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Dorfanger Alt-Lichtenrade

Obj.-Dok.-Nr.: 09030085
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Lichtenrade
Strasse: Alt-Lichtenrade
Hausnummer: 97 & 98 & 99 & 101 & 102 & 102A & 103 & 104 & 105 & 106 & 111 & 112 & 113 & 114 & 115 & 117 & 118
Strasse: Marienfelder Straße
Hausnummer: 1 & 2 & 3 & 85 & 86
Denkmalart: Ensemble
Sachbegriff: Dorfanger & Teich

Die gut überlieferte Dorfaue in Lichtenrade bietet mit dem ovalen Dorfanger, dem Dorfteich und den Bauernhäusern aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein stimmungsvolles Bild. (1) Der von Angerstraßen umschlossene, in der Mitte sehr breite Anger erstreckt sich von Norden nach Süden. Durch archäologische Befunde konnte nachgewiesen werden, dass das Dorf vermutlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts angelegt worden ist. Der Ausgangspunkt der Dorfgründung scheint der Dorfteich gewesen zu sein, ein eiszeitlicher Pfuhl, der durch seine Ausdehnung die ovale Form des Angers vorgegeben hat. Lichtenrade war ein wohlhabendes Bauerndorf mit elf Bauernhöfen und vier Kossätenstellen. Während die Dorfkirche mit dem umliegenden Kirchhof auf das 13. oder 14. Jahrhundert zurückgeht, stammen die Bauernhäuser und Gehöfte überwiegend aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das älteste Gebäude ist das Kossätenhaus Alt-Lichtenrade 120A, das sich nur schwer datieren lässt, vermutlich aber im frühen 19. Jahrhundert errichtet wurde. Die Bauernhäuser des 19. Jahrhunderts, die das Bild der Dorfaue prägen, sind einstöckige, traufenständige Gebäude mit Krüppelwalm- oder Satteldach. Die Wohnräume sind über einem Souterrain angeordnet, der durch kleine Kellerfenster belichtet wird. An der Straßenseite führt eine kleine Freitreppe zum Hauseingang. An den kurzen Flur schließt sich meist die Küche an, während links und rechts die Wohnstuben zu finden sind. Die 1836-38 angelegte Chaussee von Berlin nach Cottbus, die bis 1927 durch die Dorfaue hindurchführte, brachte Lichtenrade einen wirtschaftlichen Aufschwung. Das Dorf dehnte sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts nach Norden aus. Das bezeugen die Handwerker- und Büdnerhäuser nördlich der Groß-Ziethener Straße. Das um 1890 am nördlichen Dorfausgang errichtete zweigeschossige Gebäude Alt-Lichtenrade 94 ist das einzige Mietshaus im Dorfkern.

Der 1375 erstmals erwähnte Dorfkrug ordnet sich in die Reihe der Bauernhäuser ein. Alle anderen öffentlichen Gebäude standen auf dem Dorfanger. Das einstöckige Gebäude Alt-Lichtenrade 105 nördlich der Dorfkirche, ausgerichtet zur westlichen Angerstraße, ist das alte Pfarrhaus. Die 1898 erbaute Gemeindeschule ist nicht erhalten. Die Schmiede wurde 1866 vom Dorfanger an den nördlichen Dorfausgang verlegt. Den südliche Angerbereich um den Dorfteich hat man nach 1910 und nach 1949 gärtnerisch gestaltet und mit Promenaden und Sitzbänken ausgestattet.

Der ländliche Charakter der Dorfaue blieb im 20. Jahrhundert gewahrt. Die Neubauten, darunter die Feuerwache und die Gemeindeverwaltung, wurden der dörflichen Bebauung angepasst, um das überlieferte Bild des märkischen Bauerndorfes nicht zu stören. Auf dem Grundstück der ehemaligen Gemeindeschule steht die 1953-54 erbaute Jugendfreizeitstätte Alt-Lichtenrade 103. Das eingeschossige, schlichte Gebäude mit Putzfassade, Satteldach und Stichbogenfenstern gleicht den ortstypischen Bauernhäusern.


(1) Tempelhof und seine Dorfauen 1987, S. 60-67; Tempelhof - Bauten, Straßen, Plätze 1992, S. 18; Dehio Berlin 2000, S. 416.

Literatur:
  • Wille, 1985 / Seite 115-140
  • Rach, Dörfer, 1988 / Seite 178-182
  • Postier, W., Lichtenrade, Berlin 1983Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 220ff.