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St. Pius-Kirche

Obj.-Dok.-Nr.: 09010023
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Friedrichshain
Strasse: Palisadenstraße
Hausnummer: 73 & 74
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kirche kath.
Datierung: 1889-1894
Entwurf: Hasak, Max (Architekt)
Ausführung: Wilhelm Koch (Baufirma)
Ausführung: Cyclop (Baufirma)
Bauherr: Katholische St. Pius-Gemeinde

Die St. Pius Pfarrkirche, Palisadenstraße 73-74, veranschaulicht den hohen Bevölkerungsanteil katholischer Arbeiter aus den preußischen Ostprovinzen im damals sogenannten Frankfurter Viertel. Nach St. Hedwig ist sie die zweite katholische Gemeinde Berlins mit selbstständigen Gemeinderechten und eigener Pfarrkirche. Diese wurde 1892-94 nach Entwürfen von Max Hasak ausgeführt. Ihre äußere Gestalt prägt heute ein um 30 Meter "gestutzter" Turm. Der zurückgesetzte Standort hinter der Straßenfront erklärt sich aus der Art, wie der Bau finanziert wurde. Bevor die Gemeinde mit der Errichtung der Kirche beginnen konnte, baute sie zwei Mietshäuser, die zur Straße das vorgesehene Baugelände flankierten. Bis mit den Mieteinnahmen der Kirchenbau gesichert war, nutzte die Gemeinde eine kleine Holzkapelle. Sie wurde erst abgerissen, als die Chorumantelung der neuen Kirchenhalle stand. Hermann Henselmann erzwang nach dem Zweiten Weltkrieg eine Abtragung des ursprünglich 86 Meter hoch aufragenden Steinhelms, der in Höhe der ehemaligen Sporthalle und der Stalinfigur nicht mehr in das Bild der neuen Magistrale "Stalinallee" passte. (1) Durch Unterlassung der Reparaturen von Kriegschäden hatte man ihn zuvor baufällig werden lassen. Henselmann entschied zwischen drei Turmvarianten, die der dazu angehaltene Kirchenvorstand 1961 vorlegte. Der quer sitzende Sattel mit Dachreiter ersetzt seitdem das damals noch bestehende Turmskelett und erinnert eindrucksvoll an den Bruch mit der lokalen Architekturvergangenheit. (2)


1) Diese Höhenmarke wurde in den Verhandlungen der Pfarrgemeinde mit dem Magistrat reklamiert. Stalinfigur und Sporthalle sind heute durch Neubauten ersetzt.

2) Von der Ausstattung sind erhalten: die Eichentüren von Tischler Dyhring, ein Vesperbild im rechten Seitenschiff von Tischler Düwel und dessen Kanzelgestaltung ohne Schalldeckel. Frank, insbesondere S. 17-59; Gensch/Liesigk/Michaelis, S. 388-389; Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR, Hauptstadt Berlin I, S. 450.

Literatur:
  • Frank, Wilhelm/ Werdegang einer katholischen Gemeinde zu Berlin, Berlin 1904 / Seite insbes. S.17-59, (Gemeindeexemplar von Pastor Masiak)
  • Gensch, Der Berliner Osten, 1930 / Seite 388-389. (AGB: B 152 Frie 1)
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite 450
  • Topographie Friedrichshain, 1996 / Seite 54, 95