rundbogenfenstern und den flach geneigten Dächern wie italienische Palazzi des Quattrocento wirken. Am Klassentrakt sind die Fensteröffnungen zugunsten geschlossener Wandflächen zu Dreiergruppen unter großen Korbbogenblenden zusammengefasst. Der von Hermann Giesecke geschaffene Bauschmuck aus Terrakotta folgt den Stilformen der deutschen Renaissance des 16. Jahrhunderts. Das Lehrerwohnhaus ist mit einem kleinen Erker verziert, der auf Nürnberger Vorbilder zurückgeht. Auf das Leben in der Schule stimmt das Hauptportal ein, das inmitten von Rankenwerk lesende, singende und rechnende Kinder zeigt, während über dem Eingang zwei nackte Knaben das Wappen der Stadt Berlin halten. Die Gemeindeschule erhielt eine freundliche, an die Lebenswelt der heranwachsenden Kinder angepasste Ausstattung. Die von Ernst Westpfahl gearbeiteten Sandsteinreliefs der Pfeiler in den beiden Treppenhäusern zeigen Darstellungen, die sich auf spielende und lernende Mädchen der verschiedenen Altersstufen beziehen. Die mit Schablone aufgemalten Friese in den Fluren, die auf das Leben heranwachsender Knaben anspielten, blieben nicht erhalten.


(1) Die neue Gemeindeschule in der Grenzstraße in Berlin. in: Centralblatt der Bauverwaltung 21 (1901), S. 919-621, 623; Neue Berliner Schulbauten. III. Die Gemeindeschule No. 147 an der Grenzstraße. in: Das Schulhaus 3 (1901), S. 508-513, Abbildungen S. 503, 505, 507, 509, 511, 513, 549, 551, 553; Hoffmann, Ludwig: Neubauten der Stadt Berlin. Bd. 1. Berlin 1902, S. XII, Tafel 32-38; Rapsilber, Maximilian: Berliner Schulbauten. in: Der Baumeister 2 (1904), S. 110; Schwarz 1981, Bd. 2, S. 157-158; Schwarz 1984, Bd. 3, S. 129-130; BusB IV C, S. 39-41, 354.

(2) Der Entwurf stammt von 1898. Noch bis 1898 wurden Schulen errichtet, die den Plänen des 1896 in Ruhestand getretenen Stadtbaurats Hermann Blankenstein folgen, beispielsweise die 70. und 202. Gemeindeschule an der Ravenéstraße 11-12.

Literatur:
  • Reichardt, Schäche/ Ludwig Hoffmann, 1986 / Seite 98, 100
  • Posener, Julius, Vorlesungen zur Geschichte der Neueren Architektur II in
    Arch+ 13 (1980) 53 / Seite (=Die Architektur der Reform) S. 12, 14
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 114