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Luxuspapierfabrik Albrecht und Meister AG.

Obj.-Dok.-Nr.: 09012050
Bezirk: Reinickendorf
Ortsteil: Reinickendorf
Strasse: Holländerstraße
Hausnummer: 34 & 34A
Strasse: Aroser Allee
Hausnummer: 60 & & 60A & 62 & 62A & 64 & 66 & 68 & 70 & 80
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Fabrikgebäude & Bürogebäude & Kesselhaus
Fertigstellung: 1908
Umbau: 1942
Entwurf: Grändorff und Schulz (Maurer)
Bauherr: Albrecht und Meister (Luxuspapierfabrik AG.)
Bauherr: AEG

Das Gebiet südlich des Schäfersees bis zur Bezirksgrenze prägten drei periodische Entwicklungen: der bis zur Holländerstraße reichende Wachstumsschub vom Wedding mit der Mischung aus Kleingewerbe und Wohnen seit 1870, die um 1907 einsetzende Terrainspekulation der "Boden-Aktiengesellschaft Berlin-Nord" zwischen Romanshorner Weg und Brienzer Straße - die hier vorhandene Mietshausbebauung geht auf diese unternehmerische Tätigkeit der Aktiengesellschaft zurück - und der sozialreformerische Wohnungsbau der 20er Jahre unmittelbar am Schäfersee.

Städtebaulich prägend, liegt im Gebiet westlich des Schäfersees an der Holländerstraße 31-34/Ecke Aroser Allee der Firmenkomplex der AEG, der 1908 von der weit über Berlin hinaus bekannten Luxuspapier-Fabrik Albrecht & Meister nach deren Wegzug aus der Courbierestraße begründet und von der AEG, nach Übernahme in den 20er Jahren, seit 1937, vor allem aber seit 1942 außerordentlich sensibel erweitert wurde, sowohl in Verlängerung der Randbebauung als auch in Erweiterung des Industriehofes.

1908 war das Viertel nur vereinzelt bebaut, sodass die Anlage, die das gesamte Blockgrundstück bis zur Baseler Straße und Grindelwaldweg einnimmt, zu den ersten, maßstabsetzenden Bauten zählte. Das lang gestreckte, fünfgeschossige Verwaltungs- und Produktionsgebäude entlang der Aroser Allee - von den Maurermeistern Grändorff & Schulz 1908 erbaut -, das durch seine architektonische Straffung und Versachlichung der Architektur und die klare Ordnung der großräumigen, hell belichteten Büro- und Werksräume besticht - beides in den Erweiterungsbauten trotz Wahrung einer eigenständigen Formensprache fortgetragen - schließt zur Aroser Allee und zur Holländerstraße einen Industriehof ab, wie er in dieser Unverfälschtheit, mit den kleinen Einheiten von Kraftanlage, Kesselhaus, Werkstätten, Kantine kaum noch zu finden ist.

Die Forderung, die Gropius 1911 erhob, "der Arbeit müssen Paläste errichtet werden, die dem Fabrikarbeiter, dem Sklaven der modernen Industriearbeit nicht nur Licht, Luft und Reinlichkeit geben, sondern ihn auch etwas spüren lassen von der Würde der gemeinsamen großen Idee, die das Ganze treibt" (1), wurde hier ebenso beeindruckend wie unspektakulär erfüllt.


1) Walter Gropius, Monumentale Kunst und Industriebau. Vortrag gehalten am 10. April 1911 im Folkwang-Museum Hagen. Zit. nach: Hartmut Probst/Christian Schädlich, Walter Gropius. Bd. 3, Ausgewählte Schriften. Berlin (Ost) 1987, S. 31. Zu Albrecht & Meister: Albrecht & Meister AG Berlin-Reinickendorf. Firmenschrift (o. J.); Christa Pieske u. a.; Das ABC des Luxuspapiers. Herstellung, Verarbeitung und Gebrauch 1860-1930 (= Schriften des Museums für Deutsche Volkskunde Berlin, Bd. 9). Berlin 1983, S. 43, 45 f., 54, 355.

Literatur:
  • BusB I 1896 / Seite 660
  • Hirschfeld/ Berlins Großindustrie 2, 1899 / Seite 26
  • Albrecht und Meister AG Berlin-Reinickendorf (Firmenschrift), o.J. / Seite ..
  • Kühne, Günther / Hamm, Manfred, Bauten einer Industrielandschaft, Berlin 1978 / Seite 73, 132
  • Albrecht und Meister, Aktiengesellschaft. Fine Art Lithographers, o.J. (1910) / Seite ...
  • Pieske, Christa/ Das ABC des Luxuspapiers. Herstellung, Verarbeitung und Gebrauch 1860-1930, Berlin 1983 / Seite 23, 43, 45, 46, 54, 96, 133, 135, 136, 141, 144, 293, 355
  • Hildebrand, Lemburg, Wewel/ Historische Bauwerke, 1988 / Seite 252f.
  • Topographie Reinickendorf/Reinickendorf, 1988 / Seite 174f.