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Mietshausgruppe & Torbau Bundesallee 79A & 81

Obj.-Dok.-Nr.: 09030136
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Friedenau
Strasse: Bundesallee
Hausnummer: 79A & 81
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Mietshausgruppe & Torbau
Datierung: 1910-1911
Entwurf & Bauherr: Steinbrucker und Raubert (Architektensozietät)

Zwischen der Bundesallee 79A und 81 (Abb. 69 f., Liste Nr. 10) öffnet sich eine Zufahrt zum Grundstück der ehemaligen "Villa Sarrazin", die 1891-92 nach Plänen von Otto Hoffmann für den Geheimrat Dr. R. Sarrazin, den Direktor des Kaiserlichen Reichsversicherungsamts, erbaut und 1978 für einen Kindertagesstätten-Neubau abgebrochen worden ist. Die Zufahrt wird - wie an der Goßlerstraße 24-25 - flankiert von zwei 1910-11 nach Plänen der Architekten Steinbrucker & Raubert erbauten viergeschossigen kolossalen Mietwohnhäusern , die aber hier an der Bundesallee durch eine Tordurchfahrt zur früheren Villa Sarrazin miteinander verbunden sind.

Das viergeschossige Mietwohnhaus Bundesallee 81 (Abb. 69) auf hohem Souterrain besteht aus einem asymmetrisch aufgebauten Vorderhaus, einem langen Seitenflügel an der Zufahrt zur Nr. 80 und einem kurzen Seitenflügel zum Nachbarhaus. Das Haus ist ein Dreispänner: Die beiden 5-Zimmer-Wohnungen im Vorderhaus werden von einem Treppenhaus zwischen zwei kleinen Lichthöfen erschlossen, die dritte Wohnung, eine 4-Zimmer-Wohnung, ist im Seitenflügel zum Blockinnenbereich hin angeordnet. Die Wohnungen haben jeweils Küchen mit eigenem Aufgang, Mädchenzimmer, Bad und WC. Das Haus wird durch ein ausgebautes Mansarddach abgeschlossen. Die Mansarde zeigt große loggienartige Fenster mit eingestellten Säulen. Das Haus wird in seiner Erscheinung bestimmt durch einen asymmetrischen, vierachsigen Risalit mit zweigeschossigen, ionischen Kolossalpilastern auf einem Sockelgeschoß mit Putznutung. Zur Tordurchfahrt hin tritt die Fassade des Hauses zurück, dadurch wird eine Art einspringender Vorplatz für die Durchfahrt gebildet. Die Brüstungsfelder zwischen den Pilastern des Risalits zeigen in Relief jeweils eine Tanzszene mit fünf Frauen in antiken Gewändern. Rechts und links davon sind Lyren angebracht. Die seitlichen Erker sind mit Bildnismedaillons geschmückt. Das Eingangsportal des Hauses wird von dorischen Säulen (wie schon in der Goßlerstraße 24-25) flankiert. Das Vestibül im Innern ist verändert worden.

Das viergeschossige Mietwohnhaus Bundesallee 79 A ist das spiegelbildliche Pendant zum Haus Nr. 81. Die Bauplastik und der Bauschmuck des Hauses sind jedoch nicht mehr vorhanden. Dafür ist das ungewöhnliche Vestibül mit seiner neoklassizistischen Holztäfelung und seinem originellen Deckenstuck (Motiv mit vier Pfeilen) gut erhalten.

Der Torbogen Bundesallee 80 wurde gleichzeitig mit den beiden flankierenden Mietwohnhäusern von Steinbrucker & Raubert geplant und weist drei Öffnungen auf: zwei schmale Tore mit geradem Sturz und gerader Verdachung für Passanten, die in die Höfe der Mietshäuser führen, in der Mitte das breite, korbbogengewölbte Zufahrtstor mit eingestellten Säulen für die Villa Sarrazin. Die Toranlage aus Mauerwerk mit Putznutung wird von zwei Statuen bekrönt: zwei Knabenfiguren mit einem Schaf beziehungsweise einem Rehbock. Ursprünglich standen vier Skulpturen auf dem Tor, von denen zwei verlorengegangen sind. Auch die Einfriedung vor dem Tor ist nicht mehr vorhanden. Das Tor war die angemessene Eröffnung eines Weges zu einer Villa in einem Park, der mit seinem alten Baumbestand bis heute erhalten ist.

Literatur:
  • BusB IV B 1974 / Seite S.291f., Obj. 730
  • Berliner Architekturwelt 15 (1912/13) / Seite 292f.
  • Topographie Schöneberg/Friedenau, 2000 / Seite 64