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Bootshaus Elektra

Obj.-Dok.-Nr.: 09020167
Bezirk: Treptow-Köpenick
Ortsteil: Oberschöneweide
Strasse: An der Wuhlheide
Hausnummer: 192 & 194
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Bootshaus
Datierung: 1910-1912
Umbau: 1918
Entwurf: Behrens, Peter (Architekt)
Entwurf: Klemm, Gottfried (Architekt)
Ausführung: R. Buntzel Nachf., & H. O. Obrikat (Baugeschäft)
Ausführung: Schruth und Ritts (Baugeschäft)
Bauherr: Elektra Beamten-Rudergruppe der AEG und W
Bauherr: AEG Kabelwerk Oberspree

Zum Stadtviertel Ostend gehört ein schmaler Landstreifen am Spreeufer, der sich bis nach Köpenick erstreckt. Im 18. und 19. Jahrhundert waren hier Kattunbleichen, Wäschereien und Kleinbetriebe des Textilgewerbes entstanden. Nach 1900 nutzten vor allem Wassersportvereine und Ruderclubs die Lage an der Spree. Mit dem Bootshaus Elektra, An der Wuhlheide 192/194, ist ein bedeutendes Vereinshaus der Ruderkolonie erhalten geblieben. (1) Die AEG ließ das Gebäude 1911-12 für die Rudergesellschaft Elektra errichten, einen Club, der Beamte der AEG und der Berliner Elektricitäts-Werke vereinte. Die Planung übernahm Peter Behrens als künstlerischer Beirat der AEG. An der Ausarbeitung des Entwurfs war Charles Edouard Jeanneret, genannt Le Corbusier, beteiligt, der 1911/12 im Architekturbüro von Peter Behrens arbeitete. (2) Das Bootshaus Elektra ist ein Beispiel für den Versuch, eine Architekturreform durch konsequente Reduktion der Formen und durch eine klare Betonung der Funktionen zu erreichen. Behrens entwickelte aus dem rechteckigen Grundriss der Bootshalle einen blockhaften Baukörper. Dem hellgrauen Putz des Unterbaus steht die blaugraue Schieferverkleidung der Obergeschosse entgegen. An den drei Seiten des straßenseitigen Vorderbaus sind die hohen Fenster in einem mittleren Wandfeld zusammengefasst, das sich mit einer weiß gestrichenen Holzverkleidung kontrastreich vom Schiefer abhebt. Die Hauptfassade, ausgerichtet auf die Spree, erhielt eine strenge und klare neoklassizistische Gliederung, an der sich die Funktionen des Bootshauses deutlich ablesen lassen. Geschlossene Flügelbauten verbreitern das Sockelgeschoss. Mächtige Tore, eingefasst von Pfeilervorlagen aus dunklen Klinkern, führen in die Bootshalle. Wie in einer Fabrik befahren Laufkräne die doppelschiffige Halle, um die Ruderboote auf die Bootswagen zu heben. Im Obergeschoss hingegen öffnen sich die weiten Rundbögen einer Veranda, getrennt von breiten Pilastern. Auf dieser Ebene liegen die Gesellschaftsräume des Ruderclubs. Die Ausstattung des Bootshauses ist fast unverändert erhalten geblieben. Peter Behrens gestaltete die Räume mit edlen Materialien und Holzvertäfelungen, er verzichtete ganz auf Ornamente und dekorativen Überfluss. Das Treppenhaus, ausgekleidet mit Marmor, geleitet in die Clubräume im Obergeschoss. An eine offene Diele schließen sich Vorstandszimmer, Vereinszimmer und Sitzungssaal an. Eine kräftig gegliederte Kassettendecke bestimmt das Bild des großen Saals. Die gediegene Ausstattung ermöglichte ein komfortables Clubleben nach englischem Vorbild. Das Bootshaus Elektra, gegründet und unterhalten von der AEG, bezeugt die Fürsorge des Großunternehmens für die Ingenieure und leitenden Angestellten. Heute befindet sich in den Clubräumen ein Restaurant, während die Bootshalle von der Turngemeinde in Berlin 1848 e.V., Riege Rudern, genutzt wird.


1) Elektra Ruder-Gesellschaft im Verein der Beamten der AEG und BEW. o.O. o. J. [Berlin um 1912]; Hoeber, Fritz: Peter Behrens. Verwaltungsgebäude der Mannesmann-Röhren-Werke in Düsseldorf am Rhein. in: Kunstgewerbeblatt Neue Folge 24 (1913), Abbildungen S. 192-193; Hoeber, Fritz: Peter Behrens. München 1913, S. 152-155, Abbildungen S. 157-161; Breuer, R.: Das Bootshaus der Rudergesellschaft "Elektra". in: Wasmuths Monatshefte für Baukunst 2 (1915/16), S. 220-230; [Bootshaus der Angestellten der Allgem. Elektr. Ges., Oberschöneweide bei Berlin] in: Der Baumeister 14 (1916) [nur Abbildungen]; Cremers 1928, S. 163; Müller-Wulckow, Walter: Deutsche Baukunst der Gegenwart. Teilband Bauten der Gemeinschaft. Königstein im Taunus-Leipzig 1929, S. 40; Architekturführer 1974, S. 138; Neumeyer, Fritz: Die AEG-Arbeitersiedlungen von Peter Behrens in Berlin-Henningsdorf und Oberschöneweide und das Bootshaus Elektra. in: Industriekultur. Peter Behrens und die AEG 1907-1914. Hrsg. v. Tilmann Buddensieg. Berlin 1979, S. 131-132; D 108-110 mit Abbildungen A 177-181; Bau- und Kunstdenkmale Berlin II, S. 320; Architekturführer Berlin 1997, S. 356; Dehio Berlin 2000, S. 236; Seeböck 2000, S. 31-32.

2) Gresleri, Giuliano: Le Corbusier. Reise nach dem Orient. Unveröffentlichte Briefe und zum Teil noch nicht publizierte Texte und Photographien von Edouard Jeanneret. Zürich 1991, S. 410: "Was ich mache? Im Moment eine große Hütte, "Bootshaus Elektra", eine Art Gesellschaftsklub für die Arbeiter der AEG".

Literatur:
  • Hoeber, Fritz, Peter Behrens, München 1913 / Seite S. 152 - 155
  • Breuer, Robert in Wasmuths Monatshefte für Baukunst 1 (1915/16) / Seite S. 220ff;
  • Neumeyer, Fritz, Die AEG-Arbeitersiedlungen, 1977 / Seite S. 131 f
  • Architekturführer Berlin, 1991 / Seite S. 437
  • Industriekultur. Peter Behrens und die AEG, 1979 / Seite 132-134
  • Topographie Treptow-Köpenick/Nieder- und Oberschöneweide, 2003