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Wohnanlage Schulenburgstraße & Kienhorststraße

Obj.-Dok.-Nr.: 09012187
Bezirk: Reinickendorf
Ortsteil: Reinickendorf
Strasse: Ollenhauerstraße
Hausnummer: 52 & 53 & 53A & 53B & 54 & 55
Strasse: Kienhorststraße
Hausnummer: 2 & 4 & 6 & 8 & 10 & 12 & 14 & 16 & 18 & 20 & 22
Strasse: Schulenburgstraße
Hausnummer: 1 & 2 & 3 & 4 & 5 & 6 & 7 & 8 & 9 & 10
Strasse: Waldowstraße
Hausnummer: 44 & 45 & 46 & 47 & 48 & 49
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Wohnanlage
Datierung: 1926-1927
Entwurf: Bleier und Clement (Architekt)
Bauherr: Erbbauverein Moabit eGmbH

Dem Verlauf der Ollenhauerstraße nach Norden folgend, schließt die ebenfalls einen gesamten Blockbereich in Randbebauung einnehmende Wohnanlage des Gemeinnützigen Erbbauvereins Moabit an (1). Von den Hausarchitekten dieser traditionsreichen Berliner Baugenossenschaft, den assoziierten Architekten Max Bleier und Franz Clement, in den Jahren 1925-27 errichtet, bildete der 210 Wohnungen umfassende Komplex das erste mit öffentlichen Mitteln geförderte Wohnbauvorhaben der 20er Jahre im nördlichen Bereich der Ollenhauerstraße. Deutlich wird an der geschlossenen Blockfront entlang der Ollenhauerstraße das Bestreben erkennbar, jede einzelne Hauseinheit individuell hervorzuheben und von ihrem Nachbarn abzusetzen. Neben der Verwendung unterschiedlich eingefärbten Putzes, flacher Risalite und spitz ausgreifender Erkeranbauten tragen vor allem die divergierenden Haushöhen mit der bewegten, steilen Dachlandschaft wesentlich zu einer Differenzierung bei. Eine starke plastische Wirkung geht von den an den Blockecken plazierten, hohen Treppenhäusern aus, die - als eigenständige Baukörper ausgebildet - die angrenzenden Häuser zu durchdringen scheinen und sie zugleich aber auch miteinander verklammern. Als ruhiger ausgebildet erweisen sich dagegen die den Nebenstraßen der Kienhorst-, Waldow- und Schulenburgstraße zugewandten Fassaden. Stets wird innerhalb einer gesamten Blockseite eine strenge Symmetrie gewahrt. Von der Ollenhauerstraße sowie der Kienhorst- und Waldowstraße aus vermitteln drei große Doppeltore den Zugang zum gärtnerisch aufwendig ausgestalteten Innenhof, dessen östliche Hälfte inzwischen zu einem Parkplatz umfunktioniert wurde. Bedeutung fällt der Wohnanlage des Erbbauvereins Moabit insofern zu, als - auf der Tradition der Genossenschaft aufbauend - den aus niedrigen Einkommensverhältnissen stammenden Mietern auch im Mietshaus das Gefühl eines behaglichen eigenen Heims vermittelt werden soll. Erreicht wird dies durch sparsame und einfache gestalterische Mittel, unter Verwendung nur weniger ornamentaler Verzierungen und durch Betonung einer soliden handwerklichen Ausführung. Trotz aller intendierten "Gemütlichkeit" weist die Wohnanlage jedoch eine recht weit vorangeschrittene Typisierung einzelner Elemente (besonders der Fenster) sowie eine moderne Ausstattung (mit Gas-Badeöfen) auf.


1) Berlin und seine Bauten, T. IV, Bd. A (vgl. Anm. 160), Obj. 262 I; Berlin und seine Bauten, T. IV, Bd. B (vgl. Anm. 221 (2)), Obj. 1093; Wasmuths Monatshefte für Baukunst (11) 1927, S. 486 ff., H. Kraffert/J. Schallenberger, Berliner Wohnbauten aus öffentlichen Mitteln. Berlin 1926, S. 26; Denkschrift aus Anlaß des 25-jährigen Bestehens des Erbbau-Vereins Moabit eGmbH. Berlin 1929, S. 12 u. Abb. o. S.

Literatur:
  • BusB IV A 1970 / Seite 262 I
  • BusB IV B 1974 / Seite 1093
  • Scheffler, Karl/ Das neue Berlin in
    Kunst und Künstler 29 (1931) / Seite 278
  • Schallenberger, Kraffert/ Berliner Wohnungsbauten, 1926 / Seite 76
  • Denkschrift aus Anlass des 25-jährigen Bestehens des Erbbau-Vereins Moabit eGmbH, Berlin 1929 / Seite 12
  • Wasmuths Monatshefte für Baukunst (11) 1927 / Seite S.486 ff.
  • Topographie Reinickendorf/Reinickendorf, 1988 / Seite 197f.