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St. Afra-Kloster

Obj.-Dok.-Nr.: 09030200
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Gesundbrunnen
Strasse: Graunstraße
Hausnummer: 31
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Heim & Kirche
Datierung: 1897-1898
Umbau: 1977 & 1979
Entwurf: Moritz, Carl (Baumeister)
Bauherr: Welz, J. (Pater)

In den geschlossenen Blockrand ist das Katholische St. Afra-Stift, Graunstraße 31, eingebunden, das 1897-98 von den Architekten Carl Moritz und Welz als Niederlassung der Grauen Schwestern von der hl. Elisabeth errichtet wurde. (1) Im einstigen Arbeiterviertel hatte die kirchliche Einrichtung eine wichtige soziale Funktion. Die Schwestern der 1842 gegründeten katholischen Kongregation betreuten straffällig gewordene Mädchen, Waisenkinder und gefährdete Jugendliche. Das St. Afra-Stift besteht aus einem straßenseitigen Wohnhaus mit zwei Seitenflügeln und einem Quergebäude, in das die katholische St. Afra-Kirche integriert ist. Dass sich hinter dem fünfgeschossigen Vorderhaus eine Kirche verbirgt, zeigt die in neugotischen Formen gestaltete Fassade, die sich mit einem aufragenden Backsteingiebel von den umliegenden Mietshäusern unterscheidet. Der risalitartige Giebelvorbau, flankiert von Loggien und Balkonen, ist mit einer Figurennische, dem darüber aufwachsenden gotischen Erker und Maßwerkblenden verziert. Der lebendige Wechsel von roten Backsteinflächen und weiß verputzten Rücklagen und Wandfeldern wiederholt sich auch an den Hintergebäuden. Beeindruckend ist der zweischiffige Gewölbegang, der vom seitlich gelegenen Eingangstor zum Querflügel führt und den beschaulichen Innenhof erschließt. Ein überdachter Treppenaufgang geleitet in den ungewöhnlich angeordneten Kirchenraum, der im ersten Obergeschoss über den Speisesälen der Schwestern und Heimbewohner liegt. Um den dreischiffigen Raum ziehen sich gewölbte Emporen. Die Seitenschiffe unter den Emporen münden in kleine Kapellen, die zum aufragenden, polygonal gebrochenen Chor überleiten. Über dem Gewölbe folgt ein weiteres Stockwerk mit Aufenthalts- und Schlafsälen der Heimbewohner. An der Hofseite des Quergebäudes zeichnet sich der Kirchenraum durch ein aufgeblendetes Giebeldreieck ab, während der Chorbau, versehen mit großen Maßwerkfenstern, in das rückwärtige Hofgelände ragt. Das St. Afra-Stift wird seit 1961 als Altenwohnheim genutzt. Bei der Sanierung des umliegenden Baublocks wurden 1977 die beiden an das Quergebäude anschließenden Flügel - Schwesternhaus und Wohnheim - abgebrochen. Um mehr Licht für den Innenhof zu gewinnen, beseitigte man die Obergeschosse der beiden Seitenflügel.


(1) Das St. Afra-Stift in Berlin, Graunstr. 31. in: Blätter für Architektur und Kunsthandwerk 12 (1899), S. 17-19, Tafeln 21-23; Gottwald 1924, S. 136; Das Bistum Berlin. Berlin 1932, S. 110-111; Streicher/Drave 1980, S. 256-257; Schwarz 1984, Bd. 3, S. 85; Dettmer 1988, S. 91; Mertens, Johannes: Die Berliner Ordensprovinz der Grauen Schwestern von der Heiligen Elisabeth 1859-1991. Reinbeck bei Hamburg 1992, S. 238 ff.

Literatur:
  • Gottwald, Franz, Heimatbuch vom Wedding, Berlin 1924 / Seite 136
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 108f.