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Bauwerksensemble & Wohnanlage General-Barby-Straße

Obj.-Dok.-Nr.: 09011992
Bezirk: Reinickendorf
Ortsteil: Reinickendorf
Strasse: General-Barby-Straße
Hausnummer: 2 & 4 & 6 & 7 & 8 & 9 & 10 & 11 & 12 & 13 & 14 & 15 & 16 & 17 & 18 & 19 & 20 & 21 & 22 & 24 & 26 & 28 & 30 & 32 & 34 & 36 & 38 & 40 & 42 & 44 & 46 & 48 & 50 & 52
Strasse: Am Doggelhof
Hausnummer: 1 & 2
Strasse: Auguste-Viktoria-Allee
Hausnummer: 72 & 73 & 74 & 75 & 76 & 77
Strasse: Engelmannweg
Hausnummer: 1 & 2 & 3 & 4 & 5 & 6 & 7 & 8 & 9 & 10 & 11 & 12 & 13 & 14 & 15 & 16 & 17 & 18 & 19 & 20 & 21 & 22 & 22A & 63 & 64 & 65 & 66 & 67 & 68 & 69 & 70 & 71 & 72 & 73 & 74 & 75 & 76 & 77 & 78 & 79 & 80 & 81 & 82 & 83 & 84 & 85 & 86
Strasse: General-Woyna-Straße
Hausnummer: 2 & 3 & 4 & 5 & 6 & 7 & 8 & 9 & 10 & 11 & 12
Strasse: Scharnweberstraße
Hausnummer: 44 & 44A & 45 & 46 & 47 & 48 & 48A & 49
Strasse: Zobeltitzstraße
Hausnummer: 42 & 43 & 44 & 45 & 47 & 51 & 53 & 55 & 57
Denkmalart: Ensemble
Sachbegriff: Bauwerksensemble & Wohnanlage

Im unteren Verlauf der General-Barby-Straße stehen sich aus der gleichen Bauzeit stammende Wohnanlagen des genossenschaftlichen Wohnungsbaus der 20er Jahre gegenüber. Sie gehören zu den Wohnanlagen der Berliner und der Charlottenburger Baugenossenschaft. Letztere übernahm im Jahre 1925 die von der "Heimbau" AG bereits 1924 begonnenen Wohnbauten, die heute östlich der General-Barby-Straße auf dem ehemaligen, großflächigen Grundbesitz der genossenschaftlichen "Gesellschaft Tegeler Landstraße" ganze Blockränder einnehmen. (1) Bis zum Jahre 1927 zog sich die Bautätigkeit zwischen Scharnweberstraße und Auguste-Viktoria-Allee hin, die einen in sieben Bauabschnitte aufgeteilten Wohnkomplex mit rund 800 Wohnungen umfasste. Es handelte sich um eines der ersten großen Wohnungsprojekte Reinickendorfs im Rahmen des durch Hauszinssteuerhypotheken geförderten Wohnungsbaus. Mehrere Architekten verwirklichten den von Ernst Engelmann stammenden Bebauungsplan, der bis zu seinem Tode 1926 auch die ersten Abschnitte an der Scharnweberstraße und der General-Barby-Straße entwarf. Danach führte sein Büropartner Emil Fangmeyer die folgenden Abschnitte bis auf die zwei Wohnblöcke am Engelmannweg zwischen Auguste-Viktoria-Allee und Zobeltitzstraße weiter. Hier gestaltete Paul Zimmerreimer 1927 die einander gegenüberliegenden Fassaden.

Während der Wohnkomplex an der Scharnweberstraße eine geschlossene, viergeschossige Randbebauung bildet, lösen sich die dahinterliegenden Bauteile in eine offene Blockrandbebauung auf, die an den jeweiligen Straßeneinmündungen mit kurzen Flügelbauten abknickt. Diese städtebauliche Form hat ihren Ursprung in der Vorgabe der Bezirksverwaltung, die innerhalb der Blöcke, zwischen dem neu angelegten Engelmannweg und der General-Barby-Straße, einen kurzen, öffentlichen Grünstreifen und auf dem Platz der eingezogenen Zobeltitzstraße einen Spielplatz anzulegen beabsichtigte. Die bis heute vorhandene, kleine Grünanlage formt den offenen Wohncharakter der Wohnanlage entscheidend mit. (2)

Im Gegensatz zur durchgehenden, städtebaulichen Konzeption von Engelmann, der einen malerischen Städtebau durch raumbildendes Zurücksetzen von Straßenabschnitten, korrespondierende höher geführte Bauteile, Ehrenhofbildung am Engelmannweg oder den Wechsel von behäbigen, giebelständigen Bauteilen mit traufständigen Teilen erreicht, zeichnet sich in der unterschiedlichen dekorativen Gestaltung der Architektenwechsel ab. Die frühen Abschnitte von Engelmann an der General-Woyna-Straße kennzeichnet eine dekorative Verspieltheit, die Anlehnung an vergangene Stadtbilder des Barock sucht. Hell gestrichene Klappläden im Erdgeschoss, Erker mit verzierter Holzverkleidung und einzeln gesetzte Balkone mit Korbgittern schmücken die Straßenfronten, die ursprünglich noch durch zweifarbig dunkelgetönten Putz akzentuiert und bis vor kurzem durch die Sprossung der Fenster belebt waren. Am Engelmannweg dagegen ist der von Fangmeyer fortgeführte Bauabschnitt (bis zur Zobeltitzstraße) weitaus schmuckloser gehalten. In der schmalen Wohnstraße, deren Raum von Birkenreihen geprägt wird, bestimmen spitzwinklig geformte Balkone und Laubenöffnungen sowie die Formgebung des Ehrenhofes die Architektur.

Ein hoher Frontgiebel zur Betonung der Mittelachse nimmt bei der Hausgruppe der Berliner Baugenossenschaft an der General-Barby-Straße die Giebelreihe des gegenüberliegenden Blocks von Ernst Engelmann auf. Mit der gleichen Rücksichtnahme tritt die Fassade gestaffelt zurück, um so den Raum zwischen beiden Häuserreihen zu erweitern.


1) Berlin und seine Bauten, T. IV, Bd. A (vgl. Anm. 160), Obj. 257 II; Berlin und seine Bauten, T. IV, Bd. B (vgl. Anm. 221 (2)), Obj. 1094f.; Jakob Schallenberger, Der Wohnungsneubau in Berlin. Hrsg. v. Berthold Hirschberg, Berlin 1925, S. 107, 113; Kraffert/ Schallenberger (vgl. Anm. 244), S. 74 f.

2) Ähnlich wie der hier angelegte Grünstreifen sah Hermann Jansen bereits 1919 in seinem Bebauungsplan für Reinickendorf-West eine durch Parkstreifen und Spielplätze aufgelockerte Blockrandbebauung vor. Vgl. Abb. 71.

Literatur:
  • Schallenberger, Jakob, Der Wohnungsneubau in
    Berlin, hrsg. v. Berthold Hirschberg, Berlin 1925 / Seite 107, 113.
  • Topographie Reinickendorf/Reinickendorf, 1988 / Seite 210f.
  • Schallenberger, Kraffert/ Berliner Wohnungsbauten, 1926 / Seite 74-75.
  • BusB IV A 1970 / Seite 257 II.
  • BusB IV B 1974 / Seite 1094-1095
  • Die Baugilde 8 (1926) 19 / Seite 1059