Das Quartiersmanagementgebiet wird begrenzt durch die Flughafenstraße und den Columbiadamm im Norden, die Hermannstraße im Osten, im Süden durch die S-Bahntrasse und im Westen den Flughafen Tempelhof. Stadtteilprägend ist die gründerzeitliche Wohnanlage mit einem zentralen Grünzug, der Schillerpromenade. Im südlichen Quartiersbereich befinden sich Friedhöfe sowie das Gebiet um den Wartheplatz bis an den südlichen S-Bahn-Ring.
Das Gebiet weist eine gute
ÖPNV-Anbindung auf und hat nach der Schließung des Flughafens Tempelhof ein großes Entwicklungspotenzial. Dem gegenüber stehen eine hohe bauliche Verdichtung und ein erhebliches Defizit an öffentlich nutzbaren Grünflächen. Der Anteil der migrantischen Bevölkerung liegt im Gebiet bei rund 52 %. Die hohe Arbeitslosenquote und die hohe Fluktuationsrate im Gebiet waren unter anderem Indikatoren dafür, das Gebiet im Jahr 1999 als Quartiersmanagementgebiet auszuweisen. Seit Gebietsfestlegung wurden rund 8.000.000 Euro Fördermittel bewilligt um den Problemen im Quartier entgegen zu steuern.
Auswahl realisierter Projekte
Die Aufwertung des Wohnumfeldes, vor allem von Freiräumen für Kinder und Jugendliche, war seit Anbeginn eines der Schwerpunktthemen der Arbeit des Quartiersmanagements. Heute gibt es eine Vielzahl von qualitativ hochwertigen Grünanlagen, Spielplätzen und Freizeiteinrichtungen. So wurde in 2006 mit dem Jugendtreff YO!22 ein zentraler Treffpunkt im Quartier geschaffen. Hier können sich Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren am Nachmittag und Abend aufhalten und werden von Sozial- und Jugendarbeiterinnen und -arbeitern betreut.
Zudem wurde der zentrale Grünstreifen der Schillerpromenade sowie der angrenzende Herrfurthplatz nach Bewohnerwünschen umgestaltet. Nachdem durch diese ersten Baumaßnahmen die Ausstattung mit sozialer Infrastruktur in der Schillerpromenade erheblich verbessert werden konnte, konzentrierte sich die Arbeit des
QM ab ca. 2005 vornehmlich auf die Umsetzung und Förderung sozio-kultureller Projekte.
Diese setzen in Bereichen an, in denen die Defizite am größten sind. In der Schillerpromenade liegen die Schwächen in erster Linie in den Bereichen Bildung und Integration. Vor allem Bildungsdefizite bei Kindern sind ein drängendes Problem, haben diese doch erheblichen Einfluss auf ihre Lebens- und Zukunftschancen. Aber auch der mangelnde Kontakt zwischen den unterschiedlichen Bewohnergruppen wirkt sich negativ auf das Zusammenleben aus. In diesem Zeitraum entstand das bisher bekannteste und erfolgreichste Projekt aus der Schillerpromenade, die "Stadtteilmütter".
Das Projekt ist als "Exportschlager" mittlerweile im gesamten Norden Neuköllns mit insgesamt 100 beteiligten Stadteilmüttern unterwegs. Über den bewusst niedrigschwelligen aufsuchenden Ansatz können nun Zielgruppen von einem Beratungsangebot profitieren und für Themen der Erziehung sensibilisiert werden, die zuvor schwer bzw. gar nicht erreicht wurden.
Im Rahmen des Projekts des Interkulturellen Elternzentrums (IEZ) und seinen weitreichenden Angeboten konnte für die Eltern im Gebiet eine Anlaufstelle für die Familien im Gebiet geschaffen werden.
Mit der Zeit verlagerte sich der Schwerpunkt der Arbeit mit Familien und Eltern an die Schulen, da hier die Situation in einem besonderen Maße von Defiziten geprägt ist. So kann die seit 2007 unterstützte Elternarbeit an der Kurt-Löwenstein-Hauptschule mittlerweile auf eine Vielzahl von Maßnahmen im Bereich der Elternarbeit zurückblicken. Über Projekte der aufsuchenden Elternarbeit konnten viele Eltern langfristig an den Schulalltag ihrer Kinder angebunden werden. Um die Elternarbeit als zentralen Bestandteil des Schulstandorts Kurt-Löwenstein-Schule nachhaltig einzubeziehen, wird derzeit eine feste Anlaufstelle für die Eltern in Form eines Elterncafés geschaffen.
Da Bildung aus Sicht des Quartiersmanagements der Schlüssel einer erfolgreichen Integration ist, gilt es so früh wie möglich anzusetzen. Um den richtigen Schlüssel anfertigen zu können, bedarf es bei den
Kitas und den Grundschulen im Gebiet einer ergänzenden Unterstützung durch Projekte des Quartiersmanagements.
Im Jahr 2008 wurden durch das Projekt "Das Interkulturelle Elternzentrum kommt an die Schule" daher die Angebote des IEZ direkt an die Grundschulen und Kitas im Gebiet angesiedelt. Ziel ist es, hierdurch mehr Eltern zu erreichen und auch die Kitas und Schulen enger mit den bereits bestehenden Angeboten des IEZ zu vernetzen. Das Angebot umfasst unter anderem offene Sprechstunden und Elternwerkstätten, die direkt an den Kitas und Grundschulen angesiedelt sind.
Noch einen Schritt weiter setzt das 2008 gestartete Projekt "Elternschule" an der Karl-Weise-Grundschule an. Aufgrund der Tatsache, dass die bestehenden Angebote für Eltern und Familien im Kiez davon ausgehen, dass Eltern von sich aus auf die Angebote zurückgreifen, ist Ziel dieses Projekts, auch die bisher nicht erreichten Eltern bei der Beteiligung am Bildungsweg ihrer Kinder in die Pflicht zu nehmen - so unterschreiben die in die "Elternschule" aufgenommenen Eltern gleich zu Anfang eine Vereinbarung, in der sie sich zur Kooperation bereiterklären. Durch intensive Betreuung sollen die Eltern ihren Weg an die Schule finden. Umgesetzt wird das Projekt durch ein Team, bestehend aus Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern und einer Person der Lehrerschaft, die einen Teil ihrer Arbeitszeit ausschließlich diesem Projekt widmet. Dies ist beispielhaft für die derzeit vom Quartiersmanagement angestrebte Vernetzung der Projekte und Akteure auf institutioneller Ebene.