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Kindertagesstätte Singerstraße 22

Obj.-Dok.-Nr.: 09010029
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Friedrichshain
Strasse: Singerstraße
Hausnummer: 22
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kindertagesstätte
Datierung: 1962-1964
Entwurf: VEB Berlin Projekt (Planungsbüros Komplexabteilung 308 & Statik Kollektiv Beckmann)
Ausführung: WBK Hochbau Berlin, Lichtenberg (Baukombinat)

Die Kinderkrippe Singerstraße 22 entstand "als Folgeeinrichtung" der verdichteten Wohnbebauung südlich der Frankfurter Allee. Unter Berücksichtigung der Verkehrssicherheit und kurzer "Mutterwege" wurde der Kinderkrippe in der Planung der frühen sechziger Jahre gegenüber anderen Versorgungseinrichtungen wie einer Kaufhalle und einem Schwimmbad der Vorzug gegeben. Eine Kinderkrippe war um so notwendiger geworden, als der westlich anschließende "Wohnkomplex Friedrichshain" ohne die zunächst vorgesehenen Sozialeinrichtungen realisiert wurde, die der Plan von Hermann Henselmann 1956 ursprünglich vorsah. (1) Bemerkenswert ist die Gestaltung als Laubenganghaus zur Nordseite, das den freien Spielraum der Grünfläche mit den Gruppenräumen verbindet. Hierfür orientierten sich die Architekten der Planungsgruppe VEB-Berlin-Projekt an Vorbildern der dreißiger und vierziger Jahre aus Skandinavien und der Schweiz, die in den fünfziger Jahren auch den Schul- und Wohnungsbau der Bundesrepublik geprägt hatten. Die 1965 fertiggestellte Kinderkrippe vertritt den ebenso für Kitas häufig gebrauchten Typ des nüchternen, lichten Flachbaus aus verschalten Eisenbetonelementen. Eine Architektur, die mit Formen der klassischen Moderne nach außen wie innen Offenheit signalisiert und in ihrer Authentizität Seltenheitswert hat. Sie dokumentiert ein bisher kaum zur Kenntnis genommenes Kapitel der Architekturentwicklung in der ehemaligen DDR. Bevor sich der Fertigteilbau Ende der sechziger Jahre durchsetzte, waren über einige Jahre hin kleinere Bauaufgaben mit ambitioniert individuellen Lösungen dank moderner Schalungstechniken möglich. Eine kurze Phase, in welcher sich zeitgleiche Einflüsse der westlichen Bauindustrie auch im nicht repräsentativen Aufgabenfeld bemerkbar machten.


1) Geist/Kürvers 1989, S. 388-396.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain, 1996 / Seite 92-93