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Zivilkabinett des Kaisers

Obj.-Dok.-Nr.: 09030029
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Wilhelmstraße
Hausnummer: 54
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Regierungsbau
Datierung: 1900-1901
Umbau: 1948
Entwurf: Vohl, Carl (Architekt)

In der Wilhelmstraße zwischen den Linden und der Leipziger Straße gibt es nur noch zwei ehemalige Regierungsgebäude: der zur Dorotheenstadt gehörende Erweiterungsbau des Preußischen Kultusministeriums, Wilhelmstraße 60, und das Dienstgebäude für das Geheime Civil-Cabinett des Kaisers, Wilhelmstraße 54. Dieses wurde 1900-1901 von Carl Vohl errichtet. (1) Der Architekt wählte 1901 eine barockisierende Formensprache für das Regierungsgebäude, um an die barocken Palais' der Wilhelmstraße anzuknüpfen. Davon zeugen noch der symmetrische Fassadenaufbau mit reich geschmücktem Mittelportal und Seitenrisaliten sowie die Putzfassaden im Innenhof. Im Innern vermittelt die mit wertvollen Materialien neobarock gestaltete Haupttreppe einen Eindruck der ursprünglichen Ausstattung.

Nach 1936 war in den Gebäuden Wilhelmstraße 54 und 53, die ursprünglich auch das Preußische Staatsministerium und die Generallotteriedirektion beherbergten, die Reichsleitung der NSDAP untergebracht. Die Entfernung des neobarocken Bauschmucks und die Vereinfachung der Straßenfassade des Geheimen Zivilkabinetts datieren vermutlich auch in die Zeit der Nutzung als NSDAP-Gebäude. Nach 1949 wurde, vom Hauptgebäude abgetrennt, in den rückwärtigen Hofgebäuden, Wilhelmstraße 54, und im erhaltenen Quergebäude der Lotteriedirektion, Wilhelmstraße 53, die Musikhochschule "Hanns Eisler" eingerichtet.

Nach Umbau 1997-2000 (Architektin Elisabeth Rüthnick), bei dem die Reste der kaiserzeitlichen Ausstattung und der NS-Zeit erhalten wurden sowie der einfache Dachgeschossaufbau der Nachkriegszeit durch eine kupferverkleidete Aufstockung ersetzt wurde, beherbergt das Gebäude heute den Dienstsitz des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft.


(1) Vgl. o.V. (Geheimes Civil-Cabinett des Kaisers), in: Berliner Architekturwelt 3 (1901), S. 292; BusB III, S. 41.

Literatur:
  • Berliner Architekturwelt 3 (1901) / Seite S. 292
  • BusB III 1966 / Seite S. 41
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 360