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Wasserwerk Wuhlheide

Obj.-Dok.-Nr.: 09020095,T
Bezirk: Treptow-Köpenick
Ortsteil: Oberschöneweide
Strasse: An der Wuhlheide
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Wasserwerk

Östlich der Trabrennbahn Karlshorst liegt das Wasserwerk Wuhlheide, das mit seinen Bauten und technischen Anlagen beispielhaft die Wasserversorgung Berlins im 20. Jahrhundert dokumentiert. (1) Um den gestiegenen Bedarf an Trinkwasser zu decken, erwarb der Zweckverband Groß-Berlin 1911 die Wuhlheide. Das 1912-14 erbaute Wasserwerk war das erste in Berlin, das mit elektrischem Strom arbeitete. Die Anlage wurde bereits 1916 erweitert und 1928-31 nochmals vergrößert. Die Baugruppe ist von der Reformarchitektur des beginnenden 20. Jahrhunderts geprägt. Der Architekt, Magistratsbaurat Ziesemann, bettete die Werksgebäude in die umgebende Waldlandschaft ein. Bestimmend sind die ziegelroten Walmdächer, die durch kleine Dachreiter belebt werden. Alle Gebäude ruhen auf einem Sockel aus Rüdersdorfer Kalkstein. Lisenen gliedern die schlichten Putzfassaden, während in den Wandfeldern schlitzartige Fensterbahnen mit kleinteiligen Sprossen ausgebildet wurden. Stimmungsvoll begrünte Plätze vermitteln zwischen den Gebäudegruppen. Die ursprünglichen technischen Einrichtungen sind größtenteils erhalten geblieben.

Magistratsbaurat Ziesemann gab dem Wasserwerk eine durchdachte Ordnung. Im Gelände überschneiden sich zwei Achsen mit symmetrisch angeordneten Baukörpern. Zwei Wohnhäuser für Arbeiter des Wasserwerks flankieren einen weiten Vorplatz vor dem Maschinenhaus. Der Haupteingang liegt jedoch, nach rechts verschoben, außerhalb dieser Achse.

Am Maschinenhaus, dem Mittelpunkt des Wasserwerks, weisen parallel angeordnete Walmdächer und Tore auf eine zweischiffige Anlage. Filigrane Binder aus Eisenfachwerk überspannen die Hallenschiffe. Die historische Maschinenausstattung blieb erhalten, auch wenn sie heute nicht mehr genutzt wird. Vier große Schwungrad-Drehstrommotoren mit 400 PS Leistung trieben Zwillingskolbenpumpen an, die das Wasser aus dem Sammelbrunnen förderten. Im Sammler westlich des Maschinenhauses laufen zwei große Leitungssysteme zusammen. Das Grundwasser kommt aus 155 Brunnen, die in der Wuhlheide von der Rummelsburger Landstraße bis zur Wuhle aufgereiht sind. Ein Zeltdach überdeckt den Schacht des Sammelbrunnens.

An der Längsseite des Maschinenhauses öffnet sich eine von Bäumen umstandene Wiese. Nördlich davon liegen das eingeschossige Verwaltungsgebäude und mehrere Werkstattgebäude, während im Osten eine axial angelegte Baugruppe beginnt. Das mächtige, lang gestreckte Filtergebäude in der Mittelachse nimmt technische Anlagen für die Aufbereitung des Rohwassers auf, die damals den modernsten Stand der Filtertechnik repräsentierten.

Grobfilter, Belüftungsanlage und Vorrichtungen zur Entziehung des Eisens sorgen für eine Vorreinigung des Wassers. Zu beiden Seiten des Filtergebäudes sind kammartig jeweils zwei Filterhäuser angeordnet und mit brückenartigen Übergängen angebunden. Unter den hohen Walmdächern dieser Seitenflügel stehen die gewaltigen, mehr als vier Meter hohen Schnellfilterkessel, die bis heute in Betrieb sind. (2) Die Schnellfilter lösten die bis dahin üblichen flächenintensiven Filteranlagen ab. Das Rohwasser wurde nunmehr in Druckbehältern durch die Filterschichten gedrückt. Damit konnte der Filterdurchlauf deutlich erhöht werden. Durch die Druckrückspülung der Filterschichten entfiel auch der arbeitsintensive und zeitaufwändige Austausch des Filtermaterials. Das gereinigte Trinkwasser fließt in die überwölbten Reinwasserbehälter zwischen den Filterhäusern. Im Gelände zeichnen sich diese Reservoirs als begrünte Wallanlagen ab.

In der Mittelachse der Baugruppe erhebt sich der stämmige Wasserturm. (3) Nach schweren Schäden im Zweiten Weltkrieg wurde der obere Teil des Turms 1951 abgetragen und durch ein Zeltdach ersetzt. Um den Wasserturm herum wurden 1929-31 weitere Anlagen errichtet, die für eine bessere Reinigung des mit Eisen und Mangan belasteten Rohwassers sorgen. In großflächigen überwölbten Reservoirs, eingefasst von Wallanlagen, befinden sich Manganfilter. Weiter nach Osten folgen große Reinwasserbehälter. Zwei offene Becken dienen als Eisenschlamm-Kläranlage.


1) Denkmale der Berliner Wasser Betriebe. Wasserwerke und Wassertürme. Historische Beiträge Heft 4, Teil 1. Hrsg. von den Berliner Wasser Betrieben. Berlin 1997, S. 51-53; Bärthel, Hilmar: Wasser für Berlin. Die Geschichte der Wasserversorgung. Berlin 1997, S. 80-83; Bärthel 1999, S. 54-55.

2) Filterkessel im System Bollmann.

3) Der Wasserturm konnte seiner ursprünglichen Aufgabe nicht gerecht werden. Die Druckhöhe reichte für die Versorgung der Oberschöneweider Betriebe nicht aus. Der polygonale Turm, einst 46 m hoch, umschloss oben einen Kugelbehälter und unten einen Wasserbehälter nach dem System Intze.

Literatur:
  • Topographie Treptow-Köpenick/Nieder- und Oberschöneweide, 2003 / Seite 138-140
Teilobjekt Wohnhaus f. Betriebsleiter
Teil-Nr.: 09020095,T,001
Sachbegriff: Wohnhaus
Datierung: 1911-1912
Entwurf: Ziesemann (Architekt)
Ausführung: Tesch, Gottlieb (Maurermeister)
Bauherr: Städtisches Wasserwerk Berlin
Teilobjekt Wohnhaus f. Maschinenverwalter
Teil-Nr.: 09020095,T,002
Sachbegriff: Wohnhaus
Entwurf: 1911
Datierung: 1913-1914
Entwurf: Ziesemann (Architekt)
Bauherr: Städtisches Wasserwerk Berlin
Teilobjekt Maschinenhaus
Teil-Nr.: 09020095,T,003
Sachbegriff: Maschinenhaus
Datierung: 1912-1914
Entwurf: Ziesemann (Architekt)
Ausführung: Tesch, Gottlieb (Maurermeister)
Bauherr: Städtisches Wasserwerk Berlin
Teilobjekt Belüftergebäude
Teil-Nr.: 09020095,T,004
Sachbegriff: Wasserwerk
Entwurf: 1911
Datierung: 1912-1914
Entwurf: Ziesemann (Architekt)
Ausführung: Bauabteilung, Wasserwerk Wuhlheide
Bauherr: Städtisches Wasserwerk Berlin
Teilobjekt Filterhäuser und Doppelreinwasserbehälter
Teil-Nr.: 09020095,T,005
Sachbegriff: Wasserwerk
Datierung: 1913-1916
Entwurf: Ziesemann (Architekt)
Ausführung: Bauabteilung, Wasserwerk Wuhlheide
Bauherr: Städtisches Wasserwerk Berlin
Teilobjekt Verwaltungsgebäude
Teil-Nr.: 09020095,T,006
Sachbegriff: Verwaltungsgebäude
Datierung: 1913-1914
Entwurf: Ziesemann (Architekt)
Bauherr: Städtisches Wasserwerk Berlin