Das Quartiersmanagementgebiet Marzahn-Nord ist das jüngste Gebiet der Großsiedlung Marzahn und liegt im nordöstlichen Zipfel von Berlin. Die überdurchschnittliche Bevölkerungsfluktuation führte zu einem starken Bevölkerungsverlust zwischen 1990 und 2003 von rund 37 %. Vornehmlich sind die ökonomisch und sozial stabilen Haushalte weggezogen.
Zugezogen sind dabei viele Menschen aus anderen Ländern und mit anderen Kulturen. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund beträgt mittlerweile mehr als 20 %, ein großer Teil sind Russlanddeutsche. Die größte Gruppe stellen die Menschen, deren Wurzeln in Vietnam liegen. Die hohe Arbeitslosigkeit ist für alle Gruppen ein Problem, denn Ausbildungs- und Arbeitsplätze sind im Quartier kaum vorhanden. Im Quartier selbst sind besondere Anstrengungen nötig, um Integration zu fördern und den Zugang zu Bildung zu gewährleisten.
Städtebaulich wird Marzahn-Nord von industrieller Bauweise, sogenannten Plattenbauten, dominiert. Der Stadtteil bietet dabei ein sehr gutes Wohnumfeld mit vielen Grünanlagen und Spielplätzen. Es gibt ausreichend
Kitas und Schulen, die verkehrliche Anbindung ist gut.
Neben dem Programm "Soziale Stadt", das diese Veränderungsprozesse seit 1999 begleitet, werden seit 2002 Rückbau- und Aufwertungsmaßnahmen im Rahmen des Programms
Stadtumbau Ost ergriffen. Prominentestes Beispiel sind die Ahrensfelder Terrassen. Dabei wurden 11-Geschosser auf 2-6 Geschosse abgetragen und modernisiert. Insgesamt wurden bis 2008 Mittel in Höhe von 11.000.000 Euro für 600 Projekte bereitgestellt.
Auswahl realisierter Projekte
Das Quartiersmanagement hat viele Maßnahmen im Wohnumfeld durchgeführt: Spielplätze, Schulhofgestaltung und Anlage von Parkanlagen sowie die Sanierung des Sportplatzes sind hervorzuheben. Neben der Verbesserung der Wohnverhältnisse haben Maßnahmen eine hohe Bedeutung, die Lebensbedingungen verbessern helfen. Insgesamt wurden seit der Gebietsfestlegung ca. 600 Projekte auf den Weg gebracht. Einer sehr jungen Bevölkerung mit überdurchschnittlich vielen Kindern und Jugendlichen, oft aus Haushalten mit sozialen Problemen, werden viele Angebote in unterschiedlichster Form gemacht, von der sportiven Freizeitgestaltung in der "Dancehall" bis zur Beratung bei Teenagerschwangerschaften.
Verschiedene Bildungsprojekte werden in Kooperation mit Kitas und Schulen durchgeführt, ergänzt durch Angebote freier Träger wie z.B. im Projekt "Zukunftsdiplom", das Kinder durch die Teilnahme an verschiedenen Bildungsangeboten erwerben können. Umweltpädagogik findet sich auf dem Abenteuerspielplatz genauso wie Zirkuspädagogik bei Cabuwazi.
Mit dem Projekt "Jobgate" wird auf das Hauptproblem im Gebiet, die Arbeitslosigkeit, reagiert. Neben Information und Beratung werden hier Bewohnerinnen und Bewohner unabhängig von Alter und Herkunft in Ausbildung, Weiterbildung und Arbeit vermittelt, um ein selbstbestimmtes Leben aus eigener Kraft führen zu können.
Der Integrationsplan Marzahn NordWest 2011 wurde als gutes Beispiel in den Nationalen Integrationsplan aufgenommen und legt Ziele, Strategien und Maßnahmen fest. Die wichtigsten Projekte sind "Aussiedler orientieren Aussiedler (AoA)", das deutsch-russische Berliner Tschechow-Theater und die Projekte des Vereins "Reistrommel e.V.", die Themen der vietnamesischen Familien und deren Kinder aufgreifen.
Auch die Elternschule zur besseren schulischen Integration von Kindern aus russischsprachigem Elternhaus erhält finanzielle Unterstützung durch das Quartiersmanagement. In einem Gebiet mit fast ausschließlicher Wohnnutzung ist es wichtig, auch kulturelle Angebote zu schaffen. Neben dem Tschechow-Theater ist das "Kulturhochhaus" mit dem "Kinderkeller" und der "Pension im 11. Himmel" ein herausragendes Projekt. Kultur wird hier im nachbarschaftlichen Zusammenhang präsentiert und dabei zum Ereignis, das weit über die Gebietsgrenzen hinaus strahlt und damit das Gebietsimage verbessert.
Das Stadtteilmagazin "nw/sosedi" steht als Projekt sowohl für Öffentlichkeitsarbeit, Integration und Beteiligung. Das seit Anfang 2009 durch engagierte Bürger regelmäßig herausgebrachte Magazin informiert über alle im Quartier wichtigen Ereignisse und Vorgänge. Fester Bestandteil sind Beiträge in russischer Sprache, die von einer teilautonomen Redaktion von Aussiedlerinnen und Aussiedlern betreut werden.