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Friedhof II. der Sophien-Gemeinde mit Einfriedungsmauer, Grabstätten, Kapelle und Mausoleen

Obj.-Dok.-Nr.: 09010184
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Bergstraße
Hausnummer: 29
Strasse: Ackerstraße & Pappelplatz
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Friedhof & Kapelle & Mausoleum & Einfriedung & Grabstätte
Datierung: 1827 & um 1897
Umbau: 1852
Entwurf: Schröder, Rudolph (Architekt)

Der 1827 angelegte und 1852 in nordwestlicher Richtung vergrößerte Friedhof II der Sophiengemeinde in der Bergstraße 29 diente der Erweiterung des 1713 gegründeten Friedhofs an der Sophienkirche und als Ersatz der nicht erhaltenen Anlage zwischen Berg- und Gartenstraße. (1)

Nordwestlich der Bernauer Straße im Ortsteil Wedding befindet sich das 1865 entstandene Lazarus Kranken- und Diakonissenhaus, das während der deutschen Teilung durch die Grenzanlagen vom Friedhofsgelände getrennt war. Seine Diakonissen haben im nördlichen Teil einen eigenen, heute wieder zugänglichen Begräbnisplatz, der ebenfalls zur Hälfte eingeebnet war. Zwischen der Kapelle des Krankenhauses und der Friedhofskapelle im Süden besteht eine axiale Sichtbeziehung entlang des Hauptweges. Dieser im Grenzbereich zerstörte, von Linden beziehungsweise Kastanien eingefasste Weg, teilt als asymmetrische Längsachse den überkommenen Friedhofsteil in zwei ungleiche Hälften. Er kreuzt sich in Höhe des nordöstlichen Eingangs Ackerstraße, wo sich ein Ensemble bemerkenswerter Grabkapellen und Erbbegräbnisse befindet, mit einem Querweg. Das Hauptwegekreuz ist Bestandteil des orthogonalen Wegesystems, das den Friedhof regelmäßig in Grabfelder gliedert. Die Struktur der Anlage ist in diesem Friedhofsteil weitgehend erhalten geblieben. Im Zentrum des Wegekreuzes erscheint heute als Point de vue ein schlichtes hölzernes Gedenkkreuz auf einem Klinkersockel anstelle des von Friedrich Wilhelm III. zur Einweihung des Friedhofes 1827 gestifteten gusseisernen Kreuzes.

Die Grabfelder des Friedhofs wurden zunächst mit den üblichen Doppelerdreihen belegt, in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts erfolgten schon Zweitbestattungen, wie Erbbegräbnisse in Nähe des Eingangs Bergstraße und der Kapelle zeigen. Nach 1911 bis 1939 wurden Urnenfelder im nördlichen Friedhofsteil entlang der Bergstraße und der Bernauer Straße angelegt, die im Zuge des Ausbaus der Grenzanlagen jedoch nach 1961 umgebettet wurden. Die Querwege sind mit einem zum Teil bemerkenswerten Altbaumbestand von überwiegend Linden und Ahorn auch in Mischung mit anderen Gattungen in Alleen- und Reihenpflanzung eingefasst. Der überkommene historische Friedhofsteil ist durch einen dichten Vegetationsbestand mit zahlreichen Altbäumen wie Eschen, auch Trauereschen, Ahorn, Kastanien, Rotdorn sowie einzelne Götterbäume und Robinien, charakterisiert. Die Raumstruktur wirkt oft kleinteilig, durch zahlreiche Nadelgehölze, wie Fichten, Lebensbäume, Scheinzypressen oder Taxus bewirkt. Zudem zeigt sich überwiegend eine gut erhaltene Strauch- und Krautschicht mit friedhofstypischen Pflanzen wie Buxus, Efeu, Farnen, Immergrünen und einigen Stauden. Der Haupteingang an der Bergstraße wird vom Pförtnerhaus der 1860er Jahre und dem Verwaltungsgebäude flankiert.

Hier eröffnet sich eine aufwendige Platzgestaltung mit einem von Kleinsteinpflaster umgebenen Rundbeet. Nördlich davon befindet sich entlang des gepflasterten Zugangsweges zur Kapelle unter einer lang gestreckten Rasenfläche mit einem mittigen Efeuhügel ein Massengrab mit Kriegsopfern aus dem Jahre 1945. (2) Die Gestaltung des Eingangsbereichs erfolgte im Zusammenhang mit dem Neubau der Kapelle, die 1897 als Ersatz für einen schlichten Vorgängerbau von 1871-77 an der südöstlichen Grundstücksgrenze errichtet wurde. (3) Den Entwurf für den romanisierenden Klinkerbau lieferte der Architekt Rudolph Schröder. (4) Zwischen Kapelle und Verwaltungsgebäude bilden neun große Erbbegräbnisse eine Grabmalwand, hinter der sich der Wirtschaftshof verbirgt. Besonders bemerkenswert ist das in neugotischen Formen gestaltete Wandgrab des Steuerassistenten Ferdinand Kortenbeitl von 1871. Westlich des Eingangs an der Bergstraße bilden einige Wandgräber die Rückwand der Friedhofsmauer, darunter das 1865 vom Bankier Adolph Eduard Loesche (gest. 1894) erworbene Wandgrab neben dem Pförtnerhäuschen.

An der Querallee zwischen Gedenkkreuz und Eingang Ackerstraße beherrschen die monumentalen historisierend gestalteten Mausoleen der Kaufmannsfamilien Kulicke, Koehne, Wisnack sowie des Rittergutsbesitzers Spiekermann, des Bildhauers Kosack und des Torfgräbereibesitzers Kelch in einem bemerkenswerten gründerzeitlichen Ensemble das Erscheinungsbild dieses Quartiers, in dem auch bekannte Musiker ihre letzte Ruhestätte fanden. Nördlich der Mausoleen befindet sich das schlichte gusseiserne Grabkreuz für Wilhelm Friedrich Ernst Bach (1759-1845), den Komponisten und Hofkapellmeister der Königin Luise. (5) Nördlich davon bezeichnet eine neugotische Sandsteinstele mit Bildnismedaillon, gestiftet 1859, erneuert 1927, das Grab des Komponisten Albert Lortzing (1803-1851). Zu den repräsentativen, künstlerisch aufwendig gestalteten Grabmalen der Gründerzeit gehört das östlich des Gedenkkreuzes gelegene Grabmal von Carl Bechstein (gest. 1900), des Gründers der gleichnamigen Pianoforte-Fabrik. Es ist als halbkreisförmige Granit-Rückwand mit Bogenfries und Bank sowie der bronzenen Sitzfigur einer "Trauernden Muse" vor der betonten Mitte gestaltet. Die lebensgroße Figur in antikisierendem Gewand, die stilistisch bereits vom Neubarock abweicht, schuf 1905 der Bildhauer Walther Schmarje (1872-1921). (6) Die flankierenden Pfeiler der Grabmalwand zeigen die Porträtmedallions von Carl Bechstein und seiner Frau Louise im Profil.

In Nähe des Eingangs Ackerstraße befindet sich auch das Grab des Operettenkomponisten Walter Kollo (1878-1940) und seiner Frau. (7) Zu den bedeutenden hier ruhenden Persönlichkeiten der Berliner Kulturgeschichte gehören Hermann Waesemann (1813 - 1879), der Baumeister des Berliner Rathauses, dessen Grab nordwestlich des Gedenkkreuzes eine Stele mit bronzenem Bildnismedaillon von Otto Geyer schmückt (8) sowie Theodor Hosemann (1807-1875), dem Illustrator von Glasbrenners satirischer Volksdichtung, dessen Grabstätte mit schlichtem Stein nordwestlich des Eingangs Ackerstraße im Feld VIII liegt. (9) Im gleichen Feld erhebt sich, von zwei Rotbuchen gerahmt, die Stele für Johanna Stegen (gest. 1842), die aus der Zeit der Befreiungskriege als Heldenmädchen von Lüneburg in die Geschichte einging. Das Bildnisrelief am 1906 erneuerten Grabmal stammt von Albert Moritz Wolff.


1) Angaben zur Enstehung des Friedhofs II der Sophien-Gemeinde nach Wohlberedt 1952, S. 325; der ehemalige Friedhof in der Gartenstraße wurde 1798 gegründet, 1875 geschlossen und in einen Schmuck- und Kinderspielplatz umgewandelt, vgl. Wohlberedt 1939, S. 42.

2) Vgl. ebenda, S. 13ff.

3) Die Daten zur Entstehung der Kapelle nach Witte 1912, S. 173ff.

4) Die Urheberschaft von Rudolph Schröder für die Kapelle wird durch Zeichnungen im Archiv der Sophien-Gemeinde belegt.

5) Wilhelm Friedrich Ernst Bach (1759-1845), letzter Enkel Johann Sebastian Bachs (Bückeburger Bach), kam 1789 nach Preußen, organisierte das Musikleben am preußischen Hofe und unterrichtete Mitglieder der königlichen Familie. Das Grabkreuz mit Widmung von 1907.

6) Ethos und Pathos I-II, S. 288f.

7) Walter Kollo (1878-1940), Komponist von Operetten und Filmmelodien.

8) Hermann Friedrich Waesemann (1813-1879), Architekt, Mitarbeit am Neuen Museum Friedrich August Stülers, seit 1845 Conducteur bei Bauten im königlichen Schloß, 1852 bis 1859 im Staatsdienst tätig, dann Privatarchitekt. Zu seinen bedeutenden Werken gehören das Berliner Rathaus (1860-69), außerdem zahlreiche Bauten in Schlesien; Wohnhaus Regentenstraße 6 (1856-66), Wohnhaus Frobenstraße 14 (1872-73), Schöneberg.

9) Theodor Hosemann (1807-1875), 1857 Zeichenlehrer des Prinzen Georg von Preußen, Ernennung zum Professor, ab 1860 Mitglied der Akademie der Künste.

Literatur:
  • Berliner Architekturwelt 11 (1909) / Seite S. 249 (Ergebnisse des Wettbewerbes ausführlich in: Die Konkurrenz zur Ausschmückung des Pappelplatzes zu Berlin)
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 563-564