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Hotel Roter Adler

Obj.-Dok.-Nr.: 09030025
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Schützenstraße
Hausnummer: 6 & 6A
Strasse: Charlottenstraße
Hausnummer: 77
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Geschäftshaus & Hotel
Fertigstellung: 1907
Entwurf: Michaelsen, Otto (Architekt)

Im Vergleich mit den beiden sehr nüchtern gestalteten Gebäuden fällt der dritte in diesem Quartier aus der Vorkriegszeit erhaltene Block, das Geschäftshaus und Hotel Roter Adler, Schützenstraße 6-6A, besonders auf. Der Architekt Otto Michaelsen, ein Schüler von Alfred Messel, entwarf ein von der Struktur her klar gegliedertes Geschäftshaus, das im Inneren in ein Hotel mit Hotelrestaurant an der Schützenstraße und ein Bürogebäude an der Charlottenstraße unterteilt war. Die Pfeilerfassade wird von einem umfangreichen, sehr ornamental und dekorativ gestalteten patriotischen Bildprogramm überzogen. Ein steinernes Schriftband nennt als Baudatum 1903. (1) Der große Giebel zur Schützenstraße zeigt eine Apotheose des deutschen Kaiserreiches. Das Bild stellt Kaiser Karl den Großen als Gründer des ersten Reiches und Wilhelm I. als zweiten Reichsgründer dar. Zwischen ihnen befinden sich ein Wappen mit Reichsadler und eine Darstellung des Heiligen Georg, der den Drachen, den "Erbfeind", tötet. Über den Kaisern zeigt ein Fresko den antiken Gott Hermes, "sich der Flügel entledigend", als "Symbol der Wiederkehr des Handelsgeistes in deutschen Landen". (2) Flankiert wird der Giebel von den beiden bedeutendsten Reichkanzlern des 19. Jahrhunderts, Freiherr vom und zum Stein und Bismarck. Auch stilistisch gehen die Dekorationen bis ins Mittelalter, zu romanischen Flechtbandornamenten und gotischem Maßwerk, zurück. Sie werden aber geschickt mit floralen Motiven des modernen Jugendstils kombiniert. Die opernhafte Opulenz setzt sich über das ganze Haus verteilt fort, rahmt Türen und Fenster und füllt die Brüstungsfelder mit vielen weiteren bildnerischen Anspielungen. Im Bürogebäude residierten die Oberstaatsanwaltschaft, die Strafsenate des Kammergerichts sowie weitere private Gesellschaften. Ab 1915 wurde auch der Hotelteil zu einem Geschäftshaus umgebaut.

Die Ecke des Gebäudes war im Krieg zerstört worden und wurde im Jahre 2001 architektonisch neu formuliert (Architekten Nalbach und Nalbach).


(1) Die Fertigstellung war 1904.

(2) Vgl. Kausche 1907a.

Literatur:
  • Der Profanbau 3 (1907) / Seite S. 154-156
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 387