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Abspannwerk Buchhändlerhof

Obj.-Dok.-Nr.: 09030046
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Mauerstraße
Hausnummer: 79
Strasse: Wilhelmstraße
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: E-Werk
Entwurf: 1926
Datierung: 1885-1886 & 1926 - 1928
Umbau: 1893 & 1924 & 1926
Entwurf: Müller, Hans Heinrich (Architekt)
Bauherr: Berliner Elektrizitätswerke AG

Der Standort des Abspannwerkes Buchhändlerhof im inneren Blockbereich der Mietshäuser Mauerstraße 78-80 ist unmittelbar mit der frühen Entwicklung der Berliner Elektrizitätswerke verbunden. (1) Auf diesem Grundstück wurde 1885-86 von den "Städtischen Electricitäts-Werken, Aktiengesellschaft zu Berlin" (2) eine der beiden ersten Berliner Zentralstationen zur Versorgung der Gebäude in der Leipziger Straße und am Potsdamer Platz erbaut. (3) Von dieser Zentralstation ist auf dem Grundstück noch der nördliche Bauteil von 1885 vorhanden, der bereits 1893 zwecks Aufstellung moderner Dampfdynamomaschinen umgebaut wurde. (4) Es handelt sich hier um das älteste bauliche Zeugnis der Elektrizitätswirtschaft Deutschlands. Beim erneuten Umbau zum Schalthaus 1926-28 durch Hans Müller blieb die alte Maschinenhalle in ihrer räumlichen Fassung von 1893 weitgehend unversehrt und bis heute erhalten.

Der Neubau von Hans Müller, 1926-28 anstelle des südlichen Bauteils errichtet, zeigt eine baukünstlerisch hervorragende Bewältigung der Baumassen, die für die technische Ausrüstung notwendig waren. Der Architekt, der in diesen Jahren mehrere Abspannwerke in Berlin entwarf, entwickelte für diese Zweckbauten eine zeitgemäße expressive Formensprache, welche die Gebäudefunktion sowie die Bedeutung des Unternehmens für die rasante Stadt- und Industrieentwicklung architektonisch sichtbar machte. Gleichzeitig sollten die Bauten wenig Unterhaltungskosten verursachen, was für die Wahl des Klinkermaterials sprach. Hans Müller zog den Backstein auch wegen der "lebendigen Flächenwirkung" vor, die es gestattete, die Architekturgliederung in einfachsten Formen zu halten. (5) Außerdem musste Müller den nur sehr begrenzt verfügbaren Bauplatz und die bereits vorhandene dichte Überbauung des Blockbereiches mit einer Markhalle und weiteren Gewerbebauten berücksichtigen. Neungeschossig, um drei Lichthöfe gruppiert, waren die Schaltanlagen in gedrängter Form übereinander gestapelt. Besonders wirkungsvoll ist der dreifach nach oben hin jeweils stärker auskragende, viertelkreisförmige Baukörper des Wartengebäudes im Eck zwischen Neubau und der mehrgeschossigen Überbrückung zum Altbauteil eingefügt. Die Baukörperausbildung und die sichtbar belassene Stahlkonstruktion mit Prüßwandausmauerung lassen als Vorbild den 1911 nach Plänen von Hans Poelzig erbauten Wasserturm in Posen vermuten. (6) Das im Zweiten Weltkrieg beschädigte Abspannwerk wurde 1988 stillgelegt. Die Schaltanlagen sind nicht mehr vorhanden, erhalten ist noch die imposante Schaltwarte. Das Abspannwerk Buchhändlerhof ist nicht nur ein bedeutsames technisches Denkmal auf einem historischen Standort der deutschen Elektrizitätswirtschaft, sondern zugleich ein architektonisch gelungenes und städtebaulich optimal in die beengten Platzverhältnisse eingefügtes Bauwerk.


(1) Historische Adresse: Buchhändlerhof 1 und 3, zwischen Mauerstraße 80 und Wilhemstraße 46-47.

(2) Die "Städtischen Electricitäts-Werke, Aktiengesellschaft zu Berlin" (A.G. StEW) war eine Tochtergesellschaft der 1883 gegründeten Deutschen Edison-Gesellschaft (DEG), aus der 1887 die AEG hervorgegangen ist. Die A.G. StEW wurde ebenfalls 1887 in "Berliner Electricitäts-Werke" (BEW) umbenannt. Die Unternehmen wurden in Personalunion von den Pionieren der deutschen Elektrizitätswirtschaft, Emil Rathenau, Oskar von Miller und Felix Deutsch geleitet. Vgl. Matschoss 1934, S. 12 ff.

(3) Die am 15. August 1885 in Betrieb genommene erste Zentralstation der Friedrichstadt in der Markgrafenstraße 44 ist nicht erhalten. Diese auf Gleichstrombasis arbeitenden innerstädtischen Blockkraftwerke konnten wegen der hohen Leitungsverluste nur im Inselbetrieb kleine Gebiete mit Elektrizität versorgen, in der Regel mit einem Versorgungsradius von ca. 500m.

(4) Zur Zentralstation von 1885-86 vgl. Akten der Feuersozität, Landesarchiv Berlin, ARep. 0180, Film 26, Bd. 198, S. 76f.; BusB 1896, Bd. I, S. 530.

(5) Vgl. o.V., Berliner Industriebauten, in: Baugilde 20 (1938), S. 205.

(6) Vgl. Kahlfeldt 1992, S. 86 f.

Literatur:
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 49 (1929) / Seite 196 (nur Foto)
  • N.N./ Berliner Industriebauten in
    Die Baugilde 20 (1938) / Seite 205, 210-211
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 370