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Bauwerksensemble Letteallee 82 & 84 & 86 & 88 & 90 & 92 & 94 Provinzstraße 113 & 114

Obj.-Dok.-Nr.: 09012113
Bezirk: Reinickendorf
Ortsteil: Reinickendorf
Strasse: Letteallee
Hausnummer: 82 & 84 & 86 & 88 & 90 & 92 & 94
Strasse: Provinzstraße
Hausnummer: 113 & 114
Denkmalart: Ensemble
Sachbegriff: Bauwerksensemble

Von der niedrigen und ungeordneten Bebauung im südlichen Abschnitt der Provinzstraße heben sich die viergeschossigen und in ihrer geschlossenen Abfolge die westliche Straßenseite wandartig einfassenden Mietshäuser ab, die nach der Jahrhundertwende auf der Grundlage des Epensteinschen Parzellenplans entstanden. Den markanten Auftakt zu dieser städtisch geprägten, das Grundstück stark ausnutzenden Bauweise bildet das große Eckgebäude Letteallee 94/Provinzstraße 113/114. Im Auftrag des Bauherrn Hermann Pahl nach einem Entwurf des Architekten Max Saffran aus Schöneberg im Jahre 1908 ausgeführt, weist das Wohnhaus eine für diese Zeit typische, verhalten klassizierende Formensprache auf. So zeigt die zur Kreuzung orientierte Fassade mit geschossübergreifenden flachen Wandvorlagen, friesartigem Abschluss und Dreiecksgiebel Gliederungsprinzipien einer Monumentalordnung, ohne stilistisch wörtliche Anleihen zu machen. Auch die der Provinzstraße und Letteallee zugewandten Seiten weisen eine glattflächige Fassadengestaltung mit nur wenigen, als flache Stuckreliefs ausgeführten Schmuckflächen auf, aus der sich nur die breitgelagerten, mit stilisiertem Balusterdekor versehenen Balkone plastisch hervorheben.

Auch am Wohnhaus Letteallee 90 bestimmen - neben der mittigen Betonung durch einen aufragenden, risalitartig ausgebildeten und mit einem kleinen Mansarddach versehenen Gebäudeteil - im Wesentlichen die breiten Balkone das Fassadenbild des Bauwerks. Das fünfgeschossige, in den Jahren 1910/11 nach einem Entwurf des Architekten H. Gernand für den Zimmermeister Otto Rogge errichtete Haus zeigt einen weitaus verspielteren Fassadenschmuck, bestehend aus Festons, Girlanden und Putten. In einer mittig am Gebäude, zwischen drittem und viertem Stockwerk, angebrachten, mit Rollwerk eingefassten Kartusche finden sich die Initialen des Bauherrn.

Nur wenige Jahre vor Errichtung der vielgeschossigen Mietshäuser entstand auf dem Grundstück Letteallee 86, unmittelbar an die westlichste Parzelle des Epenstein-Geländes anschließend, das Pfarrhaus der katholischen Gemeinde St. Marien samt gleichnamiger Kapelle. Als erster Kirchenbau der seit 1892 bestehenden Pfarrei bildet der 1902 nach Plänen des Oranienburger Maurermeisters W. Dassler im Auftrag des Fürstbischöflichen Stuhls zu Breslau errichtete rote Ziegelbau ein wichtiges Zeugnis für die Kirchengeschichte des Ortsteils Reinickendorf. Außer den hohen Spitzbogenfenstern und dem aus Formsteinen bestehenden, neogotischen Ziegeldekor gibt die zweigeschossige und symmetrische, durch sieben Achsen gegliederte und mittels Seitenrisalite gefasste Fassade kaum Hinweise auf die sakrale Bestimmung des Gebäudes. Tatsächlich umfasste das Bauwerk hauptsächlich die Räumlichkeiten der Pfarrei sowie im Obergeschoss die Wohnung des Pfarrers. Im Erdgeschoss befand sich die - heute als Kindertagesstätte genutzte - Kapelle, die sich am rückwärtigen Teil des Gebäudes als eingeschossiger Trakt fortsetzt. Am Außenbau wird sie im Erdgeschossbereich durch das Herumführen der Spitzbogenfenster entlang der Westseite deutlich gekennzeichnet. Für das benachbarte, heute noch unbebaute Grundstück Letteallee 82-84 entwarf August Kaufhold im Jahre 1909 einen fantastisch anmutenden neogotischen Kirchenbau mit reichem Maßwerk und asymmetrischer Einturmfassade, deren Spitze in 70 m Höhe enden sollte. Dieser Plan wurde jedoch verworfen. Der neue Kirchenbau der St. Marien-Gemeinde entstand ab 1913 (Weihe 1919) nach einem nun romanisierenden Entwurf Kaufholds in der Klemkestraße 5-7.

Bis 1914 konnten die innerhalb des von Epenstein erstellten Parzellierungsplans gelegenen Grundstücke entlang der Letteallee an private Interessenten verkauft und mit vier- und fünfgeschossigen Mietshäusern bebaut werden. Die an das Eckgebäude Nr. 94 anschließenden drei Wohnhäuser - einschließlich des inzwischen entdekorierten Hauses Letteallee 88 - entstanden zwischen 1908 und 1911 und fügen sich mit ihrer verwandten Formensprache zu einem einheitlichen Bild. Zusammen mit dem katholischen Pfarrhaus St. Marien bildet der südliche Straßenzug der Letteallee samt seiner charakteristischen Vorgärten und der zum Teil noch erhaltenen alten Einfriedungen ein Ensemble.

Literatur:
  • Topographie Reinickendorf/Reinickendorf, 1988 / Seite 148-149