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Haus Schwebes

Obj.-Dok.-Nr.: 09030064
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Gelfertstraße
Hausnummer: 19 & 21
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnhaus & Garten
Datierung: 1923
Umbau: 1955-1957
Entwurf: Salvisberg, Otto Rudolf (Architekt)
Entwurf: Hammerbacher, Herta (Gartenarchitekt)
Entwurf: Schwebes, Paul (Architekt)
Bauherr: Schwebes, Paul (Architekt)

Nördlich des Thielparks hatte 1923 Otto Rudolf Salvisberg das Wohnhaus für den Zivilingenieur Hugo Bönninghofen, Gelfertstraße 19/21, errichtet. (1) Nach dem Zweiten Weltkrieg erwarb der Architekt Paul Schwebes Haus und Grundstück und schuf 1955-57 mit einigen Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen hier ein Wohnhaus für sich und seine Familie. (2) In den Bauplänen ist zu erkennen, dass Schwebes den Altbau an der Südseite ergänzte und den Baukörper mit einem neuen, flacheren Dachaufbau überdeckte. Auch im Inneren nahm er Veränderungen vor, die Raumaufteilung blieb insgesamt jedoch weitgehend erhalten. Trotz einiger Baumaßnahmen Mitte der 1980er Jahre stellt das Haus ein interessantes Zeugnis für das Werk zweier für Berlin bedeutender Architekten dar und es dokumentiert die architektonische Transformation eines Wohnhauses aus den 1920er Jahren in die Nachkriegszeit. (3)

Otto Rudolf Salvisberg, der in Dahlem mehrere Wohnhäuser entworfen hat, fand beim Haus Bönninghofen eine schlichte Lösung für die Aufgabe, einen kompakten Baukörper mit einem großzügigen und klaren Grundriss zu verbinden. Auf einer Grundfläche von etwa 120 Quadratmetern brachte er im Untergeschoss sämtliche Wirtschaftsräume, im Erdgeschoss drei große Wohnräume sowie im Obergeschoss Schlafräume, Kammern und ein Bad unter. Die unprätentiöse äußere Gestaltung des Hauses zeigte hell verputzte Fassaden, die nur durch wandbündig eingesetzte Sprossenfenster gegliedert wurden. Eine Besonderheit stellte das hohe Satteldach dar, das durch eine sanft aufschwingende Traufkante und eine geschickte Aufteilung Dachschrägen für die Räume im Obergeschoss vermied. Die glatt mit dem Dach abschließenden Giebelwände mit hohen Schornsteinen sowie grüne Klappläden an allen Fenstern verliehen dem Gebäude eine ländlich-wohnliche und zugleich schlicht-moderne Wirkung.

Bei der Umgestaltung erhielt Paul Schwebes das Haus in seiner Substanz weitgehend; er fügte nur an der Südseite über die gesamte Breite und alle Geschosse einen Bauteil an, der - nach Süden großflächig verglast - das Haus um etwa ein Drittel verlängerte. Eine geschlossene Veranda mit Balkon an der Westseite des Altbaues wurde entfernt und eine offene Terrasse über die gesamte Längsseite vor das Haus gesetzt. Die meisten Fensteröffnungen vergrößerte und versetzte Schwebes, dabei ordnete er sie asymmetrisch an und fasste sie zu Gruppen zusammen. Im Inneren wurden der Eingangsbereich vergrößert und die Treppe verlagert, im Obergeschoss zwei Bäder eingebaut sowie im Dachgeschoss zwei Räume ausgebaut. Auch das Garagengebäude des Hauses Bönninghofen blieb im Prinzip erhalten, es bekam beim Umbau ein neues Schiefer gedecktes Walmdach und wurde mit dem Wohnhaus durch einen überdachten Gang verbunden. Haus Schwebes präsentiert sich sowohl in seiner Fassadengestaltung mit weißem Kellenputz und großen filigran gerahmten Fenstern als auch mit seinem leicht überstehenden flachen Satteldach sowie der Gartengestaltung mit Pergola, geschwungenen Wegen und Wasserbecken als ein charakteristisches Zeitdokument für den Wohnhausbau der 1950er Jahre.

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(1) Lichtenstein 1985, S. 261; Westheim, Paul: Otto Rudolf Salvisberg. In: Werk 12 (1925), S. 6-15; Hellwag, Fritz: Otto Rudolf Salvisberg. In: Dekorative Kunst 32 (1928/29), S. 177 ff.

(2) BusB IV C, S. 366 f. Nachlass Paul Schwebes im Architekturmuseum der TU Berlin. Claude Lichtenstein verzeichnet das Haus Bönninghofen als "zerstört oder abgebrochen". In der Bauakte ist jedoch von dem "vorhandenen Wohnhaus" sowie von einer "Erweiterung und Aufstockung des Wohnhauses und Vergrößerung des Garagenbaues" die Rede. Allerdings ist nicht dokumentiert, ob das Haus Bönninghofen im Krieg beschädigt worden war.

(3) Zu Otto Rudolf Salvisberg siehe Lichtenstein 1985. Paul Schwebes (1902-1978) studierte Architektur in den 1920er Jahren in Wien, Darmstadt und Berlin, war Schüler bei Hans Poelzig und arbeitete nach dem Studienabschluss 1927-31 im Büro von Bruno Paul. Seit 1933 in Berlin selbstständig, gewann er 1948 einen ersten Preis im Wettbewerb "Rund um den Zoo" und baute 1955-57 (ab 1956 in Bürogemeinschaft mit Hans Schoszberger) das "Zentrum am Zoo". In den 1950er/-60er Jahren gehörten Schwebes & Schoszberger zu den erfolgreichsten Architekturbüros im West-Berliner Geschäftshausbau. Vgl. Worbs, Dietrich: Offenheit und Transparenz, Vier Bauten der 50er Jahre im Zentrum von Berlin (West). In: Huse, Norbert (Hrsg.): Verloren, gefährdet, geschützt, Baudenkmale in Berlin, Berlin 1989, S. 144 ff.; Dorsemagen, Dirk: Büro- und Geschäftshausfassaden der 50er Jahre. Konservatorische Probleme am Beispiel West-Berlin, Berlin 2004.

Literatur:
  • Lichtenstein, Claude: Otto Rudolf Salvisberg (1882-1940) - Die andere Moderne, Zürich 1985 / Seite S. 261
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 224
  • Hellwag, Fritz; Otto Rudolf Salvisberg. in
    Dekorative Kunst (1928) / Seite S. 184-187
  • Neue Baukunst (1928), Heft 5 / Seite S. 1-2, 7
  • Das Werk 12 (1925) / Seite S. 8, 34, 54 f.
  • BusB IV C 1975 (Gartengestaltung) / Seite S. 366 f., 412