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Bauernhof Großkopf

Obj.-Dok.-Nr.: 09011742
Bezirk: Reinickendorf
Ortsteil: Reinickendorf
Strasse: Alt-Reinickendorf
Hausnummer: 36 & 37
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnhaus & Einfriedung & Scheune
Fertigstellung: 1874 & 1887 & 1896
Entwurf: Helmsdorff, W.
Entwurf: Sott, Carl
Entwurf: Dermitzel, Wilhelm
Bauherr: Blanke, C.
Bauherr: Großkopf, C.

Im Kontrast zur kommunalen Architektur steht die angrenzende dörfliche Bebauung der ehemaligen Höfe Großkopf und Ribbe. Sie sind neben dem Anger, der Dorfkirche und den Bauernhäusern der Höfe Müller und Kerkow die einzigen Zeugnisse, die an die bäuerliche Lebens- und Wirtschaftsform erinnern. Beide dokumentieren Formen der Hofanlagen und ihrer Bauten, damit unterschiedliche wirtschaftliche und soziale Strukturen innerhalb der Dorfgemeinschaft.

Traufständig zur Dorfstraße liegt seit 1874 das breitgelagerte Wohnhaus des Bauernhofs Großkopf, Alt Reinickendorf 36/37, der fast dreihundert Jahre lang, von der Wiederbesetzung des wüsten Hofes 1688 im Rahmen der Ansiedlungspolitk unter dem Großen Kurfürsten bis 1984 - landwirtschaftlich genutzt bis etwa 1918 -, im Familienbesitz verblieben war. Mit der hofseitigen Bebauung aus Scheune und Stall, zwischen der die alte Kopfsteinpflasterung erhalten ist, bildet das Wohnhaus heute die einzig überkommene Dreiseithofanlage in Reinickendorf. In der, zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war, es überall im stadtnahen Raum zu vergleichbaren Hofbildungen und zu einem Wandel in der architektonischen Gestaltung dörflicher Bauten gekommen, ein Prozeß, der mit ausgelöst wurde durch den spekulativen Verkauf von bäuerlichem Grundbesitz nach der Separation. So vergrößerte auch Großkopf seinen Hof durch eine repräsentativere und regelmäßige Neuanlage. Der ehemals Vierseit- und heute nur noch Dreiseithof mit querliegender, den Hof zum Garten abschließender Scheune trat an die Stelle der unregelmäßigen Hofanlage, die massive Bauweise mit Ziegeldächern löste die alten Fachwerkgebäude mit Rohrdeckung ab. Wie anderorts in Lübars oder Heiligensee wurde das Wohnhaus mit spätklassizistischem, dem Schmuck städtischer Gebäude nachempfundenem Dekor in Putz und Stuck zur Schau gestellt, während die Hofseite schmucklos blieb. Vorgarten und Einfriedung weisen auf das Bild des Straßenraumes gegen Ende des letzten Jahrhunderts. Das niedrige, filigrane Gitter auf gemauertem Sockel kommt dem ländlichen Charakter der Ortslage entgegen. Hier sollte nur eine Begrenzung zur Straße geschaffen werden, keine Barriere mit Schutzfunktion. Gleichzeitig mit dem Wohnhaus entstand längs der östlichen Grundstücksgrenze das Stallgebäude, ein heute verputzter, eingeschossiger Massivbau mit Drempelgeschoß (1891 erhöht) und Pultdach. Die Scheune, 1896 von dem Reinickendorfer Bauunternehmer Wilhelm Dermitzel anstelle der abgerissenen, kleineren Fachwerkscheune errichtet, hat ihre ursprüngliche Gestalt bewahrt. Der von der Straße einsehbare, rote Ziegelbau mit Drempelgeschoß, Satteldach und rechteckigen Durchfahrtstoren zeigt das zurückhaltende, zeittypische Ornament der dörflichen Wirtschaftsgebäude: abgetrepptes Ziegelkonsolgesims, eiserne, als Rosetten ausgebildete Balkenanker und Stichbogenfenster mit Blendbögen. Seit der Grundstücksteilung im Jahre 1968, die den Hofgarten zur Lindauer Allee abtrennte, begrenzt die ehemalige Scheune das Grundstück mit seiner Südseite; die Wandöffnungen mußten vermauert werden.

Literatur:
  • Topographie Reinickendorf/Reinickendorf, 1988 / Seite 110
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