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Presse und Aktuelles

Nachhaltigkeitsbericht 2003 - Die Stadt als zentraler Lebensraum


09.07.03, Pressemitteilung
Zu dem in der heutigen Senatssitzung von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erstmalig vorgelegten Nachhaltigkeitsbericht 2003 erklärt Senator Peter Strieder: „Während sich die Diskussion in der Vergangenheit isoliert auf Umweltschutzprobleme wie Smog, Waldsterben, Saurer Regen oder die Auslaugung der Böden konzentrierte, muss man diesen Rahmen heute viel weiter fassen und alle gesellschaftsrelevanten Bereiche mit einbeziehen.

Anders als bei früheren Umweltschutzberichten, geht es heute um Nachhaltigkeit. So wird in dem erstmals in mehrjähriger Arbeit aufgestellten Nachhaltigkeitsbericht 2003 Berlin unter sozialen, ökologischen und wirtschaftliche Aspekten gleichermaßen betrachtet.

In der Europäischen Union leben schon heute über 80 % der Menschen in Städten, weltweit sind es über 60 %. In unserem Jahrhundert erlebt die Stadt in ihrer Urbanität und Dichte eine gewaltige Renaissance auf die Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur reagieren müssen. Städte sind und werden nicht nur Wohn- und Arbeitsstätten sein. Sie werden immer mehr zu Orten der Kommunikation, des Austausches, der Kultur, der sozialen und ethnischen Vielfalt. Sie auch zu Orten werden zu lassen, in denen man sich angstfrei bewegen kann, in denen man sich gerne aufhält und lebt, ist daher eine Schwerpunktaufgabe.“
Die Frage nach einer nachhaltigen Entwicklung erschöpft sich nicht mehr in der Präsentation von Umweltdaten. Aus diesem Grund betrachtet der Nachhaltigkeitsbericht 2003 auch mehr als nur die Umweltfragen. Neben den klassischen Themen wie Boden, Wasser, Luft, Lärm, Abfall und ökologischem Stadtumbau, werden gleichberechtigt Fragen der Verkehrsplanung, des Denkmalschutzes, des Wohnungsbaus und der Sanierung und Instandsetzung von Wohnungen sowie der Stadtentwicklung betrachtet und analysiert.

Somit ist dieser Bericht eine Übersicht über die ökologische Entwicklung unserer Stadt und stellt – auch im Vergleich zu anderen großen Städten – Ergebnisse dieses Nachhaltigkeitsprozesses dar.

Vor diesem Hintergrund kann Berlin auf vielen Gebieten eine positive Bilanz vorweisen: Das gilt in besonderem Maß für den Klimaschutz. Die aus dem Energieverbrauch errechenbaren realen Kohlendioxid-Emissionen verringerten sich seit 1990 um 15%. Werden die klimabereinigten Daten zugrunde gelegt, ergibt sich eine noch stärkere Minderung. Mit dieser Entwicklung liegt Berlin weltweit im Spitzenfeld vergleichbarer Städte.

Die Qualität der Berliner Luft ist in den letzten Jahren erheblich sauberer geworden. Erreicht wurde das durch Verbesserungen bei Heizungen und bei Anlagen in Industrie und Gewerbe: Heizungen und gewerbliche Feuerungsanlagen wurden von Kohle auf emissionsarme Brennstoffe wie Gas und leichtes Heizöl umgestellt, in Industrie und Gewerbe verringerten neue Technologien wie die Rauchgasreinigung bei Kraftwerken und die Stilllegung älterer Anlagen die Emissionen.

Gleichzeitig ist indes die Luftverschmutzung durch den Verkehr immer stärker in den Vordergrund gerückt. Hier haben wir zwar auch eine deutliche Abnahme der Belastung, die durch strenge stufenweise Emissionsbegrenzungen für neue Kraftfahrzeuge und umweltfreundlichere Kraftstoffe erreicht wurde. Dennoch bleibt eine erhebliche Belastung durch den motorisierten Verkehr.

In den Jahren nach der Wiedervereinigung hat Berlin große Anstrengungen zur Sanierung von Wohnraum unternommen.Dabei wurden Maßnahmen zur Modernisierungs- und Instandsetzung an fast 600.000 Wohnungen durchgeführt, von denen 30 % energetisch relevante Bauvorhaben - insbesondere zur Verbesserung der Wärmedämmung und zum Einbau moderner Heizungssysteme – waren. Diese Maßnahmen sind die entscheidenden Investitionen in eine saubere Luft.

Seit Mitte der 90er Jahre gibt es in Berlin keine Wohnungsnot mehr, ein Problem, das die Stadt seit den Gründerjahren stets begleitet hat. Inzwischen gibt es sogar einen erheblichen Wohnungsleerstand. So erfreulich diese Entwicklung hin zum Mietermarkt ist, müssen wir uns auf der anderen Seite mit den damit verbundenen wohnungswirtschaftlichen Problemen auseinander setzen. In einigen Gebieten der Stadt werden wir aus diesen Gründen um den Abriss von Wohnungen und Gemeindebedarfsgebäuden nicht herumkommen. Der Abriss einzelner Gebäude bietet aber auch die Chance zur städtebaulichen Aufwertung des öffentlichen Raums in dicht besiedelten Wohnorten und kann somit Grundstein für eine nachhaltige Entwicklung des Quartiers sein.

Als übergreifendes Thema stellt sich die Frage Lebens- und Aufenthaltsqualität in den Berliner Quartieren. Mit der Einrichtung des Quartiersmanagements hat Berlin seit 1999 ein erstes Instrument geschaffen, das zunächst als Pilotverfahren für die Dauer von drei Jahren, also bis zum 31. März 2002 eingeführt wurde. Die Evaluierung zeigte bald eine so deutliche Stabilisierung und Aufwertung der Gebiete, so dass der Senat im August 2001 die Laufzeit um zwei Jahre verlängerte.

Das Quartiersmanagement hat das Ziel, durch das Vernetzen unterschiedlicher Interessengruppen und lokaler Akteure - Institutionen, Initiativen, Unternehmen, Wohnungsbaugesellschaften sowie die Aktivierung der Bewohner Gebiete mit besonderem Entwicklungsbedarf zu stabilisieren. Die Beschäftigung der Bewohner mit ihrem Quartier kann so helfen, die öffentlichen Räume zu pflegen, Nachbarschaften zu verbessern und damit die Attraktivität der Quartiere insgesamt zu erhöhen.

Die Belastung der Gewässer hat sich spürbar verringert. Die Einleitungen aus Berliner Kläranlagen und aus der Misch- und Trennkanalisation gingen zurück und lagen deutlich unter den Einträgen, die über die natürlichen Zuflüsse nach Berlin fließen. Auch hier haben sich die Frachten indes reduziert.
Doch wir können uns auf diesen Daten keineswegs ausruhen. Berlin ist eine der wenigen großen Städte, die ihre Wasserversorgung aus dem eigenen Gebiet heraus sicherstellen. Dieses ist angesichts der alarmierenden Untersuchungsergebnisse aus Brandenburg kein Automatismus. Wenn der Zufluss aus der Spree auf Dauer hinter den erwarteten Zahlen zurückbleibt, wird auch unser Haupttrinkwasserreservoir – die Wassergewinnung aus Uferfiltrat zurückgehen. Aus diesem Grund wird Berlin auf seine Wasserschutzzonen nicht verzichten. Die Sicherung eines ausreichenden Trinkwasserreservoirs ist daher auch für die Zukunft eine der dringlichsten umweltpolitischen Aufgaben.

Auch in der Abfallentwicklung zeigt sich eine positiver Trend. Das Brutto-Siedlungsabfallaufkommen reduzierte sich seit 1994 um ca. 19%. Dazu beigetragen hat neben den sinkenden Einwohnerzahlen, dem wirtschaftlichen Strukturwandel und den daraus resultierenden Veränderungen der Gewerbeabfallentwicklung auch ein verändertes Umweltbewusstsein der Gesellschaft: Die Maßnahmen zur Abfallvermeidung zeigen Wirkung. Die Verwertungsquote stieg auf 36,8 % im Jahr 2001 – gegenüber 1994 ein Quotenzuwachs um 20 %. Der Anteil der beseitigten Siedlungsabfälle reduzierte sich von 1994 bis 2001 um 39,4 %. Mit der jetzt veränderten rechtlichen Situation wird eine weiter Reduzierung der Abfallmengen erwartet.

Doch es bleiben Felder, die uns erhebliche Probleme bereiten:
Während die Abfallmenge insgesamt gesunken ist, tritt der Umgang mit Abfall im öffentlichen Raum in den Vordergrund. Die zunehmende Vermüllung von Parks und Plätzen wird daher zu Konsequenzen führen, mit einem Konsequenten Durchgreifen gegen Müllsünder diesem Problem Herr zu werden.
Ein weiteres Hauptproblem bleibt der Lärm, der durch den Straßenverkehr erzeugt wird, und hierbei wiederum vor allem der motorisierte Individualverkehr. Wenn wir die Lebensqualität in der Stadt erhöhen wollen und damit die Attraktivität der Innenstadt als Wohnort, dann bleiben Maßnahmen gegen den Lärm – wie zum Beispiel durch den Stadtentwicklungsplan Verkehr und den Lärmminderungsplan vordringlich.

In der Verkehrsentwicklung schlug hier Ende der 90er Jahre eine rückläufige Fahrgastentwicklung im ÖPNV zu Buche. Die Erfahrungen haben gezeigt: Eine Verkehrspolitik, die sich auf kostenaufwendige Erweiterungen des Straßen- und Schienennetzes beschränkt, ist zum Scheitern verurteilt. Eine gezielte Tarifpolitik mit innovativen Angeboten dagegen machen die ÖPNV-Nutzung attraktiver. Bestes Beispiel sind die erfolgreichen Tarifangebote für Schüler- , Studenten-, Auszubildende und das Geschwisterticket. So konnten die Fahrgastzahlen im Jahr 2000 stabilisiert werden und sind im Jahr 2001 wieder gestiegen. Der heute ebenfalls vom Senat verabschiedete Stadtentwicklungsplan Verkehr setzt sich mit dieser Problematik auseinander und stellt ebenfalls neue mittel- und langfristige Konzepte unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit vor.




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