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Unterwerk Nikolassee

Obj.-Dok.-Nr.: 09012517
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Nikolassee
Strasse: Parallelstraße
Hausnummer: 2
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Gleichrichterwerk
Datierung: 1927-1928
Entwurf: Brademann, Richard (Architekt)
Bauherr: Reichsbahndirektion Berlin

Vom südlichen Abschnitt der Alemannenstraße gelangt man auf Höhe der Teutonenstraße durch die Bahnunterführung zum Unterwerk Nikolassee, Parallelstraße 2. Das Gleichrichterwerk wurde 1927-28 von Richard Brademann im Zuge der Elektrifizierung der gesamten Stadt- und Ringbahn realisiert. (1)

Ab 1926 errichtete Brademann, Hausarchitekt der Reichsbahndirektion und zuständig für alle ihre Hochbauten in Berlin, innerhalb weniger Jahre sämtliche Neubauten für die Stromversorgung und den Betrieb der S-Bahn. Mit seinen charakteristischen Klinkerbauten schuf er für die Reichsbahn in der seinerzeit expandierenden Metropole Berlin moderne und wiedererkennbare Markenzeichen. Das Unterwerk Nikolassee ist fast unverändert erhalten und wie die meisten dieser Bauten weiterhin in Betrieb.(2)

In den damals 49 Gleichrichterwerken wurde der in den Kraftwerken produzierte Drehstrom mit einer Spannung von 30.000 Volt in den für den Fahrbetrieb notwendigen Gleichstrom von 800 Volt umgewandelt. (3) Als Hülle für die sich stetig verändernde Technik entwickelte Brademann kompakte Gehäuse, die sowohl den funktionalen Erfordernissen entsprachen als auch ein zeitgemäßes ästhetisches Erscheinungsbild aufwiesen. Alle Anlagen zeigen kubische Baukörper, die in Stahlskelettbauweise ausgeführt, mit roten Klinkern verkleidet sowie mit flachen, leicht auskragenden Dächern und schlichten Gliederungselementen gestaltet sind. Für die Gleichrichterwerke an den Vorortstrecken entwarf der Architekt einen zweigeschossigen, symmetrisch angelegten Bautyp, der durch die Anordnung der Gleichrichter im Obergeschoss und der Transformatoren und Ölschalter im Erdgeschoss charakterisiert ist. Diesen passte er individuell den örtlichen Gegebenheiten an. (4) Das Unterwerk Nikolassee, zwischen zwei Bahnlinien gelegen und vom Wohngebiet nicht sichtbar, ist daher vergleichsweise zurückhaltend gestaltet. Der blockhafte Baukörper wird durch rhythmisierte Reihen von Eisentüren im Erdgeschoss und wandbündige, kleinteilige Fenster im Obergeschoss sowie flache Eckvorlagen an der Ostseite gegliedert; schmale Gesimsbänder über den Toren und ein umlaufendes, abgetrepptes Traufgesims unterstreichen die ausgeprägte Horizontalität. Die ausgewogenen Maßverhältnisse des Baukörpers, die gut proportionierten Einzelformen und nicht zuletzt die lebendige Oberfläche des Klinkers verleihen dem schlichten Zweckbau eine herausragende architektonische Qualität.


1) Elektrifizierung des Bahnbetriebs 1926-1929. Richard Brademann (1884-1965) war für alle Hochbauten in diesem Zusammenhang (Bahnhöfe, z.B. Wannsee, Stromversorgungsbauten, Stellwerke, Wagenschuppen etc.) verantwortlich. Vgl. Dost, Susanne: Richard Brademann (1884-1965), Architekt der Berliner S-Bahn, Berlin 2002; BusB X B (2), S. 97 ff., 100, 193; Brademann, Richard: Hochbauten der Reichsbahn-Direktion Berlin für die Elektrisierung der Berliner Stadt- und Vorortbahn. In: Wasmuths Monatshefte für Baukunst 13 (1929), S. 481 ff., Abb. S. 492; Brademann, Richard: Hochbauten der elektrisierten Stadt- und Vorortbahnen, Reichsbahndirektion Berlin. In: Zeitschrift für Bauwesen 80 (1930), H. 2, S. 31.2) Gleichrichter, Transformatoren, Schaltelemente etc. sind zum Teil noch original erhalten, an der Ostseite ist ein Tor durch Lüftungslamellen verändert, alle übrigen Türen und Tore sind vorhanden. Ein Nebengebäude, in dem einst Sozialräume für die Angestellten untergebracht waren, steht leer. Heute wird das Werk ferngesteuert.3) Brademann, Richard: Hochbauten der elektrisierten Stadt- und Vorortbahnen Reichsbahndirektion Berlin. In: Zeitschrift für Bauwesen 80 (1930), H. 2, S. 25-39.4) Dost, Susanne: Richard Brademann (1884-1965), Architekt der Berliner S-Bahn, Berlin 2002, S. 91 ff., Abb. S. 98.

Literatur:
  • Riedel, Karl =AEG-Mitteilungen für Bahnbetriebe (1930) 9 / Seite 18-28
  • Brademann, Richard =Wasmuths Monatshefte für Baukunst (1929) / Seite 481, 485, 492
  • Schieb =Verkehrstechnische Woche (1930) / Seite 226
  • Brademann, Richard =Zeitschrift für Bauwesen 80 (1930) / Seite 31, 36
  • BusB X B 2 1984 / Seite 100, 193