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Kirchhof an der Sophienkirche, mit Eingangsbereich, Grab- und Erinnerungsstätten

Obj.-Dok.-Nr.: 09010189
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Große Hamburger Straße
Hausnummer: 29 & 30
Strasse: Sophienstraße
Hausnummer: 2 & 3
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Kirchhof & Grabstätte
Datierung: 1713

Der Kirchhof an der Sophienkirche, Große Hamburger Straße 29-30, entstand 1713 auf einem annähernd dreieckigen Gelände zwischen der Sophienstraße und der Großen Hamburger Straße. Der achsial auf das Westportal und den Turm der Sophienkirche ausgerichteten Hauptzugang in der Großen Hamburger Straße wird durch die beiden neobarocken Wohnhäuser der Sophiengemeinde flankiert. Eine dreiteilige schmiedeeiserne Toranlage mit Pfeilern aus Sandsteinmauerwerk schließt den Eingang an der Großen Hamburger Straße ab. Der Kirchhof wird im Norden zwischen den Pfarrhäusern der Sophienstraße 2 und 3 von einem 1878-79 errichteten schmiedeeisernen Gitter auf Sockelmauerwerk geradlinig eingefriedet. (1) Zwei aufwendig gearbeitete Toranlagen mit von Urnen bekrönten Pfeilern aus Sandstein und zweiflügeligem Tor erschließen den Kirchhof östlich der Kirche, zwei eiserne Gittertore dienen als Zugang an den Grundstücksenden der Sophienstraße.

Im Süden und Osten begrenzt eine weitgehend unverputzte Ziegelmauer die unregelmäßig verlaufende Grundstücksgrenze. Sie bildet in der Nähe des angrenzenden Jüdischen Gymnasiums die Rückwand für die Wandgrabmale der Familie Schweinitz und des Historikers Leopold von Ranke (1795-1886). An der Westseite wird der Kirchhof von Hauswänden umschlossen.

Das Kirchhofsareal wurde 1714 durch Schenkung der benachbarten Jüdischen Gemeinde erweitert. Der 1853 geschlossene Kirchhof wies noch 1877 neunzig Erbbegräbnisse, auch neugotische Gittergräber mit Grabkreuzen und Efeuhügeln sowie barocke Denkmale und klassizistische Stelen auf. (2) Die Belegungsplätze waren entsprechend der Grundstücksform unregelmäßig angeordnet. 1878 bis 79 ließ die Gemeinde den Kirchhof "parkartig" umgestalten und verringerte dessen Areal geringfügig. (3)

Der Kirchhof präsentiert sich heute als schlichte landschaftlich gestaltete Grünanlage mit zum Teil über dem Wegeniveau angelegten Rasenflächen, wenigen Beeten und frei gruppierten Altbäumen, die teilweise noch auf die Umgestaltung von 1878-79 zurückgehen. Dabei dominieren Linden neben einzelnen auch jüngeren Ahorne, Kastanien, Eschen und anderen Gattungen das Erscheinungsbild des Friedhofs. Lindenreihen begleiten auch die nördliche Einfriedung an der Sophienstraße und den südlichen Fahrweg an der Sophienkirche, die nördlich und östlich von Pflasterwegen aus Bernburger Mosaik umgeben ist. Im nördlichen Kirchhofsteil sind an der Sophienstraße die Gräber von Kriegsopfern des Zweiten Weltkriegs mit Efeuhügeln und schlichten Grabmalen aufgereiht. Westlich der 1945 angelegten Reihengräber befindet sich eine Grabstätte von Umbettungen des ehemaligen Armenfriedhofs.

Auf dem Kirchhof an der Sophienkirche sind einige für die Berliner Kunst- und Kulturgeschichte bedeutende Grab- und Erinnerungsmale zu finden. Nördlich der Kirche in Nähe der Ausfahrt erhebt sich auf dem leicht hügeligen Gelände ein schlichter, 1883 erneuerter Obelisk inmitten einer umgitterten Grabstelle für den Baumeister und Musiker Carl Friedrich Zelter (1758-1832), der 1833 die Singakademie gestiftet hatte. (4) Südlich davon befinden sich bedeutende Urnengrabmale unter anderem für Johann August Buchholtz (1706-1793), den Hof-Etats-Rentmeister von Friedrich II., dessen Grabmal die sich in den Schwanz beißende Schlange als Ewigkeitssymbol zeigt. (5)

Südlich der Kirche in Nähe des Gemeindekinderspielplatzes befindet sich eines der wenigen erhaltenen figürlichen Grabmale des Rokoko, das umgitterte Grabmal aus Sandstein für den Schiffsbaumeister Friedrich Johann Köppjohann (gest. 1792) und seiner Frau (gest. 1776). (6) Die bewegte Engelsstatue mit geöffnetem Buch wurde wahrscheinlich nach 1776 von Wilhelm Christian Meyer d.Ä. geschaffen. Zu ihren Füßen befindet sich ein Füllhorn. Auf dem Podest sind Attribute des Schiffsbaus und ein sich verhüllender Putto gestaltet, dazu eine Tafel beziehungsweise Draperie mit Inschriften. An den Außenwänden der Kirche sind mehrere barocke Epitaphien angebracht, unter anderem für den Bildhauer J.D. Schwartzenhauer (gest. 1748), sowie Erinnerungstafeln für die Dichterin Anna Louisa Karschin (gest. 1791) und den Dichter Karl Wilhelm Ramler (gest. 1796).


1) Rottmann, Birgit, Gartendenkmalpflegerisches Entwicklungskonzept für den Sophienfriedhof in Berlin-Mitte. Diplomarbeit an der Technischen Fachhochschule Berlin, Fachbereich Landespflege, Berlin 1994, S. 75.

2) Vereinzelte Bestattungen fanden noch später statt, so 1886 des Historikers Leopold von Ranke, 1896 des Pastors der Sophiengemeinde Walter Burkhardt. Vgl. Wohlberedt 1952, S. 317; weitere Angaben zur Entwicklungsgeschichte des Kirchhofes vgl. Witte 1912.

3) Vgl. Wohlberedt 1952, Anm. 2 [der Topographie]

4) Carl Friedrich Zelter (1758-1832), Baumeister, Komponist, Musikpädagoge, ab 1800 Leiter der Berliner Singakademie, Begründer der ersten Deutschen Liedtafel, seit 1809 Professor der Königlichen Kunstakademie.

5) Johann August Buchholtz (1706-1793), Hof-Etats-Rentmeister, königlicher Kriegs- und Domänenrat, Trésorier und Hofstaats-Rentmeister Friedrichs II.; Hammer 1994, S. 77.

6) Friedrich Johann Köppjohann (gest. 1792), Schiffsbaumeister, Förderer der Sophiengemeinde, stiftete 1790 die erste Orgel der Sophiengemeinde, begründete eine Stiftung für Witwen und Waisen, vgl. Witte 1912, S. 183.

Literatur:
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 462-463