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Mietshaus & Remise & Etagenfabrik Waldemarstraße 42 & 42A & 42B

Obj.-Dok.-Nr.: 09010151
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Waldemarstraße
Hausnummer: 42 & 42A & 42B
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mietshaus & Remise & Etagenfabrik
Datierung: 1863 & 1888
Entwurf: Joll, Albert
Entwurf: Wolff, Hermann
Bauherr: Busch (Unternehmer)
Bauherr: Hintze, H. (Unternehmer)

Die Waldemarstraße wird mehrheitlich durch schlichte spätklassizistische Mietshausfassaden der 1860er Jahre geprägt. In der Waldemarstraße 42-42B hat sich eine kleine, aus Mietshaus, Remise und Etagenfabrik bestehende Gebäudegruppe erhalten, die ausschnitthaft die städtebauliche Entwicklung nachzeichnet, wie sie das umgebende Quartier in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts genommen hat. Die Bebauung des Grundstücks begann 1863 mit der Errichtung des fünfgeschossigen Vorderhauses durch den Maurermeister Albert Joll. Das Gebäude entstand damit zwanzig Jahre nach Genehmigung des von Peter Joseph Lenné erstellten Bebauungsplans für das Köpenicker Feld und gehört zur Erstbebauung der Waldemarstraße. Zeitgleich mit dem Vordergebäude wurden auch der fünfgeschossige Seitenflügel und eine freistehende, zweigeschossige Remise in Sichtmauerwerk errichtet. Das spätklassizistische Mietshaus ist ein Mauerwerksbau mit stuckierter und geputzter Fassade. Seine außergewöhnlich gut überlieferte Straßenfront zeigt in ihrer Flächigkeit und dem gliedernden und dekorativen System aus Gesimsen und Fensterverdachungen typische Merkmale des Wohnungsbaus der 1860er Jahre. Um die hierarchisch aufgebaute Straßenfront nicht zu streng und monoton erscheinen zu lassen, wurden die zwei äußeren linken Achsen risalitartig vor die Fassadenflucht gezogen und mit ornamentierten Brüstungen gestalterisch betont. Alle Etagen sind von einer Putzrustika überzogen. Dabei zeigt die Rustika im Erdgeschoss ein stärkeres, bossenartiges Relief. Ein seltenes Beispiel hofseitiger Dekoration hat sich mit der feinen, waagerecht strukturierten Putzritzung der rückwärtigen Fassaden erhalten. Im Mietshaus waren ausschließlich Kleinwohnungen untergebracht, die über das von der Durchfahrt abgehende Treppenhaus erschlossen werden. Die Souterrainräume, die ursprünglich nicht nur als Arbeits-, sondern auch als Wohnfläche genutzt wurden, waren nur über die straßenseitig angeordneten Kellerzugänge erreichbar.

Die bauliche Verdichtung der Blockinnenflächen und die Wandlung des Quartiers von einem eher ruhigen, vorstädtisch geprägten Wohnviertel zu einem geschäftigen Mischgebiet belegt die auf dem rückwärtigen Teil des Grundstücks 1888 errichtete fünfgeschossige Etagenfabrik. Das Gebäude, das von Maurermeister Hermann Wolff geplant und ausgeführt wurde, diente anfänglich als Filzschuhfabrik. In Abweichung zur sonst üblichen Bauweise führte man die Fabrik jedoch nicht als Ziegelrohbau, sondern als nüchtern gestalteten Putzbau aus. Jede Etage verfügt über einen großen, offenen Fabrikationsraum, dessen Decken von einem auf gusseisernen Stützen lagernden Unterzug getragen werden.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 225 ff.