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Wohnanlage Waldowstraße

Obj.-Dok.-Nr.: 09012434
Bezirk: Reinickendorf
Ortsteil: Reinickendorf
Strasse: Waldowstraße
Hausnummer: 1 & 2 & 3 & 4 & 5 & 6 & 7 & 8 & 9 & 10 & 11 & 12 & 13 & 14 & 15 & 16 & 17 & 18 & 19 & 20 & 21 & 22 & 23 & 24 & 25 & 26 & 27 & 28 & 29 & 30 & 31 & 32
Strasse: Humboldtstraße
Hausnummer: 30 & 31
Denkmalart: Ensembleteil
Sachbegriff: Wohnanlage
Datierung: 1929-1930
Entwurf: Taut und Hoffmann (Architektensozietät)

Abseits der Ollenhauerstraße, aber in ihrem Einzugsbereich liegend und die sie begleitenden Wohnhofanlagen nach Osten hin einfassend, erstrecken sich zwischen der Lindauer Allee und der Humboldtstraße drei lange Zeilen an der Ostseite der Waldowstraße. (1) Diese nach einem Entwurf der assoziierten Architekten Max Taut & Franz Hoffmann in den Jahren 1929/30 für die gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft "Eintracht" errichteten Gebäude bilden den ersten Bauabschnitt einer projektierten Großsiedlung mit über 1 100 Wohnungen, deren Ausführung durch die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise vereitelt wurde. Geschickt öffnen Taut & Hoffmann durch den Rücksprung zweier Häuser den Straßenraum an der Einmündung der schmalen Waldowstraße in die Lindauer Allee; durch rechwinklige Abknickung zweier Hauseinheiten markieren sie die spitzwinklige Situation an der Humboldtstraße. Auf den Siedlungsplan der Architekten geht auch der versetzte Lauf der als Sackgassen mit Wendehammer auszuführenden Wohnstraßen An der Koppel und der Borggrevestraße zurück. Wie im Bebauungsplan von 1908 vorgesehen, sollten hier ursprünglich die Pfahler- und Schulenburgstraße geradlinig fortgesetzt werden. Anstelle endlos sich fortsetzender Achsen werden nun gefasste Straßenabschnitte geschaffen. Keiner der anderen, im Bereich der Ollenhauerstraße während der 20er Jahre bauenden Architekten haben sich so stark wie Taut & Hoffmann auf die ausschließliche Verwendung von nur einigen wenigen Wohnungs- und Haustypen beschränkt. Dennoch gelingt ihnen eine lebendige und abwechslungsreiche, das Straßenbild prägende Fassadenabfolge. Alternierend werden die Zeilen durch fortlaufende Balkonzeilen oder durch flache balkonlose Fronten gegliedert, während die der Straße abgewendeten Seiten jeweils die entsprechende Umkehrung zeigen. Damit geben sich Taut & Hoffmann nicht als "Sonnenfanatiker", die im Zeilenbau eine strikte Ausrichtung der Zimmer nach den Himmelsrichtungen und eine klar definierte Zuordnung der Balkone verfochten, sondern vielmehr als an der Gestaltung von Bau und Straßenraum interessierte Architekten zu erkennen. Die sachlichen, strahlend weiß verputzten Gebäude, von denen sich die - einst farbig gestrichene - Stahlträgerkonstruktion der Balkone abhob, harmonieren gut mit den stilistisch unterschiedlichen Blockfronten der gegenübergelegenen Wohnanlagen. Im Zweiten Weltkrieg bis auf die Grundmauern zerstört, wurden die beiden südlichen Zeilen - wenn auch dem Originalzustand weitgehend angeglichen - völlig verändert wiederaufgebaut.


1) Berlin und seine Bauten, T. IV, Bd. A (vgl. Anm. 160), Obj. 262 VI; Die Baugilde (13) 1931, H. 10, S. 847; Gutkind/Schallenberger (vgl. Anm. 212), S. 101; Max Taut. 1884-1967. Zeichnungen, Bauten. Katalog zur Ausstellung in der Akademie der Künste, Berlin 1984, S. 50, 79.

Literatur:
  • BusB IV B 1974 / Seite 262 VI
  • Die Baugilde 13 (1931) 10 / Seite 847
  • Schallenberger, Gutkind/ Berliner Wohnbauten, 1931 / Seite 101
  • Rave, Knöfel/ Bauen seit 1900, 1963 / Seite 13
  • Rave, Knöfel/ Bauen seit 1900, 1968 / Seite 223
  • Max Taut, Katalog zur Ausstellung in der Akademie der Künste, Berlin 1964 / Seite 41
  • Max Taut 1884-1967, Ausstellungskatalog, 1984 / Seite 50, 79
  • Topographie Reinickendorf/Reinickendorf, 1988 / Seite 200f.