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Haus Mohrmann

Obj.-Dok.-Nr.: 09030112
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Lichtenrade
Strasse: Falckensteinstraße
Hausnummer: 10
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnhaus
Datierung: 1939-1940
Entwurf: Scharoun, Hans (Architekt)
Ausführung: Witschel, Alfred
Bauherr: Mohrmann, Kurt (Oberbaurat)

Zwischen 1933 und 1945 konnte der durch seine modernen Wohnhausentwürfe berühmt gewordene Architekt Hans Scharoun, dem in der Zeit des Nationalsozialismus größere Aufträge versagt blieben, fünfzehn Einfamilienhäuser ausführen. (1) Das 1939-40 für Oberbaurat Kurt Mohrmann, den Schwager Scharouns, und dessen Frau Käte erbaute Haus Mohrmann in der Falckensteinstraße 10 dokumentiert den Anpassungsdruck, dem Hans Scharoun ausgesetzt war, aber auch die moderne Architekturauffassung, die sich in der fließenden, organischen Raumaufteilung äußert. (2) Das abgewinkelte eingeschossige Gebäude unter einem unregelmäßigen Dach mit wechselnden Traufhöhen und herabgezogenen Dachflächen hebt sich von der üblichen Einfamilienhausbebauung ab, obwohl es mit der Biberschwanzdeckung und der Fledermausgaube an der Straßenseite traditionellen Vorstellungen folgt. Es wendet sich von der Straße ab, wo außer dem Eingang nur ein Bleiglasfenster zu sehen ist, das keine Aus- und Einblicke ermöglicht. Die Wohnräume sind vollständig auf den Garten bezogen, wo sich neben dem halbrund hervortretenden Essplatz raumhohe, großflächig geteilte Fensterwände öffnen. Die unprätentiöse Architektur, die nur teilweise als Rückzug aus der Öffentlichkeit verstanden werden kann, zeigt den Entwurfsansatz Scharouns, das Haus von innen her anzulegen und nach den Bedürfnissen und Lebensgewohnheiten des Bauherrn einen organischen Grundriss zu entwickeln. Die Wohnräume gehen fließend ineinander über, sind aber durch versetzte Niveaus und Stufen voneinander getrennt. Durch Falttüren lassen sich weitere kleine Wohnbereiche abtrennen. An den Wohnraum, der durch eine Kaminecke erweitert wird, schließt sich der Essplatz an, von dem das Spielzimmer der Kinder zu betreten ist. Das zum Garten gerichtete Studio besitzt eine schräge, im flachen Bogen geschwungene Decke. Der erhöhte Sitzplatz am Blumenfenster hinter dem Kaminblock hat einen introvertierten Charakter. Die fließende Raumanordnung erlaubt ganz unterschiedliche Durchblicke. Von der intimen Musikecke, die durch das straßenseitige Bleiglasfenster nur gedämpftes Licht erhält, kann man durch den Wohnraum hindurch bis in den Garten blicken. Es fällt auf, dass der Architekt überall im Haus bei Fenstern und Nischen den charakteristischen Flachbogen verwendet hat. In das nordwestliche Ende des Hauses legte Scharoun eine kleine Einliegerwohnung. Im Dachgeschoss sind das Schlafzimmer der Eltern und zwei Kinderzimmer untergebracht. Trotz der geringen Ausmaße wirken die Zimmer durch Einbauschränke sehr großzügig.


(1) Hans Scharoun. Bauten, Entwürfe, Texte, hrsg. v. Peter Pfankuch, 2. Auflage, Berlin 1993, S. 100-119.

(2) BusB IV C, S. 257-258; Hoh-Slodczyk, Christine/Huse, Norbert/Kühne, Günther/Tönnesmann, Andreas: Hans Scharoun - Architekt in Deutschland 1893-1972, München 1992, S. 59-60; Janofske, Eckehard: Architektur-Räume. Idee und Gestalt bei Hans Scharoun, Braunschweig, Wiesbaden 1984, S. 42-54; Dehio Berlin 2000, S. 417; Donath 2004, S. 192-193.

Literatur:
  • Rave, Knöfel/ Bauen seit 1900, 1968 / Seite 110
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 237ff.
  • BusB IV C 1975 / Seite 257
  • Reclam Berlin, 1980 / Seite 383