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Wohnanlage an der Afrikanischen Straße

Obj.-Dok.-Nr.: 09030281
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Wedding
Strasse: Afrikanische Straße
Hausnummer: 15 & 17 & 19 & 21 & 23 & 29 & 31 & 33 & 37 & 39 & 41
Strasse: Dualastraße
Hausnummer: 12A & 12B
Strasse: Sambesistraße
Hausnummer: 10A
Strasse: Tangastraße
Hausnummer: 8A & 8B
Strasse: Ugandastraße
Hausnummer: 8A & 8B
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Wohnanlage
Entwurf: 1925
Datierung: 1926-1927
Entwurf: Mies van der Rohe, Ludwig (Architekt)
Ausführung: Bauhütte Berlin GmbH (Baufirma)
Bauherr: Heimstättengesellschaft "Primus" GmbH

Die Afrikanische Straße, die von der Seestraße abzweigt, wurde um 1900 als Entlastungsstraße am nordwestlichen Stadtrand Berlins ausgebaut. Das umliegende Land blieb bis zum Ersten Weltkrieg unbebaut. Ausgehend von einem 1919 festgelegten Bebauungsplan errichteten Paul Mebes und Paul Emmerich westlich der Hauptstraße die Kleinhaussiedlung Jungfernheide. Den freigebliebenen Geländestreifen an der Afrikanischen Straße übernahm die Heimstättengesellschaft Primus, die den Architekten Ludwig Mies van der Rohe mit dem Bau von Wohngebäuden beauftragte. Mies van der Rohe baute die Wohnanlage Afrikanische Straße 15/23, 29/33, 37/41, Tangastraße 8A-B, Ugandastraße 8A-B, Dualastraße 12A-B und Sambesistraße 10A (1) gleichzeitig mit einem Wohnblock in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung, für die er als Leiter der Ausstellung "Die Wohnung" auch den Gesamtplan erstellte. Die 1926-27 errichtete Wohnanlage an der Afrikanischen Straße gehört zu den früh ausgeführten Wohnungsbauvorhaben der Weimarer Republik. Ludwig Mies van der Rohe entwarf kubische, blockhafte Häuser mit Flachdach, scharfkantigen Ecken und schmucklosen, glatten, vollkommen flächigen Fassaden, die nahezu asketisch wirken. Etwas zurückgesetzt von der Afrikanischen Straße ordnete er drei gleichartige Wohnblocks an, die über gerundete Balkone scharnierartig mit abgewinkelten Seitenbauten verbunden sind. Die Seitenflügel bilden eine torartige Einfassung für die schmalen Wohnstraßen der Kleinhaussiedlung Jungfernheide, zugleich begrenzen sie die grünen Gartenhöfe, die sich hinter den Wohngebäuden erstrecken. Während die Haupttrakte drei Geschosse und einen außerordentlich hohen Dachboden umfassen, sind die Seitenflügel mit zwei Geschossen deutlich niedriger. Ein vierter Bau an der Afrikanischen Straße, Ecke Tangastraße setzt sich aus drei gestaffelten Blöcken zusammen. Alle Wandflächen sind verputzt und ockerfarben gestrichen, die schmale Dachkante wird aus drei Ziegelschichten gebildet. Zur Siedlung gehören 88 Wohnungen mit ein bis drei Zimmern. Obwohl im sozialen Wohnungsbau angestrebt wurde, Wohnbereich und Küche zu trennen, bildete Ludwig Mies van der Rohe geräumige Wohnküchen aus, die sich über vorgelagerte Loggien zum Hof öffnen. Die Wohnanlage strahlt eine tiefe Ruhe und Harmonie aus. Die schlanken, aufragenden Pappeln vor den Wohngebäuden sind als architektonisches Element zu verstehen.


(1) Taut, Bruno: Der Neue Wohnbau. Hrsg. von der Architektenvereinigung "Der Ring". Berlin 1927, S. 64; Hermann, Wolfgang: Neue Berliner Baukunst. in: Kunst und Künstler 26 (1927/28), S. 30-37; Behrendt, Walter Curt: Vom neuen Bauen. in: Zentralblatt der Bauverwaltung 48 (1928), S. 662; Müller-Wulckow, Walter: Die Baukunst der Gegenwart. Wohnbauten und Siedlungen. Leipzig 1928, S. 108; Hajos, Elisabeth und Zahn, Leopold: Neue Architektur der Großstädte. Berliner Architektur der Nachkriegszeit. Berlin 1928, S. 33; Taut, Bruno: Die Neue Baukunst in Europa und Amerika. Stuttgart 1929, S. 146; Schmidt, Friedrich und Ebel, Martin: Berliner Architektur der Nachkriegszeit. Berlin 1928, S. 112-113; Rück, Fritz: Der Wedding in Wort und Bild. Berlin 1931, S. 70-71, 78; Johnson, Philip: Mies van der Rohe. New York 1947, S. 36; BusB IV A, S. 83, 189; BusB IV B, S. 378; Huse, Norbert: Neues Bauen 1918 bis 1933. Moderne Architektur in der Weimarer Republik. München 1975, S. 78; Schwarz 1984, Bd. 3, S. 144; Neumeyer, Fritz: Neues Bauen in Berlin. in: Der Wedding im Wandel der Zeiten. Hrsg. vom Bezirksamt Wedding von Berlin. Berlin 1985, S. 26-34; Schimmler 1985, S. 72; Mies van der Rohe. Architect as Educator. Ausstellungskatalog. Illinois Institute of Technology. Chicago 1986, S. 34; Mies van der Rohe. European Works. London-New York 1986, S. 17, 43-44; Dettmer 1988, S. 113; Schink, Arnold: Mies van der Rohe. Beiträge zur ästhetischen Entwicklung der Wohnarchitektur. Stuttgart 1990, S. 185-193; Neumeyer, Fritz: Schinkel im Zeilenbau. Mies van der Rohes Siedlung an der Afrikanischen Straße in Berlin-Wedding. in: Hülle und Fülle. Festschrift für Tilmann Buddensieg. Hrsg. von Andreas Beyer, Vittorio Lampugnani und Gunter Schweikhart. Alfter 1993, S. 415-431; Dehio Berlin 2000, S. 480-481; Eggler-Gerozissis, Marianne: Wohnhäuser an der Afrikanischen Straße, Berlin-Wedding, 1925-27. in: Mies in Berlin. Ludwig Mies van der Rohe. Die Berliner Jahre 1907-1938. Hrsg. von Terence Riley und Barry Bergdoll. Ausstellungskatalog. München-London-New York 2001, S. 206-209; Schätzke, Andreas: Auf den Spuren von Mies van der Rohe. Wegweiser zu Bauten in Berlin und Potsdam. Berlin 2001, S. 14.

Literatur:
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 241