Städtebau  
 

Nichtoffener Wettbewerb für Architekten in Bewerbergemeinschaft mit Landschaftsarchitekten
"Neubau Clay-Schule, Berlin Neukölln"

Ergebnis: Anerkennung


Anerkennung:
7.500,- Euro
  Glass Kramer Löbbert Gesellschaft von Architekten mbH mit P.arc GmbH, Berlin

Verfasser: Johan Kramer, Johannes Löbbert, Gerrit Grigoleit
Mitarbeit: Kai Canver, Ekaterina Förster, Julia Heilmeier, Michal Plonczak

Landschaftsarchitektur: bbz landschaftsarchitekten Berlin GmbH, Berlin

Verfasser: Timo Herrmann, Landschaftsarchitekt
Mitarbeit: Julian Engmann



Beurteilung durch das Preisgericht:

Vier Schulhäuser sind sich um einen zentralen Schulhof gruppiert. Der Zugang erfolgt richtig vom Neudecker Weg. Die Sporthalle steht wie gefordert an der Köpenicker Straße. Zwischen dem Schulgebäuden und der Sporthalle spannt sich ein wohl proportionierter Außenraum auf, der für die Sportanlagen genutzt wird.

Die vier Schulgebäude werden durch einen offenen Umgang zusammengefasst, der an drei Stellen in die Häuser einschneidet. Zwischen den Häusern entsteht eine Art Kreuzgang. Von diesem führt eine breite Freitreppe auf das 3m tiefer gelegene Niveau des Werkhofs und der Sportflächen.

Die Baukörper sind mit unterschiedlichen Nutzungen gefüllt und so entstehen das Versammlungs-, Musik-, Forscher- und Werkhaus.

Der zentrale Schulhof ist wohl proportioniert und die große Stärke des Entwurfs. Von ihm aus gelangt man in die angrenzenden Außenräume: Schulgarten, Tischtennis, Nutzgarten und in die Sportflächen, deren Funktionen voll erfüllt sind.

Das Versammlungshaus wird über den AUB (Außerunterrichtlicher Bereich) betreten, der damit leider nur wie ein Foyer nutzbar ist. Am AUB liegen - von außen kaum zu sehen - die Vitrinen des Gedenkortes. Der anschließende Mehrzweckraum ist vom Tanzraum durch einen schmalen Gang getrennt, der darüber hinaus auch noch zur Mensa führt. Damit ist das ganze Erdgeschoss viel zu eng. Die Verwaltung und die richtig darüber gelegenen Oberstufen-Cluster sind gut organisiert. Lediglich die am Atrium gelegenen Aufenthaltsräume haben keine gute Belichtung. Erste und zweite Fluchtwege sind nachgewiesen.

Die Erdgeschosse des Musik- und Forscherhauses sind ebenfalls etwas zu knapp mit Foyer- oder Verkehrsflächen ausgestattet. Die Belichtung des am Atrium gelegenen Fachraums Chemie ist nicht ausreichend. Die darüber liegenden Cluster der Mittelstufe sind sehr gut organisiert und ideal erkennbar. Warum jedoch die Jahrgänge übereinander und nicht pro Geschoss organisiert werden, ist nicht ganz nachvollziehbar.

Das Werkhaus besitzt die klassischen Werkhöfe im Untergeschoss. Das Erdgeschoss ist, wie in den übrigen Häusern, auch etwas zu knapp bemessen. Während man aus dem Untergeschoss und dem Erdgeschoss direkt flüchten kann, fehlt im ersten Obergeschoss noch der Nachweis eines zweiten Fluchtweges.

Vier Häuser bedingen weite Wege. Lehrer, die in der 8b unterrichten und dann in die 9b wollen, müssen zwei Geschosse hinunter gehen, um dann zwei Stockwerke wieder hoch steigen.

Passend zum Thema der einzelnen Häuser, sind diese in massivem Mauerwerk ausgeführt. Dadurch ergeben sich bis zu 70 cm starke Außenwände. Diese Konstruktion lässt ein hervorragendes Raumklima insbesondere im Sommer erwarten.

Der Nachweis der drei Hallenteile ist nicht dargestellt: es fehlen zwei Umkleiden und eine Wasch-/Duscheinheit.

Die konzeptionelle Stärke des Entwurfs das Programm auf vier Häuser zu verteilen, ist auch seine größte Schwäche. Der einschneidende Um- oder Kreuzgang erhöht, neben der Aufteilung des Raumprogramms auf vier einzeln stehende Häusern, ganz massiv die Hüllfläche. Die Atrien, die auch noch sehr klein sind, tragen weiterhin zur Erhöhung der Hüllfläche bei. Gleichzeitig fehlt in jedem der vier Gebäude ein Eingang mit Windfang und/oder Foyer.

Bei durchschnittlicher Kompaktheit liegt der spezifische Energiebedarf eher im ungünstigen Bereich. Die Tageslichtversorgung ist nur mäßig - insbesondere an den engen Lichthöfen und den Erschließungszonen im Sockelgeschoss. Durch den monolithischen Wandaufbau und somit große Speichermassen sowie dem effizienten Sonnenschutzkonzept ist ein vorteilhaftes Raumklima zu erwarten. Das Solarstrompotential der Dachflächen ist sehr gering.

Insgesamt ist das Ensemble gestalterisch sehr schön und schafft ein hohes Maß an Identität. Sowohl die funktionalen wie auch energetischen Mängel und die zu erwartenden hohen Errichtungskosten sprechen aber insgesamt gegen die Realisierung eines solchen Entwurfs.

Modell © Fotograf Herr H.-J. Wuthenow
Modell © Fotograf Herr H.-J. Wuthenow

Perspektive
Perspektive

Lageplan
Lageplan

Grundriss
Grundriss