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Dorfkern Marienfelde

Obj.-Dok.-Nr.: 09030118
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Marienfelde
Strasse: Alt-Marienfelde
Hausnummer: 1 & 2 & 4 & 6 & 10 & 12 & 14 & 15 & 6 & 17 & 18 & 19 & 20 & 21 & 21A & 22 & 23 & 24 & 25 & 26 & 27 & 28 & 29 & 31 & 32 & 33 & 34 & 35 & 36 & 37 & 38 & 39 & 40 & 41 & 42 & 43 & 44 & 45 & 46 & 48 & 49 & 50
Strasse: Buckower Chaussee
Hausnummer: 80 & 81 & 82 & 83
Strasse: Motzener Straße
Hausnummer: 2
Strasse: Nahmitzer Damm
Hausnummer: 25
Strasse: Säntisstraße
Hausnummer: 181 & 182 & 183
Denkmalart: Ensemble
Sachbegriff: Dorfkern

Der Dorfkern Marienfelde ist - neben den Dörfern Lübars, Heiligensee und Lichtenrade - die am besten erhaltene Dorflage in Berlin. (1) Der von ein- bis zweigeschossigen Bauernhäusern umgebene Dorfanger vermittelt einen Eindruck von der ländlichen Lebenswelt eines märkischen Dorfes. Angerstraßen umgeben den von Nordwesten nach Südosten ausgerichtete Anger und vereinen sich an den Dorfausgängen. (2) Im Osten geht der Anger in den Gutspark über. Auf dem Dorfanger steht die im 13. Jahrhundert erbaute Dorfkirche, die zu den am besten überlieferten mittelalterlichen Dorfkirchen in der Mark Brandenburg gehört. An den alten Kirchhof, der sich um die Dorfkirche erstreckte, aber nicht mehr benutzt wird, erinnern mehrere Grabsteine und -kreuze des 19. und 20. Jahrhunderts. Von den Bauten der Dorfgemeinschaft, die einst auf dem Anger standen, darunter Hirtenhaus und Dorfschule, ist nur die Schmiede erhalten. Der Schmiedeteich östlich der Dorfkirche, genutzt als Feuerlöschteich, wurde 1921 zugeschüttet und 1990 rekonstruiert. Im gleichen Jahr wurde der Kirchenteich, der noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts vorhanden war, neu angelegt.

Marienfelde war ursprünglich ein Bauerndorf mit dreizehn Bauernhöfen und drei Kossätenstellen. Im 18. Jahrhundert kauften vermögende Beamte aus der Residenzstadt Berlin mehrere Bauernhöfe in Marienfelde auf. Im frühen 19. Jahrhundert wurden fünf Bauernhöfe und ein Kossätengrundstück mit insgesamt 20 Hufen Ackerland zu einem Gutshof vereinigt. Es entstand das so genannte Rittergut, an das jedoch keine Herrschaftsrechte gebunden waren. Nach mehreren Besitzerwechseln kam die Gutswirtschaft 1844 in den Besitz von Adolf Kiepert, der das Gut deutlich vergrößerte und aus dem Hof ein Mustergut moderner Landwirtschaft machte. Im südöstlichen Teil der Dorfaue wurde der Gutshof angelegt, der noch heute vorhanden ist. Das Marienfelder Gut wurde 1929 von der Stadt Berlin übernommen und bis in die 1970er Jahre bewirtschaftet. Das älteste Bauernhaus in Marienfelde ist das zweigeschossige Wohnhaus Alt-Marienfelde 38, hervorgegangen aus einem eingeschossigen Fachwerkhaus aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstand das Kossätenhaus Alt-Marienfelde 12/12A. Die meisten Bauernhäuser entstammen dem 19. Jahrhundert. Es sind überwiegend eingeschossige, traufenständige Gebäude mit Putzfassade und Satteldach. Einige Gebäude wurden später umgebaut und aufgestockt. Neben dem Gut Marienfelde, der größten Hofanlage, gibt es noch zwei Bauernhöfe, Alt-Marienfelde 2 und 37, bei denen die vollständige Hofbebauung mit Remise, Stall und Scheune überliefert ist. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, als die Bauern zu Geld gekommen waren, wurden mehrere Häuser neu errichtet oder umgebaut. Dabei hat man sich im ganzen Dorf an ein einheitliches Prinzip gehalten. Das verdeutlichen die villenartigen Anwesen Alt-Mariendorf 2, 23 und 25. Mit der in der Mittelachse angeordneten offenen Veranda, die einen Balkon trägt, und der reich geschmückten Giebelfront machen die Gebäude einen herrschaftlichen Eindruck. Zwischen den Höfen und Bauernhäusern wurden zur Jahrhundertwende zweigeschossige Mietshäuser errichtet. Dort wohnten Landarbeiter, die auf dem Gutshof arbeiteten, und Handwerker, die sich in Marienfelde niedergelassen hatten.

Der alte Dorfkrug am westlichen Ende des Dorfangers wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Erhalten ist der Gasthof "Zur Grünen Linde", der um 1830 gegenüber der Dorfkirche erbaut wurde. Neben dem Gasthof steht die 1950-53 errichtete Feuerwache. Das schlichte zweigeschossige Gebäude mit Satteldach ordnet sich der dörflichen Bebauung unter.

Der Dorfanger ist begrünt, die mit Kopfsteinpflaster befestigten Angerstraßen sind von Alleebäumen gesäumt. Die Gehwege bestehen aus einem mit Kleinmosaik gepflasterten Bereich und einem Streifen gestampften Bodens. Die Häuser besitzen kleine Vorgärten. Teilweise sind noch die alten Einfriedungen vorhanden. Meist handelt es sich um geschmiedete Eisengitter aus dem 19. Jahrhundert.


(1) Tempelhof und seine Dorfauen 1987, S. 48-59; Tempelhof - Bauten, Straßen, Plätze 1992, S. 13; v. Krosigk, Klaus: Gutsgarten, Dorfkirchhof und Dorfanger, in: Dorfkern - Altstadt - Denkmalpflege. Traditionsorte in der Metropole, Jahrbuch 1997/98 des Landesdenkmalamts Berlin, Berlin 1999, S. 40-41; Dehio Berlin 2000, S. 420; siehe auch Hotzel, Wolfgang/Sixtus, Gerhard: West-Berliner Dorfkerne in denkmalpflegerisch und städtebaulicher Sicht, in: Baumeister 61 (1964), S. 659-662.

(2) Die südliche Angerstraße ist im Bereich des Gutshofs unterbrochen.

Literatur:
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 192ff.