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AEG Kabelwerk Oberspree

Obj.-Dok.-Nr.: 09020314,T
Bezirk: Treptow-Köpenick
Ortsteil: Oberschöneweide
Strasse: Wilhelminenhofstraße
Hausnummer: 76 & 77
Strasse: Peter-Behrens-Straße & Gottfried-Klemm-Straße & Johannes-Kraatz-Straße & Ernst-Ziesel-Straße
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Industrieanlage
Datierung: 1897-1914 & 1924-1928
Entwurf: Tropp, Paul (Architekt)
Entwurf: Klemm, W. O. (Architekt)
Entwurf: Ziesel, Ernst (Architekt)
Bauherr & Entwurf: Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft

Das Kabelwerk Oberspree (KWO) in der Wilhelminenhofstraße 76-77 (Abb. 27, 32-40), Liste Nr. 36) ist ein einzigartiges Monument der deutschen Industriegeschichte. Mit der Fabrikanlage verbinden sich bedeutsame Leistungen auf dem Gebiet der Elektrotechnik. Die industrielle Gesamtanlage ist nahezu geschlossen erhalten geblieben. Die Gründung des Kabelwerks 1897 stand in Zusammenhang mit der Randwanderung der Berliner Industrie. Die alten Fabriken in der Innenstadt ließen sich nicht weiter ausbauen. Emil Rathenau, der Vorstandsvorsitzende der AEG, fand 1895 einen Standort an der Oberspree, der durch die Lage am Wasser und den Anschluss an die Güterbahn für den Aufbau einer Fabrik geeignet war. Oberschöneweide erhielt mit der Ansiedlung der AEG einen entscheidenden Anschub.

Das 1897 eröffnete Kabelwerk Oberspree war eine komplexe Fabrikanlage mit einer großen Fertigungsbreite. Nicht nur Kabel wurden hergestellt, sondern ganz unterschiedliche Produkte aus Metall, Gummi und anderen Rohstoffen. Das Kupferwalzwerk gehörte zu den größten Kupfer verarbeitenden Betrieben in Deutschland. Die gegossenen, gezogenen und gepressten Metallteile, die eigens angefertigten Gummi- und Kunststoffmaterialien wurden im Kabelwerk weiterverarbeitet oder auch direkt an Abnehmer außerhalb der AEG verkauft. Die Produktion von Automobilen und Lastkraftwagen wurde 1902 in einem neuen Werkteil aufgenommen. Das Werksgelände in Oberschöneweide war eine wichtige Forschungsstätte für die Funktechnik.

Die Versorgung mit Drehstrom durch das benachbarte Kraftwerk Oberspree führte zu einer Veränderung der Produktionsprozesse. Das Kabelwerk in Oberschöneweide gehörte zu den ersten Fabriken, in der alle Maschinen mit Elektromotoren angetrieben wurden. Viele Werkzeugmaschinen verfügten über einen Einzelantrieb und waren damit flexibel einsetzbar. Das Kabelwerk erhielt Geschossbauten und Hallen, wie sie in der Zeit um 1900 an allen großen Industriestandorten üblich waren. Die Produktionsgebäude sind nicht auf bestimmte technische Prozesse festgelegt, sondern so gestaltet, dass vielfältige und auch schnell wechselnde Nutzungen möglich sind. Auf diese Weise konnte die AEG schnell auf wirtschaftliche Entwicklungen reagieren und die Produktion flexibel verändern. Treppenhäuser und Erschließungsachsen erhielten grundsätzlich großzügige Dimensionen, auch wenn man diese Ausmaße anfangs nicht benötigte. Beim Bau von Stockwerksfabriken wurde häufig auch eine mögliche Aufstockung vorgesehen.

Das Kabelwerk in Oberschöneweide wurde schrittweise ausgebaut und erweitert. In einem ersten großen Bauabschnitt bis 1912 entstanden die Bauten im westlichen Teil des Areals, die Hallenblöcke I, II und V und die umliegenden Stockwerksfabriken. Für die Planung waren die Architekten in der AEG-Bauabteilung verantwortlich, in erster Linie Paul Tropp und W. O. Klemm. Das 1896 übernommene Grundstück war bereits nach wenigen Jahren dicht bebaut. Im Jahr 1913 konnte die AEG das östliche angrenzende Gelände erwerben, sodass das Fabrikareal nunmehr den gesamten Spreebogen umfasste. Der zweite umfassende Bauabschnitt ergab sich aus der Kriegsproduktion im Ersten Weltkrieg. Die AEG lieferte als kriegswichtiges Unternehmen Munition und technische Ausrüstungen an das deutsche Heer. Im Kabelwerk arbeiteten zeitweise 24.000 Menschen. In nur drei Jahren erbaute man die Hallenblöcke III, IV, VI und VII, dazu die gewaltige Spreehalle am Flussufer. Die Pläne für die Hallenbauten erarbeitete Peter Behrens, seit 1907 künstlerischer Beirat der AEG. In den 1920er Jahren erlebte das Kabelwerk einen erneuten Aufschwung. Da eine extensive Ausweitung der Produktionsflächen nicht mehr möglich war, wurden vor allem durch Aufstockung und Verdichtung zusätzliche Fertigungsflächen geschaffen. Erich Heideck, Leiter der Bauabteilung der AEG, sorgte zwischen 1927 und 1929 für eine Modernisierung des Kabelwerks. Die neuen Anlagen dieses Bauabschnitts gehen auf den Architekten Ernst Ziesel zurück. Mit dem Ausbau des Kabelwerks war zugleich die Umstellung auf fließende Produktionsprozesse verbunden. Alle wesentlichen Fabrikbauten entstanden vor 1930. Auch wenn sich die Architektursprache in drei Jahrzehnten wandelte, so hielt man doch an einem einheitlichen Baumaterial fest, dem gelben Backstein, der zur einheitlichen Erscheinung der AEG-Industriebauten beiträgt.

Mit Geschossbau und Halle lassen sich zwei Bauformen unterscheiden: Die Hallen, die immer aus mehreren Hallenschiffen bestehen, sind als Stahlskelettbauten errichtet. Gitterstützen tragen leichte Stahlfachwerkbinder. Die Satteldächer erhielten meist Firstoberlichter, teilweise findet man auch quer gestellte Dachraupen. Die moderne Konstruktion ist verkleidet. Die massiv gemauerten Außenwände erhielten Pfeilervorlagen im Achsabstand der Stahlstützen. Die Geschossbauten bestehen aus einer Mischkonstruktion. Die Außenwände sind in tragende Wandpfeiler und nicht tragende Fensterachsen geteilt, im Inneren ruhen die Produktionsetagen auf doppelten Stahlstützenreihen. Die Erschließungskerne, bestehend aus Treppenanlagen und Lastaufzügen, sind bei den ältesten Geschossbauten noch in die Anlage integriert. Die Treppenhäuser ragen dort in den Produktionsraum hinein. Um aber durchgehende Flächen zu erhalten, die nicht unterteilt sind, hat man dieses System später verändert. Alle Stockwerksbauten, die nach 1905 errichtet wurden, besitzen turmartig vorgesetzte Treppenhäuser und Aufzugsschächte. Die viergeschossige Fernmeldekabelfabrik ist bereits als Stahlskelettbau mit Mauerwerksausfachung angelegt.

Die Produktion im Kabelwerk war nach dem Werkstattprinzip organisiert. Die Anlage setzt sich aus selbstständigen, in sich geschlossenen Fabriken zusammen, die nur durch einzelne übergreifende Fertigungsbereiche verknüpft sind. Zusammengehörende Fabrikeinheiten bilden einen Werkhof. Ein mehrschiffiger Hallenblock wird an zwei oder drei Seiten von Geschossbauten begleitet. Innerhalb der Werkhöfe wurden die aufbereiteten Materialien von Abteilung zu Abteilung weitergegeben, bis das fertige Produkt ausgeliefert werden konnte. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Werkstattprinzip von der Fließfertigung abgelöst. Durch den Bau von Transportbrücken und elektrischen Aufzügen wurden bisher getrennte Fertigungsbereiche zu einer fließenden Produktionslinie verwoben.

Die historische Struktur des Kabelwerks ist bis heute ablesbar. Im westlichen Bereich ist der Werkhof um den Hallenblock I und der unmittelbar folgende Werkhof um den Hallenblock II zu erkennen. Die übergreifenden Einrichtungen des Kabelwerks - Kantine, Verwaltungsgebäude und Direktorenwohnhaus - begleiten die Wilhelminenhofstraße in offener Bauweise. In diese straßenseitige Front, die auf das Wohngebiet ausgerichtet ist, wurde auch die Drahtfabrik und der Kopfbau des Hallenblocks II eingebunden. Das östliche Gelände des Kabelwerks, das erst 1913 von der AEG erworben wurde, zeigt heute nur noch wenige industrielle Strukturen. Abgesehen von den denkmalwerten Fabrikbauten hat man das Areal 1996 großflächig beräumt. Die Erschließungsstraßen des Kabelwerks sind parallel zu den Geschossbauten und Hallenblöcken angeordnet. Das Gleisnetz der Güterbahn ist heute nahezu vollständig beseitigt. Die Güterzüge konnten einst von der Wilhelminenhofstraße in den östlichen Teil des Geländes einfahren und in einem weiten Bogen das Schienensystem am Spreeufer erreichen. Über Drehscheiben ließen sich die Waggons bis in die einzelnen Straßen transportieren. Das befestigte Ufer des Spreehafens ist noch immer zu erkennen.

Literatur:
  • Topographie Treptow-Köpenick/Nieder- und Oberschöneweide, 2003 / Seite 80-88
Teilobjekt Hallenblock I (KWO 8)
Teil-Nr.: 09020314,T,001
Sachbegriff: Hallenbau
Datierung: 1897
Entwurf: Tropp, Paul (Architekt)

Der älteste Bereich des Kabelwerks grenzt unmittelbar an das Kraftwerk Oberspree. Architekt Paul Tropp errichtete 1897 den Hallenblock I (KWO 8), eine fünfschiffige Fabrikhalle, die von weiteren Produktions- und Verwaltungsgebäuden umgeben ist. Der konstruktive Aufbau folgt der 1896 eröffneten AEG-Großmaschinenfabrik in Berlin-Wedding. Fachwerkstützen tragen filigrane Stahlfachwerkbinder mit verglasten Dachlaternen, die über die gesamte Länge der Hallenschiffe durchlaufen. Der Hallenblock ist im Norden und Süden von mehrgeschossigen Kopfbauten eingefasst. Allerdings lässt nur noch der untere Teil der Kopfbauten die ursprüngliche historisierende Fassadengestaltung erkennen. Die Dreiecksgiebel mit gotisierenden Zinnen wurden 1928 abgetragen und durch flächige Giebelscheiben ersetzt, die mit einem horizontalen Gesims abschließen. Diese Umgestaltung nach Plänen des Architekten Ernst Ziesel war mit einem durchgreifenden Umbau der Hallenschiffe verbunden. Weil die bisherige Raumhöhe für die Kabelfabrikation nicht mehr ausreichte, wurden die Fachwerkbinder der Hallenschiffe E und F angehoben und auf eine neue Stahlkonstruktion aufgesetzt. Für den südlichen Teil der Hallenschiffe B und C entwarf Bauingenieur Gerhard Mensch eine Stahlfachwerkkonstruktion, die stützenfrei den Raum überspannt. Der Hallenblock I, der Kupferwalzwerk, Drahtzieherei und Starkstromkabelfabrik aufnahm, war über einhundert Jahre das wichtigste Produktionsgebäude des Kabelwerks.

Teilobjekt Gebäude A 1 & Fabrik für Isoliermaterial (KWO 7)
Teil-Nr.: 09020314,T,002
Sachbegriff: Fabrik
Datierung: 1898
Entwurf: Tropp, Paul (Architekt)

An die westliche Längsseite des Hallenblocks I fügte Paul Tropp 1898 das Gebäude A 1 an, die Fabrik für Isoliermaterial (KWO 7). Der vierstöckige Geschossbau besitzt eine strenge und zurückhaltende Gliederung. Zwischen den Wandpfeilern öffnen sich weite Segmentbogenfenster. Im Gebäude A 1 war die Gummi- und Kunststoffherstellung untergebracht.

Teilobjekt Gebäude A 5 (KWO 1)
Teil-Nr.: 09020314,T,003
Sachbegriff: Kantine
Datierung: 1899-1900
Entwurf: Kraaz, Johannes (Architekt)

Neben dem Tor an der Wilhelminenhofstraße erhebt sich das Gebäude A 5, die Kantine des Kabelwerks (KWO 1), errichtet 1899-1900 von Johannes Kraaz. Mit verputzten Fassaden, Fachwerkgiebeln und ziegelgedeckten Dächern wurde die Kantine bewusst von den umgebenden Fabriken abgesetzt. Im Obergeschoss des Hauptbaus befand sich der Speisesaal für die Arbeiter, der heute allerdings in kleine Büroräume unterteilt ist. Die alte Holzdecke, eine offene Fachwerkkonstruktion mit kunstvoll geschnitzten Konsolen und Balkenköpfen, ist erhalten geblieben. An den Hauptbau schließt sich der rückwärtige Küchentrakt an, der in den Formen der altdeutschen Renaissance gestaltet ist. Mit Krüppelwalmdach und Fachwerkgiebeln erweckt der Küchentrakt den Eindruck einer ländlichen Villa. Die straßenseitige Front mit dem Haupteingang, entstanden 1925, ist von der Reformarchitektur der beginnenden Moderne geprägt. Noch von 1899 stammt der doppelarmige Treppenaufgang, der mit seiner kostbaren Ausstattung auf den hohen Anspruch der AEG verweist. Treppenpfosten aus Marmor, geschmückt mit vergoldeten Blattfriesen, sind durch geschmiedete Gitter verbunden.

Teilobjekt Gebäude A (KWO 10)
Teil-Nr.: 09020314,T,004
Sachbegriff: Fabrik
Datierung: 1897
Entwurf: Tropp, Paul (Architekt)

Zeitgleich mit dem Hallenblock I errichtete Paul Tropp 1897 das Gebäude A (KWO 10). Der viergeschossige Stockwerksbau aus gelben und hellroten Backsteinen wendet sich mit einer langen, 23 Achsen umfassenden Front zur Wilhelminenstraße. Hervorgehobene Risalite geben der gleichförmigen Fassade eine innere Ordnung. Über dem Hauptgesims ist eine durchbrochene Attika mit Ecktürmen ausgebildet. An der rückwärtigen Front ordnete Paul Tropp drei Treppenhäuser an, die sich als Risalite abzeichnen, aber in den Fabrikbau eingebunden sind und daher in die hallenartigen Produktionsräume hineinragen. Die Drahtfabrik lieferte isolierte elektrische Leitungen. In einem geschossübergreifenden Herstellungsprozess wurde dünner Draht mit Gummi oder Kunststoff isoliert, verseilt und mit Baumwolle oder Seide umgeben.

Teilobjekt Gebäude A 6 (KWO 11)
Teil-Nr.: 09020314,T,005
Sachbegriff: Verwaltungsgebäude
Datierung: 1897-1898
Entwurf: Tropp, Paul (Architekt)

Das Gebäude A 6 (KWO 11), der ehemalige Verwaltungssitz des Kabelwerks, wurde 1897-98 nach Plänen von Paul Tropp errichtet. Die abwechslungsreich gestalteten Fassaden, gemauert aus gelben Backsteinen, zeigen gotisierende Gliederungen. Im Souterrain waren Sozialeinrichtungen untergebracht, der Behandlungsraum des Betriebsarztes sowie Brause- und Wannenbäder. Die oberen Stockwerke waren der Verwaltung vorbehalten. Im Hauptgeschoss residierte der Direktor des Kabelwerks Oberspree, in weiteren Räumen arbeiteten die Beamten der kaufmännischen und technischen Abteilung. Emil Rathenau, der Gründer und Vorstandsvorsitzende der AEG, leitete von hier aus viele Jahre die Geschäfte des Unternehmens.

Teilobjekt Hallenblock II (KWO 24)
Teil-Nr.: 09020314,T,006
Sachbegriff: Hallenbau
Datierung: 1903
Entwurf: Klemm, W. O. (Architekt)

Mit der Aufnahme der Automobilproduktion im Jahr 1902 wurde das Kabelwerk beträchtlich erweitert. Östlich des Hallenblocks I entstand ein zweiter Werkhof, der den Aufbau der älteren Anlage annähernd wiederholt. Vom Hallenblock II (KWO 24), 1903 errichtet von Gottfried Klemm, sind nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und einem Teilabriss 1995 nur einige Reste verblieben, die bis 1998 restauriert wurden und heute das Handwerker- und Gewerbezentrum Wilhelminenhof bilden. Der dreigeschossige Kopfbau an der Wilhelminenhofstraße besitzt eine zurückhaltende historisierende Gliederung. Erhalten ist der rückwärtige Hallenteil mit seinen reich gegliederten Giebelwänden. Aus den Wandpfeilern wachsen turmartige Aufsätze hervor.

Teilobjekt Gebäude A 2 (KWO 13)
Teil-Nr.: 09020314,T,007
Sachbegriff: Fabrik
Datierung: 1904-1905
Umbau: 1910
Entwurf: Klemm, Wilhelm Osmar (Architekt)

Das lang gestreckte Gebäude A 2 (KWO 13), gelegen zwischen den Hallenblöcken I und II, wurde von Gottfried Klemm ab 1904 für die Automobilproduktion errichtet. Der viergeschossige Hauptbau entstand 1904/05 in zwei Bauabschnitten. An die westliche Längsseite schließen sich zwei Treppenhäuser an, die mit einer reich gegliederten Front nach außen treten. Giebel mit Blendfeldern und gotisierenden Fialen überragen die Traufe des Fabrikbaus. Das Gebäude A 2 wurde um 1910 mit einem fünfgeschossigen Kopfbau zur Wilhelminenhofstraße verlängert, der eine veränderte bauliche Struktur zeigt. Das Treppenhaus ist nicht mehr in den Geschossbau integriert, sondern als turmartiges Massiv der westlichen Längsseite vorgesetzt. Damit erhielt man ungeteilte, über drei Schiffe reichende Produktionsflächen. Im Gebäude A 2 waren die Werkstätten der Automobilproduktion untergebracht, später befand sich hier das Hauptlager des Kabelwerks. Der restaurierte Geschossbau gehört heute zum Handwerker- und Gewerbezentrum Wilhelminenhof. Architekt Frank Augustin ersetzte das Mansarddach über dem viergeschossigen Bauteil 1999-2000 durch ein modernes Tonnendach, das sich in die historische Architektur einpasst.

Teilobjekt Gebäude A 4 (KWO 25)
Teil-Nr.: 09020314,T,008
Sachbegriff: Fabrik & Wasserturm & Verwaltungsgebäude
Datierung: 1905
Umbau: 1911-1912 & 1924
Entwurf: Klemm, Wilhelm Osmar (Architekt)
Entwurf: Krämer, Jean (Architekt)

An dem mehrfach erweiterten und umgebauten Gebäude A 4 (KWO 25) lässt sich die wechselvolle Entwicklung des Kabelwerks ablesen. Der nördliche Bauteil an der Wilhelminenhofstraße, errichtet 1905 von Gottfried Klemm, wurde 1911-12 in zwei Bauabschnitten nach Süden verlängert. Die Erweiterungsbauten zeigen einen Wandel der Industriearchitektur. Die Fassaden bilden ein strenges Raster, in das auch die liegenden Rechteckfenster eingebunden sind. Die Erschließungskerne mit Treppenhäusern und Aufzügen ragen nicht mehr in die Produktionsflächen hinein, sondern sind als wuchtige Treppentürme der östlichen Längsseite vorgelegt. Die beiden südlichen Treppentürme sind unverändert erhalten geblieben. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde an den nördlichen Trakt ein Wasserturm angebaut. Der kubische Turm mit den aufgesetzten Buchstaben KWO gehört zu den prägenden Wahrzeichen des Kabelwerks und des Industriegeländes an der Oberspree. Das Gebäude A 4 diente anfangs der Herstellung von Fahrzeugteilen. Jean Krämer leitete 1924 den Umbau der beiden nördlichen Trakte zum Verwaltungssitz des Kabelwerks Oberspree. Auf den älteren Kern wurden zwei Stockwerke aufgesetzt. Dabei wiederholte der Architekt, der einige Jahre im Büro von Peter Behrens gearbeitet hatte, den monumentalen Fassadenaufbau der gegenüberliegenden Fabrik der Nationalen Automobilgesellschaft. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde der Verwaltungstrakt verändert wieder aufgebaut. Das 1994-96 umfassend sanierte Gebäude gehört heute zum Handwerker- und Gewerbezentrum Wilhelminenhof.

Teilobjekt Hallenblock V (KWO 68)
Teil-Nr.: 09020314,T,009
Sachbegriff: Hallenbau
Datierung: 1899-1900
Umbau: 1928
Entwurf: Klemm, Wilhelm Osmar (Architekt)
Entwurf: Ziesel, Ernst (Architekt)

Der Hallenblock V (KWO 68) beschließt an der Spreeseite den Werkhof der alten Automobilfabrik. Architekt Gottfried Klemm entwarf 1899-1900 eine mehrschiffige Werkstatthalle, die die üblichen historisierenden Bauformen zeigt. Ungewöhnlich ist die Ausbildung von Hallenschiffen wechselnder Breite und Höhe, die an verschiedene Arbeitsabläufe und Funktionen angepasst sind. Ernst Ziesel baute 1928 für ein neues Walzwerk zwei Hallenschiffe in Stahlrahmenkonstruktion an. Die südliche Fassade erhielt eine monumentale Giebelwand, wie sie zeitgleich auch am Hallenblock I aufgeführt wurde.

Teilobjekt Gebäude A 3 (KWO 70)
Teil-Nr.: 09020314,T,010
Sachbegriff: Lagerhaus
Datierung: 1910-1911
Entwurf: Klemm, Wilhelm Osmar (Architekt)

Das Gebäude A 3 (KWO 70) beherrscht das Spreeufer des Kabelwerks. Das 1910-11 errichtete Lagerhaus liegt unmittelbar am Spreebogen, der sch als Landzunge in den Flusslauf schiebt. Architekt W. O. Klemm errichtete einen Geschossbau aus hellroten und gelben Backsteinen mit einem Fassadenaufbau, wie er auch bei den älteren Stockwerkfabriken zu sehen ist. An der östlichen Längsseite sind zwei mächtige Treppentürme ausgebildet. Das Lagerhaus schließt in einem Satteldach mit verglastem Oberlicht. Vor die Giebel sind mächtige Schornsteine gesetzt. Im Gebäude A 3 wurden die auf dem Wasserweg angelieferten Rohstoffe, vor allem Kupfer und Rohgummi, für die Produktion gelagert.

Teilobjekt Hallenblock IV (KWO 4)
Teil-Nr.: 09020314,T,011
Sachbegriff: Hallenbau
Datierung: 1916
Entwurf: Behrens, Peter (Architekt)

Die AEG erwarb 1913 den gesamten Spreebogen östlich des Gebäudes A 4, der im Ersten Weltkrieg nach Plänen von Peter Behrens mit weiteren Produktionshallen bebaut wurde. Die erheblich veränderte Spreehalle geht auf ein Bauwerk von 1916 zurück. Die Hallenblöcke III, VI und VII wurden 1996 abgetragen. Der verbliebene Hallenblock IV (KWO 4) steht seither auf einer freien, beräumten Fläche. Die dreischiffige Produktionshalle, 1916 entworfen von Peter Behrens, verbindet den modernen Ingenieurbau mit einer reformierten Architektursprache. Die tragende Stahlskelettkonstruktion ist vom Außenbau unabhängig. Die Binder des abgetreppten Satteldachs ruhen auf Profilstahlstützen. Der Außenbau aus gelben Backsteinen zeichnet die innere Konstruktion nach. Peter Behrens demonstriert dabei, dass das Mauerwerk nur als Umhüllung der tragenden Struktur zu verstehen ist. Das kann man nicht zuletzt an den Wandpfeilern der beiden Seitenfassaden erkennen, die unterhalb der Traufe enden, keine Lasten aufnehmen und nur auf die innen liegende Stahlstütze verweisen. Die vierseitig gebrochenen Giebel an der Stirnseite der Hallenschiffe richten sich nach der Form der Stahlbinder. Zeichenhafte Ornamente werten den Außenbau auf. In den geschlossenen Giebelwänden ordnete Behrens kleine Ovalfenster an. Die Fassaden erhalten damit eine ruhige, würdevolle Erscheinung. An der nördlichen Stirnseite ist ein Ehrenhof ausgebildet. Das mittlere Hallenschiff ist zurückgesetzt und mit einem zweigeschossigen Vorbau abgeschlossen, so dass sich eine räumlich gestaffelte Front ergibt. Im Hallenblock IV arbeitete das Press- und Stanzwerk des Kabelwerks Oberspree. In Massenherstellung wurden Armaturen, Schrauben, Muttern und Teile für den Maschinenbau gefertigt.

Teilobjekt Gebäude A 8 (KWO 92) & Fernmeldekabelfabrik
Teil-Nr.: 09020314,T,012
Sachbegriff: Fabrik
Datierung: 1927-1928
Entwurf: Ziesel, Ernst (Architekt)
Entwurf: Mensch, Gerhard (Ingenieur)

Das Gebäude A 8 (KWO 92) gegenüber der Spreehalle wurde 1927-28 von dem Architekten Ernst Ziesel und dem Bauingenieur Gerhard Mensch für die Fernmeldekabelfabrik errichtet. Das Gebäude gehört zu den frühen Stockwerksfabriken in Stahlskelettbauweise in Deutschland. Die tragende Konstruktion zeichnet sich am Außenbau ab. Die sichtbar gelassenen Stahlstützen sind mit einer farbigen Fassung von den eingefügten Backsteinwänden abgesetzt. Der Architekt verband die quer liegenden Rechteckfenster zu durchlaufenden Fensterbändern. Vor den beiden Stirnseiten und vor der nördlichen Längsseite erheben sich kubische Treppentürme, die den Geschossbau überragen. Die innere Stahlkonstruktion wurde mit Klinkern verkleidet, so dass die Vorbauten als wuchtige Turmmassive erscheinen. Den ungegliederten Wandflächen stehen die verglasten Ecken entgegen, die leicht hervortreten, nahezu schwerelos wirken und der Fabrik eine betont moderne Erscheinung verleihen. In den Turmbauten sind Treppenaufgänge, Lastaufzüge und Toiletten angeordnet. In der Fernmeldekabelfabrik wurden Erd-, Fluss- und Seekabel für die Fernübertragung von Nachrichten hergestellt. Die Planung von Ernst Ziesel sah eine spätere Aufstockung der Fernmeldekabelfabrik vor.

Teilobjekt Hafenkran
Teil-Nr.: 09020314,T,013
Sachbegriff: Krananlage
Datierung: nach 1950
Umbau: 1966

Die Fläche am östlichen Rand des Kabelwerks, zwischen den Bahngleisen und dem Spreeufer, wurde als Lagerplatz für Kohle genutzt. Eine gewaltige stählerne Schwenkbrücke, errichtet 1922, vereinfachte den Transport der Kohle von den Lastkähnen zum Kohlenplatz. Während die Schwenkbrücke 1996 demontiert werden musste, blieb der Hafenkran erhalten. Der Kranturm, der wahrscheinlich nach 1950 erbaut wurde, aber technisch und konstruktiv Vorbildern der 1920er Jahre entspricht, ist ein letzter Rest des Hafens des Kabelwerks. Eine Stahlkonstruktion, ausgefacht mit gelben Backsteinen, bildet den Unterbau. Der Aufsatz mit Kranarm aus Stahlfachwerk, gebaut 1966, ist drehbar gelagert.

Teilobjekt Gebäude A 9 (KWO 29) & Direktionsvilla
Teil-Nr.: 09020314,T,014
Sachbegriff: Wohnhaus
Datierung: 1901-1902
Umbau: 1906
Umbau: 1913-1914
Entwurf: Kraaz, Johannes (Architekt)
Ausführung: Klemm
Ausführung: Rudolf Buntzel Nachf.

Mit dem schrittweisen Ausbau des Kabelwerks wuchs das alte Direktorenwohnhaus, das Gebäude A 9 (KWO 29), in das Werksgelände hinein. Der kleine Garten mit Rasenflächen und Laubbäumen wird von der aufragenden Front des Gebäudes A 4 bedrängt. Inmitten des Gartens steht das Direktorenwohnhaus, das der Hausarchitekt der Familie Rathenau, Johannes Kraaz, 1901-02 für Erich Rathenau, den Direktor des Kabelwerks Oberspree, errichtet hat. Die vielfarbige, abwechslungsreich gestaltete Villa ist in den Formen der altdeutschen Renaissance gehalten.Giebel und Erker sind mit Fachwerk verziert und teilweise mit Holzschindeln verkleidet. Die malerisch wirkende Villa wurde mehrfach erweitert. Während der Anbau von 1906, versehen mit einem Fachwerkgiebel, noch der traditionellen Gestaltung folgt, orientieren sich die 1913 angefügten Bauteile am Landhausstil der beginnenden Moderne. Der zweigeschossige Wintergarten besitzt innen kleine Wandbrunnen. Noppenartige Felder verzieren die Pfeiler zwischen den weit geöffneten Fenstern. Diese abstrakten Ornamente erhielten eine leuchtende Farbfassung in roten und grünen Farbtönen. Das Direktorenwohnhaus wurde 1995 restauriert.