denkmal  

 

Liste, Karte, Datenbank - Denkmaldatenbank

Bahnhof (S) & Ladenzeile & Beamtenwohnhaus Frankfurter Allee 111

Obj.-Dok.-Nr.: 09010007
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Friedrichshain
Strasse: Frankfurter Allee
Hausnummer: 111
Denkmalart: Ensemble
Sachbegriff: Bahnhof (S) & Ladenzeile & Beamtenwohnhaus
Datierung: ab 1890 & 1928-1930

Die Ringbahnstation Frankfurter Allee, gelegen in der Frankfurter Allee 111, wurde 1889-91 etwas nördlich der ersten Haltestelle Friedrichsberg (1897 in "Frankfurter Allee" umbenannt) errichtet. (1) Sie liegt an der Kreuzung der Ringbahn und der Frankfurter Allee, der wichtigsten Ausfallstraße Berlins in Richtung Osten.

Regierungsbaumeister Bordekow entwarf das Empfangsgebäude in einem etwas akademisch anmutenden neogotischen Stil, wie er vor der Jahrhundertwende modern wurde und gleichzeitig auch an anderen Strecken zu finden ist. Er ergänzte den Durchgang zu den Gleisen um eine geräumige Eingangshalle mit den damals neuartigen quer gerückten Billettausgaben. Gleichzeitig entstand ein neuer Zugang zum Bahnsteig, der 1911-12 um einen zweiten ergänzt wurde.

1871 war der Nordring zunächst zweigleisig für Personen- und Güterverkehr freigegeben worden. Parallel mit dem Stadtbahnbau kamen später zwischen Rummelsburg und Landsberger Allee zwei weitere Gleise hinzu. Während sich die Einwohnerzahl Berlins bis Ende der neunziger Jahre verdoppelt hatte, wuchs sie im Einzugsbereich dieses Ringbahnhofs um das Zehnfache an.

Der Bahnhof Frankfurter Allee gehört zu den historischen Verkehrsbauten, die heute eine Stufe der rasanten Verstädterung von ehemals ländlichen Vorortsgebieten anschaulich dokumentieren. (2)

Bis Ende der zwanziger Jahre hatte sich die Kreuzung der S-Bahn und der Frankfurter Allee durch den Bau der U-Bahnlinie E (heute U 5) Richtung Friedrichsfelde zu einem stark frequentierten Umsteigeplatz entwickelt. Daher lohnte sich auch der Anbau einer Ladenzeile vor dem Bahndamm neben dem S-Bahnhof. 1931 wurde eine zur Frankfurter Allee hin abgetreppte Folge von niedrigen Kuben mit durch Ziegelbänder strukturierter Terrakottaverkleidung errichtet. Die Bauherren waren zugleich die Inhaber der ansässigen Lokale: ein Blumenhändler, ein Fleischer, ein Besitzer eines Lottogeschäft und ein Konditor.

Bereits 1903 entstanden am Bahnhof Frankfurter Allee zwei Wohnhäuser für Bahnangestellte nach einem Entwurf von Regierungsbaurat Mernim. Von ihnen ist das nördliche, das ebenfalls die Adresse Frankfurter Allee 111 trägt, überliefert. Es diente der Unterbringung zweier "mittlerer Beamten" mit Familie. Es handelt sich um einen Typenentwurf, der, wie so häufig bei Eisenbahnbauten, von zeitgenössischen vorstädtischen Landhausbauten beeinflusst war. Mit der Integration von Wohnbauten in die Verkehrsanlagen schuf die Preußische Staatsbahn einerseits Wohnraum für ihre Beamten - sie sind daher Ausdruck der Fürsorge eines Betriebes für seine Angestellten -; andererseits bedeutete die Nähe der Angestellten aber auch Schutz für die Verkehrsanlagen und diente der schnellen Verfügbarkeit der Beamten. Die Verbindung von Wohn- und Verkehrsbauten veranschaulicht eine ehemals sinnvolle Sozialstruktur, die für den Aufbau des Berliner Eisenbahnnetzes von großer Bedeutung war.


1) Das ursprüngliche Empfangsgebäude wurde bis in die zwanziger Jahre zu Verwaltungszwecken weitergenutzt.

2) Vgl. Schmidt/Eilhardt, S. 14-18; Stein; BusB 1896, Bd. 1, S. 233-249; BusB X B (2), S. 154

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain, 1996 / Seite 177-179