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Diskussionsbeitrag | 07.11.2005 | 16:49 | stephan h

Diskussionsbeitrag Für wen ist der Park und welchen Zweck erfüllt er?

Hunde, Hunde und kein Ende...
Versuch einer Zielgruppendiskussion


Liebe Leute, sicherlich ist es für die Planungsbeauftragten nicht leicht, die Bedürfnisse aller auf der begrenzten Fläche des zu errichtenden Parks zu berücksichtigen. Dazu müssen wohl einige Prioritäten gesetzt werden, wozu dieses Forum auch beitragen soll. Leider vermisse ich noch verstärkt Beiträge dazu, welche Ausstattungsmerkmale der Park überhaupt besitzen soll.

Die Diskussion um Hundekot, Unrat oder andere Hinterlassenschaften zeigt jedoch, dass Sauberkeit den meisten ein wichtiges Anliegen ist. Berlin ist neben Hamburg die Stadt mit einer großen Dichte an Vierbeinern, mit allen damit verbundenen Problemen. Mit der Tretminendichte und der sonstigen Vermüllung stehen einige Bezirke vor schwer zu finanzierenden Aufgaben, insbesondere für viele Familien ist die Attraktivität dieser Stadt deswegen bereits erodiert. Natürlich erfüllt der eigene Hund für viele Menschen eine gewisse Funktion, die zu respektieren ist - ihre Haltung in dicht besiedelten Innenstädten kann allerdings nur schwerlich als wirklich artgerecht bezeichnet werden. Ich kann es daher verstehen, wenn einige Hundehalter mit diesem Forum verstärkt versuchen, ihre eigenen Interessen nach einem neuen Auslaufgebiet herauszuarbeiten. Vermeintliche Argumente, wie das Grundrecht auf Selbstverwirklichung, das Herausstellen des eigenen, ach so vorbildlichen Verhaltens bei der Beseitigung von Hundehaufen oder der Versuch der Relativierung durch andere Mitmenschen, die in Parks auch ihren privaten Müll entsorgen, sind für mich persönlich aber keine stichhaltigen Gründe dafür, wieder einmal das Interesse einzelner der überwiegenden Mehrheit aufzubürden, die das durchaus anders sehen.

Wer ist diese Mehrheit also? Der Garten wird sich wahrscheinlich in erster Linie richten an Familien, an Kinder und an Leute, die sich einfach nur ein wenig in Ruhe erholen oder betätigen wollen. Diese Gruppen haben mit Sicherheit wenig Interesse daran, permanent gesenkten Blickes nach Tretminen Ausschau zu halten oder ihren Kindern angesichts wieder einmal freilaufender Bulldoggen etc. einiger spezieller Hundehalter hinterherzueilen. Anleinpflichten halte ich daneben für wenig vielversprechend. Sofern das nicht permanent kontrolliert wird, halten sich da nur wenige daran, Streitigkeiten sind vorprogrammiert.

Das Modell Britzer Garten könnte hier ggf. Schule machen, denn er funktioniert wunderbar. Er ist von vornherein frei von Hunden zu halten und auch die sonst so verbreitete Vermüllung ist hier aufgrund seiner Bewirtschaftung so gut wie gar nicht vorhanden. Man kann ohne Sorge über Wiesen laufen, sich im Sommer auf ihnen niederlassen, spielen und Sport betreiben. Natürlich bedingt dies die Entrichtung eines gewissen Obolusses für die Nutzung, sowie die Abgrenzung des Parks und eine Einlasskontrolle. Es müsste diskutiert werden, ob das Modell auch beim Gleisdreieck durchsetzbar und gewünscht ist. Als eine reizvolle Vorstellung erscheint mir die Integration in den Berliner Gärtenverbund (neben Britzer Garten und Erholungspark Marzahn).

Unabhängig davon möchte ich noch folgendes anregen:
- es sollte versucht werden, den Technikstandort Gleisdreieck (mit Dt. Technikmuseum, altem Industriestandort und Bahnanlagen) auch im Park durch Objekte, Spielgeräte, Schautafeln etc. thematisch einzubinden (vielleicht hat da jemand bessere Ideen?) und vielleicht eröffnen sich hiermit weitere Finanzierungsmöglichkeiten
- für Kinder sollten keine 0815-Spielplätze (Sandkasten, Schaukel, Rutsche) sondern vielmehr Erlebnisspielplätze unter Verwendung überwiegend natürlicher Materialien eingerichtet werden (z.B. wie im FEZ, Hasenheide, BuGa-Park Potsdam)
- Bouleplätze sind kostengünstig und gleichzeitig immer ein Garant für Geselligkeit, Kulturvielfalt und Kommunikation
- die Fernbahntrasse durchschneidet den Standort, dennoch erscheint es mir nur sinnvoll zu sein, den Park als eine Einheit zu betrachten und auch begehen/nutzen zu können. Dies bedingt natürlich eine zuverlässige Sicherung der Bahntrasse und deren Überwindung. Schön wäre es, wenn die Bahn nicht als Störobjekt empfunden wird, sondern vielmehr in die Landschaftsplanung integriert werden könnte (evtl. kann auch die DB selber daran beteiligt werden). Vor allem Kinder sind ja bekanntermaßen vom Thema Bahn fasziniert - aber auch viele Erwachsene...

Die Senatsverwaltung möchte ich bitten, mit Weitblick die Planungen so zu lenken, dass nicht nur eine einfache Grünanlage entsteht, sondern ein vielschichtig nutzbarer "Bürgerpark", der seine Attraktivität nicht zuletzt durch eine überlegte Konzeption dauerhaft erhalten kann.


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Kommentare
wo bleiben Einkommensschwache?
(Kommentar von Sandro 08.11.2005 | 12:56)
Hm. Bitte nicht persönlich nehmen, aber die Buga, oder jetzt Britzer Garten, war für mich als Kind immer als so ziemlich das "Spießigste", was man mir als Ausflug antun konnte. OK, da waren ein paar in Muster gepflanznte Blumen, aber sonst war's doch eher ziemlich "trocken".
Da hätte ich viel lieber ein paar herumtollenden Hunden auf einem lustigen Hundespielplatz zugeschaut. Und ich erlebe meinen Hund eigentlich auch immer als "freudigeKinderblickeaufsichziehmaschine" (Bitte die Maschine nicht übelnhemen, liebe Hundefreunde ;) )
Bei der Gelegenheit könnte man ja auch gleich ein paar "Lehrtafeln" aufhängen, z.B. dass Kinder nicht an angeleinte Hunde rangehen sollen, dass man vor dem Streicheln fragen soll... so in Cartoonform.
Was mich aber an Deinen Vorschlägen am meisten stört, ist die Tatsache, dass man natürlich zu zweit mal so einen Eintritt zahlen kann, aber für eine kinderreiche Familie wird so etwas schon zum "Event". Und gerade, wo wir mit Paris gerade sehen, wozu mangelnde Integration führen kann, wollen wir doch für einen Bürgerpark alles andere, als bestimmte Gruppen ausgrenzen.
Minderheiten
(Kommentar von Ralf 11.11.2005 | 13:06)
Lieber Stephan H, wenn du den Britzer Garten so toll findest warum nützt du ihn denn nicht? Vieleicht weil er zu weit weg ist? Genau dasProblem haben die meisten Hundehalter mit Auslaufgebieten. Es gibt weder in Kreuzberg oder Tiergarten einen Hundeauslauf und in Neukölln könnte man sagen gibt es eine Arena, von Auslauf kann man nicht sprechen.Also was spricht dagegen wenn ein soo großes Gelände einen Teil für Hundehalter abwirft. Ist es nicht etwas sehr egoistisch nur an die mehrheit zu denken? Gibt es denn nicht schon genügend Parks mit Leinenzwang? Das Ziel sollte doch sein das man nicht ständig in Hundekake tritt und einem nicht ständig verstörte Hunde über den Weg laufen. Meiner meinung nach erreicht man um so das Gegenteil.Um so mehr Freiheit man den Hunden wegnimmt um so konzentrierter wird man Hunde auf dem Bürgersteigen treffen und die Konflikte zwischen Hund und Hund, Mensch und Hund immer stärker da man sich dann nicht mehr aus dem weg gehen kann.Ist es das was man sich wünscht? Liebe Grüße Ralf


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Von: stephan h

07.11.2005 | 16:49
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