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Maschinenfabrik und Eisengießerei Carl Schoening GmbH

Obj.-Dok.-Nr.: 09012106,T
Bezirk: Reinickendorf
Ortsteil: Reinickendorf
Strasse: Kopenhagener Straße
Hausnummer: 60 & 62 & 64 & 66 & 68 & 70 & 72 & 74
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Industrieanlage
Datierung: 1898-1902
Umbau: 1912-1918
Entwurf: Malingriaux, Christian Friedrich (?) (Maurer & Zimmerer)
Entwurf: H. Scheubel (Baugeschäft)
Bauherr: Carl Schoening AG
Literatur:
  • 100 Jahre Eisenschoenig, 1957 / Seite ...
Teilobjekt Verwaltungsgebäude
Teil-Nr.: 09012106,T,001
Sachbegriff: Verwaltungsgebäude
Fertigstellung: 1900
Entwurf: Malingriaux, Christian Friedrich (?)
Teilobjekt Werkhalle
Teil-Nr.: 09012106,T,002
Sachbegriff: Werkhalle
Fertigstellung: 1898 & 1900 & 1902 & 1913-1914
Entwurf: Malingriaux, Christian Friedrich (?)
Entwurf: H. Streubel

Beidseitig der Kopenhagener Straße liegen zwischen der Flottenstraße und dem S-Bahnhof Wilhelmsruh Industrieanlagen, deren bauliche Entwicklung sowohl von der Flottenstraße als auch nördlich der Industriebahn von der Kopenhagener Straße ausging. Zwei Werke mit unterschiedlichem Umfang und differenzierter Gestaltung prägen zwischen Bahnhof und Industriegleisen den nördlichen Teil des Industrieviertels.

Zugebaut bis auf einen Randstreifen an der Kopenhagener Straße, liegt zwischen dem Damm der Nordbahn und der Industriebahn der Industriekomplex der Eisengießerei Carl Schoening GmbH an der Kopenhagener Straße 60-74. Innerhalb von 20 Jahren entstanden bis 1918 auf dem 1898 erworbenen (1), 1,5 Hektar großen Areal dicht beieinanderliegende Fabrikgebäude mit unterschiedlicher Nutzung, die bis 1902 der Zimmer- und Maurermeister Malingriaux entwarf und danach das Baugeschäft Hermann Streubel ausführte. Das heute geteilte Grundstück wird mit dem Direktionsgebäude zur Straße, der Eisengießereihalle längs der östlichen Grundstücksgrenze und dem Versand- und Werkstattgebäude - ehemals Maschinenhaus, Gußlager und Schleiferei - längs der Industriebahn von der Carl Schoening GmbH weiterhin genutzt. Die parallel zur Gießerei liegenden zwei Fabrikgebäude - ehemals Maschinenbau und, zur Straße gerichtet, die vormalige Neue Gießerei - liegen auf dem abgetrennten Grundstücksteil Kopenhagener Straße 74.

Mit geschweiften Ziergiebeln, hellen Putzfassungen und Formen der niederländischen Renaissance suchte Malingriaux dem 1900 an der Kopenhagener Straße errichteten Direktionsgebäude die Wirkung einer bürgerlichen Villa zu verleihen. Aus den 50er Jahren stammt das neben dem Haupteingang mit auskragendem, flachem Betondach und schräg gestellter Verglasung angebaute Pförtnerhaus. Im rechten Winkel schließt eingeschossig an der Nordseite der ehemalige - heute stark veränderte und anderweitig genutzte - Kantinenanbau an. Noch erhalten ist die Stabgittereinfriedung an der Kopenhagener Straße, die das Grundstück zwischen Verwaltungsgebäude und Bahndamm einzäunt.

Getrennt durch Fabrikgassen liegen hinter dem Verwaltungsbau sehr beengt die Fabrikgebäude, deren zweckorientierte Industriearchitektur sich von den Schaufassaden des Bürobaus deutlich abhebt. Nach Osten schließt das Grundstück der 140 m lange Hallenkomplex der Eisengießerei ab. Die aus fünf Bauteilen sich zusammensetzende Gießerei besteht im Kern aus drei von Malingriaux entworfenen, hintereinanderliegenden Shedhallen, die vermutlich 1898 begonnen und, in Form und Material angeglichen, 1900 und 1902 erweitert wurden. Der älteste, sechsschiffige Hallenteil weicht von den fünfschiffigen Ergänzungen durch einen längs gerichteten Verlauf der Sheddächer ab. In allen Hallen tragen Reihen von Eisenfachwerkstützen die Sheddächer. Zwei weitere, 1913/14 von dem Baugeschäft Hermann Streubel ausgeführte Anbauten -zur Industriebahn eine kleine einschiffige Halle in Form eines Langhauses mit Kreisfenstern in den Dreiecksgiebeln und zur östlichen Grundstücksgrenze über die ganze Längsseite ein niedriger Lageranbau mit Pultdach und Oberlichtraupen - schließen die bauliche Entwicklung ab. Alle Hallenseiten sind mit roten Ziegeln aufgemauert. Sparsam angewandtes Ziegeldekor gliedert die Längsfront und ordnet sich der funktionellen Konstruktionsform der Shedhallen unter: Ziegelbänder unterteilen in Fenster und Dachzonen, Pfeilervorlagen und Blenden gliedern vertikal. (2)

Vor der Längsseite der Gießerei überragt dreigeschossig das ehemalige Maschinenbaugebäude die flachen Werkshallen. Bei dem 1900 auf rechteckigem Grundriss erbauten roten Mauerpfeilerbau lösen in Blendfeldern liegende, große, fast quadratische Fenster die Ziegelflächen auf. Sie rhythmisieren zusammen mit den Pfeilervorlagen den Fabrikbau. Auch hier tritt historisierendes Ziegelornament vor industriegemäßer Form zurück. Lediglich an den Schmalseiten kaschieren zinnenbewehrte Blendgiebel - heute nur noch an der Südseite vorhanden - das flache Satteldach.

Mit zwei, heute teilweise veränderten Werksgebäuden, die in der Gestaltung den umgebenden Bauten angeglichen wurden, endete 1918 die bauliche Entwicklung der Werksanlage. Bis zur Kopenhagener Straße reicht der längs der Industriegleise errichtete, eingeschossige Gebäudekomplex, bei dem drei Bauabschnitte unterschiedliche Nutzungen widerspiegeln. Zur Gießerei liegt mit dem ehemaligen Maschinenhaus der älteste, um 1900 erbaute Gebäudeteil. Daran schließt mit gebrochenem, verglastem Dachkontur das ehemalige Gusslager- und Schleifereigebäude an (1912), das während des Ersten Weltkriegs um ein flach gedecktes Lager- und Wirtschaftsgebäude bis zur Straße erweitert wurde. Ebenfalls aus der Kriegszeit stammt die ehemalige Neue Gießerei, die zurückgesetzt, parallel zur Kopenhagener Straße liegt. Der lang gestreckte ein- und zweigeschossige Werksbau mit Satteldach, längs laufender Lüftungshaube und großflächigen Wandöffnungen wurde 1957 modernisiert.


1) Aufgegeben wurde das Weddinger Werk an der Uferstraße 12/13. Vgl. 100 Jahre Eisenschoening. 1857-1957. Berlin-Reinickendorf 1957.

2) Vgl. die sogenannten "Pankehallen" der ehem. Arnheimschen Tresorfabrik im Bezirk Wedding, die in verwandter Industriearchitektur 1890-97 erbaut wurden.

Teilobjekt Fabrikgebäude
Teil-Nr.: 09012106,T,003
Sachbegriff: Fabrikgebäude
Fertigstellung: 1900
Entwurf: Malingriaux, Christian Friedrich (?)
Literatur:
  • Topographie Reinickendorf/Reinickendorf, 1988 / Seite 118-119