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Zionskirche

Obj.-Dok.-Nr.: 09011312
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Zionskirchplatz
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kirche
Entwurf: 1860
Datierung: 1866-1873
Entwurf: Orth, August Friedrich Wilhelm & Möller, Ferdinand Hermann Gustav (Architekt)
Bauherr: Zionskirch-Gemeinde

Auf dem Zionskirchplatz steht die 1873 nach Plänen von Gustav Möller und August Orth fertig gestellte Zionskirche. (1) Gustav Möller hatte bereits 1864 einen Entwurf vorgelegt, den August Orth weiter bearbeitete. Grundsteinlegung war 1866, die Bauarbeiten mussten jedoch zwischen 1868 und 1872 unterbrochen werden, so dass sich die Fertigstellung bis 1873 hinzog.

Die Zionskirche ist ein wichtiges Bindeglied in der Entwicklung des modernen protestantischen Kirchenbaus in Preußen. August Orths Anliegen war es, die im Eisenacher Regulativ formulierten baulichen Vorgaben zur protestantischen Liturgie mit mittelalterlichen Raumformen zu verbinden und in eine moderne Architektursprache zu übersetzen. Die Votivkirche hat die Grundform eines gedrungenen lateinischen Kreuzes, mit vorgelagertem Turm und großer Altarapsis. Am Außenbau ist eine stärkere Tendenz zur Mittelalterrezeption ablesbar. Das Repertoire des Rundbogenstils wird, wie z.B. die umlaufende Zwerggalerie und das Turmportal zeigen, durch Formen der lombardischen Romanik erweitert. Von entscheidender Bedeutung für den künftigen protestantischen Kirchenbau war das von Orth für den Innenraum der Zionskirche entworfene System der gangartigen Seitenschiffe in Verbindung mit den umlaufenden Emporen. Orth schuf einen weiten, gewölbten Einheitsraum für den evangelischen Predigtgottesdienst. (2)

Die Zionskirche beherrscht mit ihren Baumassen den Platz und bildet mit der Platzrandbebauung, die ebenfalls zu Beginn der 1870er Jahre in unmittelbarem Bezug zur Kirche errichtet wurde, ein einheitliches städtebauliches Ensemble. Das kurze Langhaus wird von einem massigen Turm überragt, der in den beiden oberen Geschossen durchbrochen und von einer massiven oktogonalen Haube bekrönt ist. Er liegt genau im Schnittpunkt der einmündenden Straßen. Im Blickpunkt dieser Straßen liegen die Querschiffe und der halbrunde Chor mit Sakristei und Taufkapelle.


1) Vgl. Hahn 1953, S. 28-31; Klinkott 1988, S. 144-150 u. a.; Schinz 1964, S. 125-129; BusB 1896, Bd. II, S. 169-170; Deutscher Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischer Staats-Anzeiger 9 (1873), besondere Beilage, S. 1-2.

2) Vgl. BusB VI, S. 75-78.

Literatur:
  • BusB II/III 1896 / Seite 169-170 (Literaturliste in der Anlage der Erfassung)
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 570