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U-Bahnhof Klosterstraße

Obj.-Dok.-Nr.: 09011283
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Klosterstraße
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Bahnhof (U)
Entwurf: 1906
Fertigstellung: 1911-1913
Entwurf: Grenander, Alfred Frederik Elias (Architekt)
Ausführung: Siemens und Halske AG
Bauherr: Hochbahngesellschaft Berlin

Von den Bahnhöfen der 1906-13 erbauten Innenstadtlinie zwischen Potsdamer Platz und Alexanderplatz (heute Teil der U2), der ersten U-Bahn-Linie, die das historische Zentrum und die Spree unterquerte, gehört der U-Bahnhof Klosterstraße zu den repräsentativsten und am besten erhaltenen. (1) Alfred Grenander, der von der Hochbahngesellschaft mit der architektonischen Gestaltung der gesamten Linie beauftragt war, schuf für die Bahnhöfe ein einheitliches System: Betonung der Konstruktionsglieder, farbige Behandlung der Flächen und Bauteile in Kennfarben sowie Hervorhebung der Eingangsbereiche durch Vorhallen und weithin sichtbare Zugänge und Portale.

Der 1911-13 errichtete U-Bahnhof Klosterstraße, in unmittelbarer Nähe zum Alten Stadthaus gelegen, ist durch Stahlstützen mit stilisierten ionischen Kapitellen, aufwändige Keramik- und Majolikaverkleidungen und eine sorgfältige Farbabstimmung besonders prachtvoll gestaltet. Darüber hinaus unterscheidet er sich von anderen Bahnhöfen durch ein Zwischengeschoss mit Vorhallen, das aufgrund der größeren Tiefe für die Spreeunterquerung notwendig war. Der ungewöhnlich breite Mittelbahnsteig, die aus der Mittelachse gerückten Stützen und die zweiläufige Treppenanlage an den Bahnsteigenden sind Relikte einer aufgegebenen Planung für ein drittes Gleis einer nicht ausgeführten Linie zur Frankfurter Allee. Bei einer umfassenden Restaurierung des Bahnhofs 1987 erhielt die nördliche Vorhalle bis auf ein Wandfeld mit originalem Palmendekor eine neue großformatige Keramikverkleidung, während die repräsentativere südliche Vorhalle - direkt vor dem Stadthaus gelegen - mit Wandbildern, Majolikafliesen und Ausstattungsdetails aus der Bauzeit und den 1920er Jahren mit Ausstattungsteilen wie Türen, Deckenverkleidung oder Fahrkartenschalter weitgehend in ihrem Originalzustand verblieben ist. (2)


1) Vgl. BusB X B (1), S. 44ff., 117f.; Bohle-Heintzenberg 1980, S. 83-85; Berliner U-Bahnhöfe 1996, S. 50-52.

2) Die Wandfelder mit Keramikplatten aus den Königlichen Werkstätten Cadinen zeigen als Schmuckmotiv stilisierte Palmen, deren Vorbilder von der Fassade des Thronsaals in Babylon stammen, von der Fragmente zu Beginn des Jahrhunderts in das Pergamonmuseum gekommen waren. Vgl. Bohle-Heintzenberg 1980, S. 84.

Literatur:
  • BusB X B 1 1979 / Seite 45ff, 117f. (noch weitere Quellen)
  • Bohle-Heintzenberg, Architektur der Hoch- und U-Bahn, 1980 / Seite 80-85
  • Wittig/ Die Architektur der Hoch- und Untergundbahn, 1922 / Seite 1f, Textblatt VI
  • Die Hoch- und Untergrundbahn vom Spittelmarkt über Alexanderplatz nach Schönhauser Allee, 1913 / Seite 5f., 19
  • Von den Siemensfirmen ausgeführte elektrische Hoch- und Untergrundbahnen, 1913 / Seite 41
  • Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen (1913) / Seite 824
  • Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen (1924) / Seite 123f.
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 205
  • Wartke, Ralf-B.: Mit der U-Bahn durch Babylon in
    Antike Welt. 6 (2010) Sonderdruck / Seite 33-36
  • Mauruszat, Axel: Die Merkwürdigkeiten der Gedenktafel im U-Bahnhof Klosterstraße, in: Verkehrsgeschichtliche Blätter, 2/2016 (April 2016) / Seite 42-44
  • Mauruszat, Axel: Neue Erkenntnisse zur Gedenktafel im U-Bahnhof Klosterstraße, in: Verkehrsgeschichtliche Blätter, 4/2017 (August 2017) / Seite 101