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    Städtebau  
 

Offener Realisierungswettbewerb in zwei Phasen für
Bewerbergemeinschaften aus Architekten*innen und Landschaftsarchitekten*innen
"Erweiterung Schulstandort Sandinostraße, Berlin Lichtenberg"

Ergebnis: 1. Preis


1. Preis:
47.500 Euro
  Architektur: WOLTERECK FITZNER Architekten BDA
Verfasser: Jan Fitzner, Clemens Woltereck
Mitarbeiter*innen: Luisa Lerche, Rick Munzert, Franz Heß

Landschaftsarchitektur:
Station C23 Architekten und Landschaftsarchitekten
Verfasser: Sigrun Langner
Mitarbeiter*innen: Sebastian Pietzsch, Luisa Mann

Brandschutz: Ingenieurbüro Schmöller
Verfasser: Hans Wagner

Statik: Ingenieurbüro Staupendahl und Partner
Bauplanungsgesellschaft mbH
Verfasser: Volker Krannich, Thomas Staupendahl



Beurteilung durch das Preisgericht:

Mit der Setzung zweier als „Community Hubs“ benannter Baukörper jeweils für Mensa, Mehrzweckraum und Sporthalle der beiden Schulen an die westlichen und östlichen Grundstückränder folgt der Entwurf in unprätentiöser und gleichzeitig richtiger Geste der Bautypologie der Umgebung, wo jeweils geschlossen oder abschnittsweise die Ränder von Baublöcken bebaut sind. Auch die Bestandsbaukörper erhalten so, im Zusammenspiel mit ihren neuen baulichen Ergänzungen, eine verbesserte städtebauliche Aussage als blockbegrenzende Gebäude. Der in den Block gesetzte Neubau der Erweiterung der ISS ist dazu folgerichtig als neutral gerichteter quadratischer Solitär gesetzt, der dadurch, dass er von der östlichen Grundstücksgrenze abrückt auch angemessenen Abstand von der Wohnbebauung an der Altenhofer Straße hält. Mit der so erreichten offenen Blockmitte wird der MEB-Baukörper optisch und mittels eines gedeckten Boulevards auch physisch in das Ensemble der Grundschule eingebunden. Der Bestand bleibt nahezu, außer der Herstellung der Barrierefreiheit, unbearbeitet, was dem gewünschten Nutzungsfortbestand während der Bauphase zwar entgegen kommt, jedoch Chancen einer eindeutigeren und großzügigeren Adressierung an der Sandinostraße und einer transparenteren Überleitung zu den Erweiterungen ungenutzt lässt.

Das Ausformulieren zweier gleichwertiger spiegelbildlicher Gebäude, den „Community Hubs“, ist ein richtiges und starkes architektonisches Bild. So wird das Selbstverständnis zweier Schultypen an einem Standort gestärkt und dennoch ein Dialog mittels des baulichen Vis-à-Vis und des Freiraums dazwischen hergestellt. Die Trennung der Freibereiche bleibt in den Plänen skizzenhaft. Durch die städtebauliche Setzung bleiben begrüßenswerte Nutzungsoptionen für die gemeinsame Bespielung des Freiraums erhalten.
Die insgesamt als Holz-Skelettbau mit Glasausfachungen der Fassaden und Holz-Beton-Verbund-Geschoßdecken vorgeschlagenen Konstruktionen folgen einer nachvollziehbaren Einfachheit, werden sich in der Ausarbeitung gegenüber thermischen und brandschutztechnischen Anforderungen aber auch erst noch behaupten müssen. Die Einfachheit im baulichen Gesamtausdruck gilt es dabei zu bewahren.

Die geschickte Anordnung der Räume im Schnitt der „Community Hubs“ lassen folgerichtige Wege zwischen Foyer, Umkleiden und Sporthallen entstehen und generieren auf der obersten Ebene noch Galerieflächen, vorgeschlagen als Gymnastik, Mehrzweck oder Fitnessbereich. Die vorbildlich zusammenschaltbaren Mensen und Mehrzweckräume bei gleichzeitig möglicher Abtrennbarkeit zu anderen Räumen und Verkehrswegen eröffnen gemeinsam mit den doppelgeschossigen Raumhöhen hervorragende Nutzungsmöglichkeiten und Dialoge mit dem Freiraum. Beide Schulen erhalten ein neues Herz, – einen Entfaltungsraum.

Der Erweiterungsbaukörper der ISS, der ebenfalls über einen gedeckten Boulevard an das Bestandsgebäude und den Community-Hub angebunden ist, kann als Compartment-Idealbau gelesen werden. Die Verortung der Compartments zwischen den Technik/WAT-Räumen im EG mit direktem Außenraumbezug und den NaWi-Räumen im obersten Geschoss mit eigenen Dachterrassen ermöglicht kurze Wege aller Nutzer zwischen den Unterrichtsstunden. Dem Zwang der Auslobung, nur ein Forum für zwei Compartments auszubilden, stellt der Entwurf das Angebot zur Seite, die Lehrmittelräume als offene kleine Lernlandschaft in jeweiliger Compartmentmitte auszubilden, so dass zusätzliche Möglichkeiten der Unterrichtsdifferenzierung entstehen. Diese sind aus den Teamräumen gut einsehbar. Alle Räume, auch die Foren und Mitten sind großzügig mit Tageslicht und natürlichen Lüftungsmöglichkeiten versorgt.

Grundlage der Außenraumgestaltung bildet die Erhaltung des gesamten Baumbestands. Die Baumorte werden impulsgebend für die Anordnung von Aufenthalts- und Spielzonen unter den Baumkronen. Dies wirkt zwar noch skizzenhaft, kann jedoch auch als unprätentiös gelesen werden mit dem Anspruch, den Freiraum nicht über zu instrumentalisieren. Die gedeckten Boulevards bieten im Dialog dazu ein ordnendes Element mit wettergeschützten Vorbereichen der „Community Hubs“.

Insgesamt bietet der Entwurf große Qualitäten für die Entwicklung des Schulstandorts Sandinostraße und stärkt die Eigenständigkeit zweier Schultypen auf einem gemeinsamen Bildungscampus.

Modell © Hans-Joachim Wuthenow
Modellfoto
© Hans-Joachim Wuthenow

Perspektive außen
Perspektive außen

Perspektive innen
Perspektive innen

Lageplan
Lageplan

Grundriss EG
Grundriss EG