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Haus Krüger

Obj.-Dok.-Nr.: 09020185
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Kaiserswerther Straße
Hausnummer: 17
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnhaus
Datierung: 1955-1956
Umbau: 1959
Entwurf: Fehling, Hermann & Gogel, Daniel & Pfankuch, Peter (Architekt)
Bauherr: Ursula Krüger
Entwurf: Fehling & Gogel

Auf dem Grundstück Kaiserswerther Straße 17 steht eines der unkonventionellsten Einfamilienhäuser Berlins der Nachkriegszeit. (1) Das 1955-56 erbaute Haus Krüger hat der Architekt Hermann Fehling zusammen mit Daniel Gogel und Peter Pfankuch für Ursula und Karl-Heinz Krüger entworfen. Krüger, der spätere Betreiber des Steglitzer Großkinos Titania-Palast, hatte zunächst den Stuttgarter Architekten Paul Stohrer (2) mit dem Entwurf seines Wohnhauses beauftragt, sich dann aber doch für den jungen Hermann Fehling entschieden. (3) Innerhalb des Oeuvres von Fehling & Gogel handelt es sich bei dem Dahlemer Eigenheim um das erste von ihnen realisierte Einfamilienhaus. Es ist zugleich das früheste Beispiel eines Hauses im eingeschossigen Bungalowstil amerikanischer Prägung, das in Berlin entstand. Merkmal hierfür ist unter anderem die organische funktionelle Entwicklung der Innenräume mit einem großen offenen Wohnraum, einer breiten Fensterwand zum Garten und zur Gruppe zusammengefassten Eltern- und Kinderschlafzimmern mit Waschräumen. Diese Art von freier Raumgliederung findet man auch bei diesem Haus. Allerdings waren die Architekten durch ein enges finanzielles Budget und durch die Grundstücksverhältnisse in ihrer entwurflichen Freiheit eingeschränkt. Sie mussten das Kellergeschoss des im Krieg zerstörten Vorgängerbaues integrieren, das sich als schwebend wirkende Bodenplatte des Wohnbereiches deutlich abzeichnet. Auf den Kellersockel setzten sie einen L-formigen, leicht auskragenden Baukörper, wobei die frei bleibende Restfläche auf der Rückseite als Terrasse genutzt wurde. Als Erweiterung des Wohnraumes entstand, unter dem Schmetterlingsdach zum Garten orientiert, eine aufgeständerte Pergola - diese ist seit einem 1959 erfolgten Umbau, betreut von den gleichen Architekten, geschlossen. Die eigenwillige Dachform, der kontrastierende Materialwechsel von Holz und Bruchstein, der an amerikanische Privathäuser aus den 1940er Jahren des Architekten Marcel Breuer (4) erinnert, wie auch die komplexe Geometrie des Grundrisses geben dem Haus seine charakteristische Expressivität und Plastizität. Sie zeichnet auch die späteren Bauten von Fehling & Gogel aus, die sich jeglicher Stileinordnung entziehen. Unter den Einfamilienhäusern der 1950er Jahre in Berlin zählt dieses Haus zu den künstlerisch innovativsten Häusern der frühen Wiederaufbauzeit.

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(1) BusB IV C, Obj. 2037, S. 282; Fehling + Gogel, Die Max-Planck-Gesellschaft als Bauherr der Architekten Hermann Fehling und Daniel Gogel, hrsg. v. Peter Guss, Gunnar Klack und Matthias Seidel, Berlin 2009, S. 84 f.

(2) Baubeschreibung von Thomas Steigenberger und Alexander Hoff. In: Fehling + Gogel, Die Max-Planck-Gesellschaft a1s Bauherr der Architekten Hermann Fehling und Daniel Gogel, hrsg. v. Peter Guss, Gunnar Klack und Matthias Seidel, Berlin 2009, S. 84 f.

(3) Zum Zeitpunkt der Auftragsvergabe war Daniel Gogel seit 1953 und Peter Pfankuch ab 1951 Mitarbeiter des Büros von Hermann Fehling. Erst ab 1956 traten Fehling, Gogel und Pfankuch als gleichberechtigte Bürogemeinschaft in Erscheinung.

(4) Vgl. Haus Geller von Marcel Breuer in Lawrence auf Long Island, erbaut 1945.

Literatur:
  • BusB IV C 1975 / Seite S. 282, Objekt 2037
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 147
  • Fehling + Gogel, Die Max-Planck-Gesellschaft als Bauherr der Architekten Hermann Fehling und Daniel Gogel, hrsg. v. Peter Guss, Gunnar Klack und Matthias Seidel, Berlin 2009 / Seite S. 84