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Haus Wegener

Obj.-Dok.-Nr.: 09030063
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Im Dol
Hausnummer: 71
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnhaus
Datierung: 1955-1956
Entwurf: Kurfiss, Kurt (Architekt)

Das Wohnhaus, Im Dol 71 an der Ecke Spechtstraße, ist ein Werk des Zehlendorfer Architekten Kurt Kurfiss. (1) Es entstand 1955-56 für den Fotografen Aribert Wegener. (2) In seiner zurückhaltenden Gestaltung fügt es sich vollkommen in den von hohen Kiefern, Büschen und Rasenflächen geprägten Garten ein. Die Besonderheit des Hauses besteht darin, dass es aus zwei unterschiedlich gearteten Gebäudeteilen zusammengesetzt ist. An einen langen eingeschossigen Trakt, der traufständig zur Straße Im Dol gerichtet ist, schließt links ein kurzer zweigeschossiger, aber breiterer Baukörper mit einem asymmetrischem Giebel zur Spechtstraße an. Einer Vorgabe des Bauherrn entsprechend, ist das Haus von der Straße Im Dol abgeschottet - es öffnet sich dagegen nach Süden zum Garten mit großen Fenstern und einer überdachten Terrasse. Anthrazitfarbene Bauteile - Fensterrahmen, Türen und einzelne Fachwerkelemente, außerdem die Satteldächer mit Hohlpfannendeckung und sichtbaren Balkenköpfen - bilden einen starken Kontrast zu den hell gestrichenen Putzfassaden. (3) Eine dritte Komponente im Farbspiel bildet ein bräunlicher Muschelkalkstein, mit dem ein Teil der Giebelwand zur Spechtstraße verkleidet ist, und mit dem an anderen Bauteilen Akzente gesetzt werden. Drei breite Steinstufen und ein Podest erschließen den ungewöhnlichen Eingang in Form einer vierteiligen Fenstertür, die, mit schmalen senkrechten Sprossen versehen, eine nahezu sakrale Wirkung besitzt. An der Spechtstraße bildet ein eingezogenes senkrechtes Fensterband, das von einem Balkon durchschnitten wird, einen Akzent in der Fassadengestaltung. Das Haus ist ein auffallend gut konzipiertes gehobenes Einfamilienhaus der 1950er Jahre. Seine äußere Form zeugt von zeittypischer Schlichtheit und zurückhaltender Eleganz. Auf beachtliche Weise gelang es dem Architekten hier, zwei unterschiedliche Bauteile formvollendet zu einer harmonischen Einheit zusammenzufügen. Knappheit in der Linienführung, Materialgerechtigkeit und eine zurückhaltende Farbgebung lassen seine Verehrung für Heinrich Tessenow erahnen. Das Hausinnere wird durch eine zentrale Wohnhalle in zwei Bereiche geteilt. Im niedrigen Bauteil liegt die zum Garten mit einem Blumenfenster geöffnete Halle, an die der Wohnraum und die Bibliothek mit weiten Öffnungen anschließen. Die offene Raumfolge erinnert im Ansatz an Ideen von Hans Scharoun und Adolf Rading, in deren Büro Kurfiss Ende der 1920er Jahre tätig war. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Formgebung und seiner qualitätsvollen Ausführung hebt sich das Haus vom durchschnittlichen Einfamilienhaus der 1950er Jahre in Berlin deutlich ab.

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(1) Kurt Kurfiss (1908-1987) arbeitete nach einer Maurerlehre und Abschluss der Baugewerkeschule ab 1928 als Ingenieur im Büro von Hans Scharoun und Adolf Rading, bevor er sich in den 1930er Jahren selbstständig machte. Nach 1945 entfaltete er eine rege Bautätigkeit, überwiegend im Bezirk Zehlendorf. Das Haus für Aribert Wegener ist das erste Einfamilienhaus, das der Architekt nach 1945 realisieren konnte. Vgl. Kurt Kurfiss, Ein Zehlendorfer Architekt, Berlin 1985, S. 45-47.

(2) Eigentümer des "Aribert Wegener Photohaus, Atelier für moderne Lichtbildkunst" in Lichterfelde, Lindenstraße 7. Siehe Bauakte im Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, Stadtplanungsamt.

(3) Es ist nicht sicher, ob die Farbgebung noch den ursprünglichen Zustand zeigt; zumindest das Garagentor war gemäß den alten Fotos zweifarbig, die Geländer und das Tor waren hell gestrichen, Fenster wohl dunkel, Fenstergitter eine spätere Zutat. Vgl. Kurt Kurfiss, Ein Zehlendorfer Architekt, Berlin 1985, S. 45-47.

Literatur:
  • Kurt Kurfiss, Ein Zehlendorfer Architekt, Berlin 1985Frank Rattay, "Fort mit den Trümmern und was Neues hingebaut" - Kurt Kurfiss und die Nachkriegsarchitektur in Zehlendorf
    Zehlendorfer Heimatbrief 51, Nr. 2, September 2008 / Seite S. 4-10
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 215
  • Frank Rattay, Kurt Kurfiss (1908-1987) - Werkverzeichnis
    Zehlendorfer Heimatbrief 51, Nr. 2, September 2008 / Seite S. 11